Oder-Neiße-Radweg und Usedom

Für unsere diesjährige Herbst-Radtour wählten wir (Jens, Ulrich und Reinhard) den Oder-Neiße-Radweg entlang der deutsch-polnischen Grenze. Zeitraum: 27.09. bis 04.10.
Dann hatten wir auch noch etwas Zeit für die Insel Usedom.
Aber wie organiseren? Ganz einfach: Mit der Deutschen Bahn nach Zittau anreisen und von Usedom wieder zurück. Einfacher gesagt als getan. Die Elbeflut hatte die Bahnverbindung Dresden-Leipzig unterbrochen - und auch auf der Strecke Cottbus-Zittau war eine Fahrradmitnahme nicht möglich (Busersatzverkehr). Am Bahnschalter wurde uns zwar die eine oder andere Verbindung heraus gesucht - doch leider nichts Zufriedenstellendes. Erst über das Internet (www.bahn.de) und geschicktes Splitten der Gesamtstrecke bekamen wir eine zeitlich akzeptable Verbindung - mit dem Handicap des 5maligen Umsteigens. Und nachdem auch schließlich die Preisfrage zu unserer Zufriedenheit geklärt war (wie splitte ich die Gesamtstrecke für den Fahrkartenkauf, wo gibt es günstige Sondertickets), stand der Radtour nichts mehr im Wege.

Nach einer ersten (vorgebuchten) Übernachtung in Zittau (Hotel Dresdner Hof, empfehlenswert) begannen wir unsere Radtour mit einer Stadtrundfahrt (sehenswerte Altstadt). Dann ging es aber auch sofort auf den Radwanderweg, und bereits nach wenigen Metern erreichten wir die Neiße - schicksals-
trächtiger Grenzfluss. Bei mittlerweile herrlichstem Sonnenschein folgten wir dem (noch) kleinen Flüsschen durch die dichten Laubwälder (Foto).

Neiße bei Mariental

Bei Ostritz gibt es einen besonderen Grenzübergang nach Polen: Hier hat man die Möglichkeit, auf wenigen Kilometern eine Dreiländertour zu unternehmen; denn bereits nach knapp 4 km stetig ansteigender Straße ist man bereits am polnisch-tschechischen Grenzübergang (Foto). Pass bitte nicht vergessen!

polnisch-tschechische Grenze

Wieder zurück in Deutschland folgten wir dem Oder-Neiße-Radweg auf meist sehr gut befahrbaren Wegen Richtung Görlitz (Mittagspause, sehenswerte Altstadt).
Hinter Görlitz wählten wir - auch wegen der noch an diesem Tag geplanten Fahrtstrecke - eine eigene Route: Wir folgten der am Samstag nachmittag wenig befahrenen Kreistraße entlang der Neiße über Ludwigsdorf, Zodel, Deschka, Rothenburg, Lodenau bis Klein Priebus. Erst hier schwenkten wir wieder auf den vorbildlich ausgeschilderten und sehr gut befahrbaren Radwanderweg bis Bad Muskau ein. Die Suche nach einem Quartier war schwieriger als erwartet: Wochenende und kulturelle Veranstaltungen im Ort sorgten für ausgebuchte Hotels. Nach längerer Suche fanden wir jedoch im Restaurant Parkstübl eine gute Unterkunft. Tagesleistung: 122 km

Am nächsten Morgen galt der erste Besuch natürlich dem weltbekannten Fürst-Pückler-Park. Dieser riesige Landschaftspark erstreckte sich beiderseits der Neiße um das ehemalige Schloss. Heute geht die deutsch-polnische Grenze mitten durch den Park (Foto), die Brücken sind nur noch Ruinen. Wie überall an Oder und Neiße. Doch heute, im modernen vereinten Europa, beginnt man allmählich, die nach dem 2. Weltkrieg zerrissenen Verbindungen wieder herzustellen. Alte Brücken werden wieder hergestellt, neue Brücken gebaut - neue Grenzübergänge entstehen.

Fürst-Pückler-Park

Hinter Bad Muskau schlängelte sich der ausgezeichnet ausgebaute Radwanderweg - nunmehr in Brandenburg - durch Wälder und auf Deichen entlang der Neiße. Straßenverkehr ist hier ein Fremdwort. Sogar die Autobahn bei Forst störte an diesem Sonntag nicht die allgemeine Ruhe. Ein Regenschauer in Forst passte zu der allgemeinen trüben Stimmung, die diese Stadt ausstrahlt. Doch bereits wenige Kilometer weiter wendete sich das Wetter wieder zum Besseren.
Nach einem kurzen Zwischenstopp in Guben war unser nächstes Ziel die Oder-Neiße-Mündung bei Ratzdorf (Foto).

Oder-Neiße-Mündung

Auch in Eisenhüttenstadt, unserem heutigen Tagesziel, stellte sich die Suche nach einem Quartier als nicht ganz einfach heraus. In Fürstenberg, einem Vorort, durch den der Radwanderweg führt, gab es nur ein Hotel an einer Hauptverkehrsstraße mit nicht ganz billigen Zimmern (ohne Frühstück!). Erst in Eisenhüttenstadt selbst fanden wir dann in den Schönfließer Stuben ein gutes und günstiges Quartier. Nach 106 Kilometern freuten wir uns auf die Dusche, ein gutes Essen und ein warmes Bett.

