© Katja Gottschewski, 2002
Mit der Hurtigruten von Bergen nach Kirkenes

Eine Seereise entlang der norwegischen Küste

Hurtigruten - die schönste Seereise der Welt. Stimmt das? Wir wollten es testen und berichten hier über unsere (natürlich subjektiven) Eindrücke.
Starthafen der Hurtigruten ist Bergen, der Wendepunkt Kirkenes an der russischen Grenze in Nordostnorwegen. Man kann aber auch in jedem der 34 Häfen ein- und aussteigen.
Wir entschieden uns für die komplette Tour: Bergen-Kirkenes-Bergen in 12 Reisetagen. Und zur Einstimmung wählten wir für die Anreise die Fähre Kiel-Oslo und die Bergenbahn über die Hardangervidda. Wer mehr über die Reisemöglichkeiten mit der Hurtigruten erfahren möchte, sollte sich auf der Homepage der NSA informieren.

1. Tag: Unser Schiff hieß MS Nordlys - Nordlicht. Ob wir wohl das Glück haben werden, dieses Nordlicht auch real zu sehen? Nachdem wir am Abend des 26. März an Bord gegangen waren (Bild), konnten wir noch in Ruhe unsere Kabine einräumen und das Schiff erkunden.

Und dann ging´s los - nicht mit der Fahrt sondern erst mal mit der Schlemmerei: Ein Super-Buffet mit Fisch und weiteren Spezialitäten war die richtige Einstimmung. Wer übrigens keinen Fisch mag, hat nicht ganz so viel Freude an dieser Fahrt. Denn Fisch wird bei nahezu jeder Mahlzeit gereicht. Abends wurden wir noch über das Schiff, die Reise und auch die Sicherheitsvorkehrungen informiert. Und dann endlich legte das Schiff ab. Alle standen erwartungsvoll an der Reling und schauten in die Nacht. Was wird die Reise wohl bringen?

2. Tag: Alles grau in grau! Auf den Bergen lag Schnee. Und von dem imposanten Panorama von Måløy sahen wir fast gar nichts. Dann erstmal zum reichhaltigen
Frühstücksbüfett. Dieses blieb aber an diesem Morgen dann doch einigen im Halse stecken: Die Überquerung des Stadhavet - einer offenen Meerespassage am westlichsten Punkt Norwegens - erfolgte bei Windstärke 8 (Bild)! Und da hatte man schon seine Probleme, den Kaffee beim Trinken nicht zu verschütten.

In Torvik erreichten wir wieder die schützenden Inseln und Fjorde. Wir konnten nun bei allmählich besser werdendem Wetter die ständig wechselnde Landschaft genießen. Und auch die ornithologische Seite kam nicht zu kurz: Viele Möwen, Enten und Alke säumten von nun an den Weg.
Kultureller Höhepunkt des Tages war der längere Stopp in Ålesund. Fast 2 Stunden hatten wir Zeit, diese beeindruckende Jugendstilstadt zu erkunden.
An diesem ersten vollen Reisetag erreichten wir am späten Nachmittag Molde, die Rosenstadt mit dem Panorama der Romsdalsalpen. Unser Tag war damit schon fast beendet, die Nordlys fuhr jedoch stetig weiter gen Norden.

3. Tag: Frühstück in Trondheim. Und zeitweise schaute tatsächlich die Sonne zwischen den Wolken hervor. Den Stadtrundgang machten wir auf eigene Faust: Hafen, Bahnhof, Bryggen, Nidarosdom, Innenstadt. Und überall lag noch Schnee. Wer gerne an einer professionellen Stadtführung teilnimmt - kein Problem, denn Hurtigruten organisiert alles.(s. auch 11. Tag)
Nach der Abfahrt passierten wir Munkholmen, eine Festungsinsel direkt vor Trondheim. Bei windigem Wetter (Stärke 5-6) und wechselnder Bewölkung mit einzelnen Regenschauern verließen wir auch bald den schützenden Trondheimfjord. Schöne Leuchttürme - wie z. B. der Kjeungskjær (Bild) - waren optische Lichtblicke auf der Weiterfahrt gen Norden.

Erst am Abend erreichten wir den nächsten Hafen: Rørvik. Eigentlich konnten wir nun das Abendessen genießen und in Ruhe schlafen gehen. Wenn da nicht noch der Polarkreis-Wettbewerb wäre: Es galt, die genaue Zeit der Überquerung des Polarkreises am nächsten Morgen vorher zu sagen.

