Rad fahren in Masuren

Um Masuren kennen zu lernen, kann man es von West nach Ost, von Nord nach Süd und zurück durchqueren. Wir haben uns während unseres 9-tägigen Aufenthaltes für ein Standquartier entschieden, um von diesem aus per Rad Rundtouren durchzuführen.

Einige Male wählten wir einen anderen Startpunkt, den wir dann mit dem Auto, Fahrräder Huckepack, erreichten.

Auf allen Fahrten war uns die vor Ort erhältliche Touristenkarte „Große Masurische Seen" (1:100.000) ein unentbehrlicher Helfer. Die hier beschriebenen Touren lassen sich mit Hilfe dieser Karte leicht nachvollziehen.

Straße nach Gewitterguß:

Alle eingezeichneten Wege waren mit dem Fahrrad befahrbar, mal weniger gut, mal besser. In fast jedem Ort konnte man sich in einem Sklep (Laden), meist auch sonntags, mit Nahrungsmitteln versorgen. Einige Orte hatten sogar eine Bar (Imbiss).

Unser Standquartier war das sehr empfehlenswerte „Hotel im Park“ in Jędrychowo (Heinrichshöfen), ca. 15 km westlich Mrągowo (Sensburg). Hier konnten wir uns in ruhiger Lage und in einer angenehmen Atmosphäre herrlich erholen.

Hotel im Park:

Waren wir nicht mit dem Rad unterwegs, konnte man im See baden, auf dem selbigen rudern oder in den umliegenden Wäldern Pilze und Heidelbeeren suchen. Auf alle Fälle immer Landschaft pur genießen.

So begegneten uns auf unseren Radtouren im nördlichen Bereich mehr Störche und Kraniche als Autos! Masuren ist das Land der Störche. Wer im Sommer durch Masuren reist und keine Störche sieht, muss mit geschlossenen Augen hier gewesen sein.

Störche:

Aber auch sonst standen neben den Radtouren die ornithologischen Beobachtungen im Vordergrund.

Blumen am Wegesrand:

Unsere ersten Touren führten uns in die nähere Umgebung (21.07.):

1. Jędrychowo - Grabowo - Borowe - Rutkowo - Głógno - durch den Wald bis Rybno - Rozogi - Maradki - Miliki - Sorkwity zurück nach Jędrychowo und
2. Jędrychowo - Sorkwity - Młynik - Botowo - Zyndaki - Sumówka - Choszczewo - Gieląd - Sorkwity - zurück nach Jędrychowo.

Auf diesen beiden Routen konnte in eindrucksvoller Weise die masurische Landschaft bewundert werden. Eine bunte Blumenvielfalt mit herrlichen Düften begleitete uns auf allen Wegen. Besonders beeindruckt waren wir - neben Kranichen und natürlich sehr vielen Störchen - von den vielen Unken, die wir vor allem in diesem Bereich sahen und hörten.

Für viele ist sicherlich auch eine Fahrt in die nahe gelegene Kreisstadt Mągrowo (Sensburg) interessant (26.07. und 28.07.). Für Radler erschien uns folgende Route empfehlenswert: Jędrychowo - Grabowo - Karwie - Mągrowo - Polska Wieś - Gązwa - Stama - Młynik - Sorkwity - Jędrychowo oder umgekehrt.

23.07.: Masuren ist aber nicht nur Natur, sondern hat auch viele Sehenswürdigkeiten zu bieten. Eine dieser Sehenswürdigkeiten ist die Wallfahrtskirche in Święta Lipka (Heiligelinde).

Święta Lipka:

Mit dem Rad erreicht man sie am besten über Sorkwity - Gieląd - Pustniki - Zyndaki - Warpuny - Burszewo - Widryny - Pilec (im Sklep bekommt man Sielawa wędzona - geräucherte Maräne, eine Spezialität) - Święta Lipka. Eine Besichtigung und das stündliche Orgelkonzert sind kostenlos. Es wird jedoch eine Spende erwartet. Und die gibt man gerne, denn mit etwas Glück bekommt man sogar eine kostenlose Führung auf Deutsch. Auf dem Rückweg lohnt sich ein Besuch in Reszel (Rössel) mit dem Bischofsschloss, der gotischen Kirche und einem schönen Stadtbild. Für den weiteren Rückweg wählten wir Straßen mit wenig Verkehr: Robawy - Richtung Biskupiec - Leżany - Wola - Szymanowo - Warpuny und weiter wie am Morgen.

Eine weitere Tour (27.07.) führte uns nach Krutyn an der Krutynia, dem beliebtesten Fluss für Kanutouren in Masuren. Entsprechend war auch der Betrieb in Krutyn, welches wir auf ruhigen, meist ausgezeichnet befahrbaren Straßen erreichten:

Über Grabowo - Borowe - Dłużec - Golen - Nawiady - Mojtyna - Str. Kiełbonki - Zgon. Nach einem guten Mittagessen in einem der vielen Restaurants verließen wir den Touristenrummel gen Norden und fanden bereits nach ca. 3 km eine ruhige Stelle an der Krutynia, direkt am Jezioro Krutyńskie, um die Landschaft zu genießen. Die wenigen Paddler waren hier eine nette Abwechslung.

