Mit dem Fahrrad durch das Ermland

Die diesjährige Herbsttour führte uns (Jens, Ulrich und Reinhard) nach Warmia (Ermland), welches sehr stark vom Deutschen Orden geprägt ist. Fünf Fahrtage – mehr Zeit stand uns dieses Jahr leider nicht zur Verfügung – ermöglichten natürlich nicht die Besuche aller Sehenswürdigkeiten im Stil der Backsteingotik. Dennoch kamen wir auf 430 km bei überwiegend freundlichem, z. T. sogar sonnigem und warmem Wetter.
Ausgangspunkt unserer Reise war Malbork (Marienburg). Nachdem wir mittags in Gifhorn gestartet waren, erreichten wir das Hotel Dedal nachts um 0.15 Uhr. Das Auto konnten wir auf dem bewachten Parkplatz sicher abstellen und anschließend den besonderen sozialistischen Charme dieses Hotels genießen.
Am nächsten Morgen war die Stimmung etwas getrübt, was aber nicht am Hotel sondern am ebenfalls trüben Wetter lag. Doch bereits während des Frühstücks wurde es zunehmend freundlicher. Und beim Start Richtung Norden kamen bereits die ersten Sonnenstrahlen durch den Nebel. Da wir als Ziel Krynica Morska (Kahlberg-Liep) auf der Mierzeja Wiślana (Frischen Nehrung) gewählt hatten, schauten wir uns die bekannte Marienburg nur kurz von außen an.
Auf wenig befahrenen Nebenstraßen fuhren wir im Weichseldelta (Bild) über Nowy Staw (Neuteich) zunächst nach Nowy Dwór Gdański (Tiegenhof). Die im Höfer-Verlag erschienene und überall in Deutschland erhältliche Straßenkarte 1:200000 Polen – West-Ostpreussen zeigte uns sicher den Weg.

Besonders in Nowy Dwór Gdański fiel auf, dass Holländer bei der Besiedlung und Urbarmachung des Weichselschwemmlandes aktiv beteiligt waren.
Auf unserem weiteren Weg nach Norden nahm der Verkehr leider zu, so dass wir in Rybina (Fischerbabke) die erstbeste Möglichkeit nutzten, um auf Nebenstrecken nach Sztutowo (Stutthof) zu gelangen.
Am Haff entlang bzw. durch ausgedehnte Wälder erreichten wir am Abend Krynica Morska (Kahlberg-Liep) (Bild). Eine Unterkunft war jedoch nicht ganz so leicht zu bekommen, wie wir dachten: Das erste Hotel war ausgebucht und die Schilder, die auf private Fremdenzimmer hinwiesen, galten scheinbar nur für die Hauptsaison. Schließlich kamen wir aber doch gut im Hotel Continental unter.

Von hier aus war es am nächsten Morgen bei strahlend blauem Himmel nur ein Katzensprung bis zum Strand der Bernsteinküste, wie dieser Küstenstreifen auch genannt wird. Warum? Es ist hier nahezu unmöglich, keinen Bernstein zu finden! (Bild)

Aber nach 30 Minuten intensiven Suchens und Findens starteten wir zur Umrundung des Zalew Wiślany (Frischen Haffs). Eigentlich wollten wir mit dem Schiff nach Frombork (Frauenburg) übersetzen, aber leider gibt die Homepage der Żegluga Gdańska in diesem Fall vollkommen falsche Auskünfte. In einer Fischräucherei auf der Zalew Wiślany wurden wir durch einen frisch geräucherten Aal (Węgorz) entschädigt. Und nach einem kurzen Stopp am ehemaligen Konzentrationslager Sztutowo ging es – natürlich wieder auf einer Nebenstrecke zurück bis Rybina und Tujsk (Tiegenort). Dort verließen wir die Hauptstraße gen Osten und folgten zunächst der Beschilderung Richtung Chełmek, später dann Richtung Elbląg (Elbing).
Diese Straßen sind teilweise nicht in der oben genannten Karte eingezeichnet, für Radler aber ausgezeichnet geeignet. Sie führten uns durch reizvolle Landschaft, und als Höhepunkt genossen wir eine (kostenlose!) Überfahrt mit der Fähre über die verträumte Nogat. (Bild)

Nach der Überfahrt ließen wir Elbląg rechts liegen und folgten nun der teilweise sehr hügeligen Küstenstraße nach Frombork. Und wo könnte man hier besser übernachten als im Hotel Kopernik, mit Blick auf den imposanten Domhügel.
Und dieser Domhügel war auch unser erstes Ziel am nächsten Morgen. Ein beeindruckendes Bauwerk der Backsteingotik – die ehemalige Wirkungsstätte von Nikolaus Kopernikus. (Bild) Mit dem Fahrrad ging es dann über Braniewo (Braunsberg) zur russischen Grenze.

Auf Nebenstraßen fuhren wir weiter Richtung Pieneiżno (Mehlsack). Dabei überquerten wir auch die alte Reichsautobahn nach Königsberg, von der heute nur noch ein Fahrstreifen existiert. Und dieser war auch völlig ausreichend für die wenigen Autos, die hier entlang fuhren.Weil es in dieser Gegend nur wenige Hotels gibt, entschlossen wir uns, noch bis Morąg (Mohrungen), der Geburtstadt Herders weiterzufahren. Auf dem Weg dorthin durchquerten wir die Städte Orneta (Wormditt) und Miłakowo (Liebstadt), und immer wieder begegneten uns Zeugnisse des Deutschen Ordens. Über das Hotel in Morąg werde ich hier nicht weiter referieren, aber es war dafür auch sehr günstig. Und trocken, denn abends setzte Regen ein, der aber am nächsten Morgen zum Glück durchgezogen war. Ein kurzer Besuch des Rathauses, und dann verließen wir Morąg Richtung Westen.
Über Zalewo (Saalfeld) und Susz (Rosen-berg) ging es durch abwechslungsreiche Landschaft auf wenig befahrenen Straßen nach Gilwa (Gilwe) (Bild), ein kleines Dorf ohne Ortsschild und auf das auch kein Wegweiser hinweist. Aber Ulrich wollte einmal sehen, wo seine Vorfahren herkamen.

Unser Tagesziel Kwidzyn (Marienwerder) erreichten wir anschließend auf direktem Wege. Hier gab es auch keine Probleme mit einer Unterkunft: Im Maxim fühlten wir uns ausgesprochen wohl (nicht zu vergleichen mit dem Pariser Maxim!).
Nach einem ausgezeichneten Frühstück fuhren wir am nächsten Morgen bei herrlichstem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen zunächst zur Burg (Bild), der ersten Ordensburg im Ermland, die bereits 1233 errichtet wurde. Ein beeindruckendes Bauwerk!

Auf kleinen und kleinsten aber durchweg gut befahrbaren Straßen, ging es durch eine liebliche Landschaft (Bild) zurück nach Malbork.

Hier endete unsere Rundfahrt durch Warmia mit einer Besichtigung des wohl eindrucksvollsten Bauwerks des Deutschen Ritterordens: Der Marienburg. (Bild unten)
Wir haben viel gesehen, kehrten mit vielen positiven Eindrücken nach Hause zurück. Aber vieles haben wir noch nicht gesehen; eine zweite Rundfahrt ist bestimmt sehr lohnenswert.