4. Tag: Wann passierten wir denn nun wirklich den Polarkreis? 7 Uhr 14 Minuten 11 Sekunden. Wer lag mit seinem Tipp am nächsten dran? Mit 7 Uhr 15 Minuten 30 Sekunden waren wir ziemlich dicht am Ergebnis. Abwarten. Am nächsten Tag war Siegerehrung.
Wir genossen den Tag bei wechselndem Wetter (Sonne, Regen, Schnee, Sturm) auf dem Schiff. Die frische Brise war sehr erholsam. In Bodø hatten wir über 2 Stunden Aufenthalt. Aber leider waren die Geschäfte am heutigen Karfreitag geschlossen. Und an Sehenswürdigkeiten bot die Stadt auch nicht allzu viel. Also nutzten wir den Landgang, um uns die Beine zu vertreten.
Der Höhepunkt des Tages sollte nun folgen: Die Überquerung des Vestfjorden mit Blick auf die Lofotenwand. Dieser Blick wurde aber leider durch das sehr wechselhafte Wetter getrübt (Bild). Uns blieb also zum Genießen der landschaftlichen Schönheiten der Lofoten nur die Rückfahrt (s. 9. Tag).

5. Tag: Ostersonnabend: Morgens in Harstad trafen wir die MS Nord Norge. Aber so richtig interessierte das heute keinen; alle waren noch beim Frühstück.
Und nach dem Frühstück: Deck 5. Hier konnten wir frische Luft tanken, die herrliche verschneite nordnorwegische Landschaft genießen und (zumindest die Ornithologen) ihrem Hobby nachgehen. Immer wieder wechselten enge Passagen zwischen den Inseln und größere Meeresbuchten ab. Das "Aaah" und "Oooh" der Reisenden über die schöne Landschaft gehörte zur Tagesordnung (Bild). Auch wenn man sich den ganzen Tag "nur" auf dem Schiff aufhielt - Langeweile kam nie auf. Denn zwischendurch gab es noch die Siederehrung der Polarkreiswette und natürlich die Polarkreistaufe. Was das ist? Bitte selbst überraschen lassen. Ach ja, mit unserem Polarkreistipp hatten wir nicht gewonnen.

Am Abend erreichten wir Tromsø - das Tor zum Eismeer. An der angebotenen Stadtrundfahrt nahmen wir nicht teil. Wir interessierten uns vielmehr für das Polarmuseum, welches die Erforschung der Pole (Amundsen, Nansen) eindrucksvoll dokumentierte. Auch die Informationen über das Leben der Jäger in den arktischen Regionen war sehr informativ. Oder hatten Sie schon einmal ein Stück Walroßhaut in der Hand?
Und ornithologisch war es an diesem Tag auch sehr interessant: Die ersten Prachteiderenten konnten im Hafen von Tromsø gesichtet werden.

6. Tag: Ostersonntag. Das Wetter wurde besser. Und das war gut so. Denn heute erreichten wir den nördlichsten Punkt unserer Reise. Geplant war auch ein Ausflug zum Nordkap. Aber nur bei schönem Wetter. Und wir hatten Glück. Um 11 Uhr wurde bestätigt, dass der Ausflug stattfinden kann. Und unser Glück hielt an. Wir erreichten das Nordkap (Bild) bei Sonnenschein. Von Nebel weit und breit keine Spur. Aber schließlich war ja auch Ostern.

Und das Glück verließ uns an diesem Tag nicht mehr. Bei der Abfahrt aus Honningsvåg entdecken wir eine Plüschkopfente aus Ostsibirien (eine Rarität in Norwegen).
Wir genossen den Tag und die nordische verschneite Landschaft und passierten am Abend im Schein der allmählich versinkenden Sonne noch die eindrucksvolle Felsformation Finnkjerka.
Doch der Höhepunkt sollte erst noch kommen. Um 21 Uhr wurde folgende Durchsage auf dem Schiff gemacht: "Wenn Sie Nordlicht sehen wollen, müssen Sie auf die Steuerbordseite gehen." Sofort war auf den Außendecks reger Betrieb zu verzeichnen, um das Himmelsschauspiel zu verfolgen. Zunächst tat sich noch recht wenig; aber plötzlich zuckten weiße und grüne, teilweise sogar rote Lichter über den Nachthimmel - und im Nordwesten sahen wir immer noch das Abendrot und den blauen Himmel. Beeindruckend. Eine Stunde konnten wir das imposante Himmelsschauspiel genießen.
Sie sehen hier eine Animation des Nordlichtes vom Ostersonntag, aufgenommen von Katja Gottschewski in Bodø. Wir danken Katja Gottschewski für die Erlaubnis, ihre Animation auf unserer Homepage zu veröffentlichen. Und wenn Sie mehr Nordlichtfotos sehen wollen, besuchen Sie doch die Homepage von Katja Gottschewski.