An der Krutyna:

Weiter ging es Richtung Piecki, doch bogen wir nach etwa 3 km wieder rechts ab und fuhren durch dichte Wälder gen Norden. An der Kreuzung nach ca. 6 km ging es links Richtung Piecki. Direkt an dieser Straße wurde in einem alten Forsthaus, dem Geburtshaus des Dichters Ernst Wichert, ein Museum eingerichtet: Eintritt für Individualtouristen ohne Führung frei. Weiter ging es über Piecki - Szklarnis - Dłużec zurück nach Jędrychowo.

Um mehr von Masuren zu sehen, wechselten wir den Startort für unsere Radtouren: Mikołaiki (Nikolaiken). Hier starteten wir zu einer Rundfahrt um den (Spirdingsee) (25.07.). Diese 83 km lange Tour war jedoch sehr anstrengend, da sie größtenteils über Feldwege, Kopfsteinpflaster oder schlechten Asphalt führte.

Jezioro Śniardwy:

Für Nachfahrer hier die genaue Route: Łuknajno - Chmielowo - Zdęgówko - Okartowo - Nowe Guty (schöne Badeplätze) - Kwik - Zdory (Storchendorf) - Szczechy Wlk. - Jeglin - Karwik - von hier aus der roten Markierung bis Niedżwiedzi Róg folgend - Końcewo - Wejsuny - Onufryjewo - Wierzba - hier mit der Fähre auf die andere Seeseite und durch den Wald entlang der roten Markierung zurück nach Mikołaiki.

In den ausgedehnten Wäldern der Puszcza Piska (Johannisburger Heide) am Südufer des Jezioro Śniardwy trafen wir fast keine Menschen, dafür aber umso mehr Bremsen und Mücken. Natur pur war hier angesagt: Kraniche flogen vor uns auf, am Wegesrand wuchsen Heidelbeeren, Pfifferlinge und Steinpilze.

Eine weitere Tour ab Mikołaiki (29.07.) brachte uns (und natürlich unsere Fahrräder) zunächst mit dem Schiff bei herrlichstem Sonnenschein über Seen und Kanäle nach Giżycko (Lötzen).

Mit dem Schiff nach Giżycko:

Die Rückfahrt entlang des Jezioro Niegocin und schließlich ab Kozin über Kłos und Str. Rudówka Richtung Ryn führte uns durch Orte, in denen die Zeit stehen geblieben schien. Es sah dort aus wie vor 70 Jahren. Über Ławki (Kopfsteinpflaster der Extraklasse) erreichten wir schließlich auf direktem Wege wieder Mikołaiki.

Die schönste Tour zum Schluss (24.07.): Startort war Sztynort (Steinort). Wir verließen Sztynort auf der Straße Richtung Westen, bogen jedoch bereits nach ca. 1 km links ab und folgten dem rot markierten Radwanderweg, der auch einigermaßen gut befahrbar war.

Sztynort:

Herrliche Landschaft mit tollen Ausblicken auf den Jezioro Dargin entschädigten uns für manche sandige Passage. Ab Radzieje folgten wir der Straße und kamen über Dłużec - Mażary - Parcz schließlich nach Gierłoż, der Wolfsschanze.

Die Besichtigung dieser Festungsanlage war beeindruckend und deprimierend zugleich: Wie konnten Menschen sich freiwillig hinter solch dicken Mauern verschanzen, um dort zu leben? Das musste doch auf Dauer die Psyche negativ beeinflussen.

Wir waren froh, wieder auf dem Rad zu sitzen, um durch die herrliche masurische Landschaft zu radeln. Blumenwiesen, Wälder, Seen mit den schönsten Badestellen fanden wir auf unserem Rückweg.

Wir verließen nämlich in Parcz an der ehemaligen Bahnlinie die Straße und folgten dem Feldweg Richtung Doba. Dort stießen wir wieder auf den rot markierten Radwanderweg.

Der nächste Ort Richtung Norden war Pilwa. Ein Muss für den Naturliebhaber! Das Kopfsteinpflaster stört nicht mehr bei der Idylle, die dieser Ort ausstrahlt. Und natürlich gab es auch hier Störche. 15 besetzte Horste zählten wir, mehr als in keinem anderen Dorf, welches wir in diesem Jahr bereisten..

Es wird nicht unsere letzte Fahrt nach Masuren gewesen sein. Wir haben Appetit auf „mehr" bekommen. Und wer sich ornithologisch für mehr interessiert: Alle Vogelbeobachtungen per Klick!

Unsere Fahrräder haben die Tour trotz der teilweise schlechten Wegstrecken gut überstanden.