Der Mecklenburgische Seenradweg

Der Sommerurlaub 2000 sollte keine Fernreise werden, wir wollten aktiv sein und Natur und Kultur erleben. Also setzten wir uns vor unserer Haustür aufs Fahrrad und starteten Richtung Mecklenburg-Vorpommern.

Am 2. Tag übernachteten wir im Fahrrad freundlichen Hotel Sonnenhof in Damnatz/Elbe. Damnatz liegt wenige Kilometer westlich Dömitz, der alten Festungsstadt. Deren zerstörte Elbbrücken waren lange Zeit ein Symbol der deutsch-deutschen Teilung.

Wir ließen Dömitz und die weithin sichtbaren Wanderdünen bei Klein Schmölen hinter uns und folgten bei herrlichem Sonnenschein dem gut markierten Radwanderweg entlang der Müritz-Elde-Wasserstraße. Immer wieder trafen wir auf Spuren des Dichters Fritz Reuter.

Mittags erreichten wir Ludwigslust, eine ehemalige Residenz der Schweriner Herzöge. Besonders sehenswert sind das barocke Residenzschloss und der angrenzende Schlosspark.

Kleine und kleinste Straßen und Wege führten uns bis zum Abend in die Kreisstadt Parchim.

Am nächsten Morgen regnete es leider. Aber das hielt uns natürlich nicht davon ab, weiter Richtung Müritz zu radeln. Über Lübz und Plau,

entlang des Plauer Sees erreichten wir am Abend Röbel. Die Radwege bekamen auf dieser Route nicht immer die Note 1. Aber als noch größeres Problem erwies sich die Suche nach einer guten Unterkunft. Im Gebiet der mecklenburgischen Seen boomt im Sommer der Tourismus. Folglich sind Hotels, Gasthöfe und Privatpensionen immer gut belegt.

Waren, die Kreisstadt des Müritz-Kreises, statteten wir nur einen kurzen Besuch ab. Das pulsierende touristische Leben in der Innenstadt erinnerte an die Seebäder an Nord- und Ostsee. Unser Tagesziel war der Müritz-Nationalpark auf der Ostseite des Müritzsees. Und bereits wenige Kilometer östlich Müritz ebbten die Touristenströme ab. In Federow besuchten wir die Nationalpark-Information. Und die ersten Fischadler ließen auch nicht lange asuf sich warten. Überall brüteten sie auf den Hochspannungsmasten; In einem Horst warteten sogar noch 2-.3 Junge auf die Fütterung durch die Altvögel.

Im Nationalparkhotel Kranichrast in Schwarzenhof konnten wir den erlebnisreichen Tag in herrlicher Atmosphäre ausklingen lassen.

Am nächsten Morgen ging es auf alten Plattenwegen südwärts. Von den Beobachtungstürmen ließen sich die jagenden Adler gut beobachten.

Nach einem Besuch im Luftfahrtmuseum Rechlin war unser Tagesziel Mirow am gleichnamigen See.

Von Mirow fuhren wir in vielen Schleifen über Canow, Wesenberg nach Neustrelitz. Einzigartig! Teilweise waren wir vollkommen allein inmitten der Natur. Das war Entspannung pur. Und in den Ortschaften konnte man sich auf besondere Art verpflegen: frischer Räucherfisch. Besonders empfehlenswert die Maräne.

Auch die Fahrt von Neustrelitz nach Neubrandenburg, mitten durch den östlichen Teil des Müritz-Nationalparks, führte durch ausgedehnte Wälder und vorbei an vielen Seen. Nur die Steigungen waren manchmal etwas beschwerlich.

Neubrandenburg am Tollensesee beeindruckt vor allem mit seinen vier Stadttoren und der alten Stadtmauer.

Hinter Neubrandenburg wurde die Fahrstrecke wieder flacher. Am späten Nachmittag erreichten wir Ueckermünde und waren froh, dass wir bereits in der Pension Anita im Stadtteil Bellin vorgebucht hatten.

Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Schiff - zollfreier Einkauf inklusive - über das Stettiner Haff und durch die „Kaiserfahrt“ nach Swinemünde (Świnoujście). Dort fanden wir sofort ein preiswertes Hotel, in dem wir uns für 3 Tage einquartierten.

Von unserem Hotel aus konnten wir sowohl Usedom als auch Wollin erkunden. Auf Usedom kann man die bekannten Seebäder auf ausgezeichneten aber stark befahrenen Radwegen erreichen.

Die Insel Wollin dagegen ist fast komplett zum Nationalpark ernannt (Woliński Park Narodowy). Riesige Buchenwälder und ein Wisentgehege sind neben der Ruhe die Attraktionen abseits der Hauptstraße. Einzig Misdroy (Międzyzdroje) zieht auch Touristen aus Deutschland magisch an. Neben dem weißen Strand scheinen die Touristen den „amerikanischen“ Rummel und die „Polenmarkt“-Atmosphäre zu lieben.

Der letzte Tag unserer Radtour durch Mecklenburg-Vorpommern führte uns noch einmal über die Insel Usedom. Der Radweg führte uns immer an der Ostsee entlang bis Peenemünde. Dort jedoch verließen wir ihn und folgten dem Peenestrom südwärts bis Wolgast. Vorbei an idyllisch gelegenen Dörfern und ab und zu beäugt vom deutschen Wappenvogel, dem Seeadler, konnten wir den letzten Tag noch einmal richtig genießen.

Es war eine sehr erholsame Fahrt. Teilweise musste man sich in der Hauptsaison rechtzeitig um ein Quartier kümmern. Aber alle Quartiere, vom einfachen Hotel bis zum vornehmen Schlossrestaurant können wir weiter empfehlen. Als Radfahrer war man immer bei dem freundlichen Personal willkommen.

Fotos: Unser Hotel in Neustrelitz - ein "Museum"