7. Tag: Wolkenloser Himmel und frostig kalt! Aber auf dem Meer östlich der Varangerhalvøya tummelten sich viele Vögel: Möwen, Eissturmvögel, alle Alkenarten. Und in den geschützten Häfen neben den Eider- und Eisenten auch Prachteider- und Scheckenten! Vadsø an der Südküste der Varangerhalvøya war heute morgen der erste Hafen, den wir anliefen. Alles tief eingeschneit. Und auf der Küstenstraße sahen wir Schneepflüge im Einsatz.
Von Vadsø ging es weiter nach Kirkenes, dem Wendepunkt. Kirkenes liegt zwar südlicher, wird aber nicht mehr vom wärmenden Golfstrom erreicht. Und das bekamen wir sofort im Bøkfjorden zu spüren: Eisschollen trieben auf dem Wasser (Bild) und wurden bis Kirkenes immer dichter.

Als wir um 11 Uhr in Kirkenes anlegten (Bild), zeigte das Thermometer -9o C.

Warm eingepackt, konnte uns die Kälte aber nichts anhaben. Die Sonne wärmte doch schon auf unserem Weg zum Grenzland-museum. Und überall begegneten uns Schifahrer. Ostermontag, Sonnenschein - ideale Voraussetzungen für eine Schitour.
Wir mussten aber um 13.30 Uhr bereits wieder am Schiff sein, denn die Rückreise begann. Wieder vorbei an der Varangerhalvøya. Das Meer wieder voller Vögel - auch Eismöwen gesellten sich nun dazu!
Gegen 17 Uhr erreichten wir das tief verschneite Vardø, Norwegens östlichste Stadt, auf dem gleichen Längengrad wie Kiew.
Ein herrlicher Wintertag ging zu Ende - und wir waren auf dem Rückweg nach Bergen

8. Tag: Wieder lag ein sonniger Tag im Eismeer vor uns. Wir konnten heute noch einmal die herrliche nordische Landschaft mit den tief verschneiten Bergen genießen. Am Morgen trafen wir im Hafen von Havøysund die MS Vesterålen. Die Besatzung der MS Nordlys rannte mit Bettlaken auf das Außendeck (Bild) und begrüßte schwenkend, winkend und johlend das Schwesterschiff.

Und außer viel Landschaft und Sonne war Hammerfest, die nördlichste Stadt der Welt, ein Höhepunkt. Während des einstündigen Aufenthaltes konnte man Mitglied im Eisbärenklub werden - oder sich die Stadt anschauen. Sehenswert hier vor allem die Kirche mit ihren bunten Glasmalereien.

9. Tag: Morgens legten wir in Harstad an. Heute war reger Betrieb im Hafen; ständig wurde be- und entladen. Aber wir fuhren schließlich auch auf einem Frachtschiff.
Um 8.30 Uhr ging es weiter - vorbei an der Trondenes Kirke zwischen verschneiten Bergen hindurch Richtung Vesterålen. Doch kurz bevor wir Risøyhamn, den ersten Hafen auf den Vesterålen erreichten, wurde das Schiff immer langsamer: Wir fuhren durch die Risøyrenna (Bild), einem 1922 eröffneten 4,5 km langen Kanal. Hier und auf der weiteren Fahrt durch die Vesterålen schlug das Herz der Ornithologen gleich höher: Eis- und Eiderenten, Trauer- und Prachteiderenten, Mittelsäger, alle Meerestaucher und sogar Seeadler erfreuten uns.

Über Sortland und Stokmarknes (das Hurtigrutenmuseum war wegen Wasserschadens leider geschlossen) ging die Fahrt weiter Richtung Raftsundet, einer engen Passage zwischen Vesterålen und Lofoten. Immer näher kamen die hohen Berge; nur einmal entdeckten wir auf der Steuerbordseite eine kleine Lücke - die Einfahrt zum Trollfjord. Dieser wird jedoch im Winterhalbjahr generell nicht befahren. Leider.
Also ging es zügig weiter nach Svolvær (Bild). Bereits bei der Einfahrt in den Hafen sahen wir, dass der Fischfang hier noch zum täglichen Leben gehört. Viele voll beladene Fischkutter, gefolgt von riesigen Möwenschwärmen und sogar fünf Seeadlern, tuckerten Richtung Hafeneinfahrt. Und diese wurde gesäumt von meterhohen Stockfischgestellen.

Den einstündigen Aufenthalt nutzten wir zu einem Rundgang durch den Hafen. Es war ein sehr schöner Abschluss eines aufregenden Tages.

10. Tag: Um 9.15 Uhr war es soweit: Wir überquerten den Polarkreis, (diesmal mit Seeadler!) und verließen die nördlichen Gefilde. Nesna, Sandnessjøen, Brønnøysund und Rørvik hießen die Häfen, die wir heute anliefen. In Sandnessjøen und Brønnøysund hatten wir etwas längeren Aufenthalt und nutzten die Zeit für einen Landgang. Dabei überraschte uns in Sandnessjøen ein Verkaufsstand direkt am Hurtigruten-Anleger: Mützen und diverser Schmuck (für Weihnachten?) wurde hier angeboten. Doch für wen?
Wir interessierten uns mehr für die Städte (die halbe Stunde war für den Landgang aber auch voll ausreichend) und die dann folgende Landschaft. Gleich hinter Sandnessjøen war die Bergkette "De syv søstre" zu sehen. Besonders voll wurde es aber erst hinter Brønnøysund auf den Außendecks: Wir passierten den Torghattan (Bild) - den Berg mit dem Loch. Es gibt für alles eine natürliche Erklärung - also auch für das Loch im Berg. Die norwegische Sage hat jedoch ihre eigene.

11. Tag: Am Morgen waren wir wieder in Trondheim (s. auch 3. Tag). Doch wo war der Schnee, den wir noch vor eimner Woche hier gesehen hatten? Statt dessen war die Straßenreinigung unterwegs und säuberte Gehwege und Straßen von den Resten des Winters.
Und auch auf der Weiterreise gen Süden fuhren wir Richtung Frühling. Es wurde wärmer. Auch die Landschaft veränderte sich (Bild): Keine schroffen Berghänge wie auf den Lofoten, keine schneebedeckten Berge wie am Eismeer. Es kam einem plötzlich alles so "südlich" vor.
So genossen wir die Tage auf Deck mit lesen, erzählen, ausruhen oder sonnen. Auch ein 30minütiger Landgang in Kristiansand stand noch auf der Tagesordnung.

12. Tag: Der letzte Tag unserer Seereise. Morgens Florø, der letzte Hafen vor Bergen. Dann hieß es Koffer packen, Adressen austauschen, Abschied nehmen, und nicht vergessen: die noch offenen Rechnungen begleichen.
Etwas Abwechslung brachte noch der Steinsundet, eine sehr enge Meerespassage. Und gleich nach dem Mittagsbuffet, dem letzten (oh, wie werden wir den Fisch vermissen) waren wir tatsächlich in Bergen.
Wir hatten bis zur Abfahrt unseres Nachtzuges nach Oslo noch viel Zeit und konnten deshalb einige Sehenswürdigkeiten dieser ehemaligen Hansestadt in Ruhe besichtigen: Die Altstadt (Bild), den Fischmarkt und natürlich Bryggen, die alten Speicherhäuser am Hafen.

Fazit der Reise: Sehr zu empfehlen. Man sollte jedoch Fisch mögen und nicht schon bei der kleinsten Welle seekrank werden. Warme Kleidung war in dieser Jahreszeit notwendig aber nicht ausreichend - ein Windschutz (von Kopf bis Fuß!) war meistens sehr von Nutzen. Zum Schluss noch ein wichtiger Tipp für Fotografen: Rechnen Sie pro Tag mit einem Film.
Und die Ornithologen sollten Fernglas und Bestimmungsbuch nicht vergessen, bei ruhiger See ist teilweise sogar ein Spektiv angebracht. Die Beobachtungen sind hier nachzulesen.
Sollten Sie Fragen zur Reise haben, schreiben sie uns. Wir antworten garantiert.
Und wenn Ihnen der Bericht gefallen hat, freuen wir uns über einen Eintrag ins Gästebuch.