Hatten wir bisher das Glück auf gut befahrbaren und exzellent ausgeschilderten Radwanderwegen fahren zu dürfen, so änderte sich dieses mit dem dritten Fahrtag. Bis Brieskow folgte die Strecke weitestgehend der Oder; dann aber mussten wir zunächst auf die B 112, anschließend durch Frankfurt/Oder und dann wieder auf die Bundesstraße. Vor allem in Frankfurt war der Radwanderweg überhaupt nicht ausgeschildert. Und schließlich folgte am Deich Baustelle auf Bautelle (Foto)!

Baustelle

Die erste zwischen Reitwein und Kietz war zumindest noch ansatzweise ausgeschildert (schon wieder über die viel befahrene Bundesstraße!), weitere Baustellen dagegen gar nicht. Hier hatte man nur zwei Möglichkeiten: Nach Karte einen eigenen Weg suchen (wir benutzten das original bikeline-Radtourenbuch, ISBN 3-85000-014-1, 1. Auflage 1999) oder mitten durch die Baustelle.
Auf den fertig gestellten Deichen ließ es sich aber super fahren und wir konnten die teilweise unberühret Flusslandschaft genießen (Foto).

An der Oder

Quartier organisierten wir mittlerweile immer telefonisch von unterwegs. An diesem Abend landeten wir nach 104 Kilometern im Landfrauencafe in Groß Neuendorf. Diese wirklich sehr empfehlenswerte Pension war etwas ganz Besonderes. Als nach der Wende die Zuckerrübenfabrik geschlossen wurde und die meisten Menschen arbeitslos wurden, schlossen sich vier Landfrauen zusammen und pachteten die Gaststätte. Sie brachten den Laden richtig in Schwung: Dorfkneipe zum täglichen Klönen, Pension für Radler, essen auf Rädern für den Oderbruch, usw.

Am nächsten Morgen bei dichtem Nebel änderte sich am Zustand des Radwanderweges zunächst nicht viel: Mehrere Baustellen. Auf den fertig gestellten Deichen ließ es sich aber wieder toll radeln. Der Nebel verzog sich nach und nach, die Sonne kam hervor - wie in den Tagen zuvor - und die ersten Seeadler saßen auf polnischer Seite am Oderufer. In Hohenwutzen war dann die Karte wieder erforderlich: Ohne Ausschilderung hätten wir wohl nicht den einzigen Weg zwischen Oder, Alter Oder und Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße gefunden. So aber folgten wir einem besonders schönen Abschnitt durch den Nationalpark Untere Oder: Mal ging es an der Oder entlang, mal an der Wasserstraße, plötzlich versperrte eine Schafherde (Foto) den Weg, dann kreisten wieder Seeadler über uns.

Schafe

Kilometer um Kilometer rollten wir - natürlich wieder bei herrlichstem Sonnenschein - dahin und erreichten bereits mittags die Stadt Schwedt.
Weiter entlang der Oder, mittlerweile wieder auf gut befahrbaren und ausgeschilderten Wegen, hieß unser nächstes Ziel Gartz. Bereits von weitem war der mächtige Kirchturm zu sehen (Foto).

Gartz/Oder

Hier, nach knapp 100 Kilometern Fahrtstrecke, wollten wir entscheiden, wo an diesem Abend ein Hotel gesucht wird. Da es noch früher Nachmittag war und wir uns noch für fit genug hielten, organisierten wir in Penkun ein Zimmer. Und schon ging´s weiter.
Doch diese letzte Fahrtstrecke in Brandenburg hatte es in sich: Viele Steigungen, Kopfsteinpflaster und Sandwege. Und auch die Beschilderung war nicht immer eindeutig. Nette Leute wiesen uns z. B. in Staffelde darauf hin, dass der Weg über einen Fabrikhof führt. Na gut, hätten wir gewusst, was uns an Wegen danach erwartete; wir wären mit Sicherheit die in diesem Bereich wenig befahrene B 113 entlang geradelt. Aber auch so erreichten wir unser Ziel. Und direkt an der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern erwartete uns dann - nachdem wir zuvor noch über einen Acker mussten! - wieder ein asphaltierter Radweg (Foto). Im Gasthof "Zur Linde" konnten wir uns dann von den letzten Strapazen (insgesamt 119 km) erholen.

An der Grenze Brandenburg - Meck-Pomm

Der letzte Tag des Oder-Neiße Radweges begann mit einem Kurzbesuch des Penkuner Schlosses - jedoch ohne Besichtigung, denn dafür war es noch viel zu früh.
Die Oder sollten wir heute nicht mehr zu sehen bekommen; denn sie fließt jetzt auf polnischer Seite ins Stettiner Haff. Dennoch war es ein schöner Radweg durch den Kreis Uecker-Randow. Auf gut befahrbaren Feldwegen oder kleinen Straßen ging es zunächst nach Löcknitz. Kurz vor Löcknitz wunderten wir uns über den starken Autoverkehr auf der kleinen Straße: Einheimische nutzten diesen Weg als Umleitungsstrecke für die gesperrte B 104. War es anfangs unser Leid, so konnten wir hinter Löcknitz eine absolut autofreie B 104 genießen. So folgten wir auch nicht dem ausgeschilderten Radwanderweg über Plöwen, sondern fuhren auf eben dieser B 104 bis Bismark. Dort schwenkte der Radwanderweg nach Norden wieder bis an die polnische Grenze. Für eine Pause kam uns der idyllische Thursee nördlich von Pampow gelegen. Die Stille wurde nur einmal durch die Begrüßung zweier Radwanderer, die auf dem Oder-Neiße-Radweg gen Norden fuhren, unterbrochen.
In Glashütte wunderten wir uns über ein Bahnhofsgebäude. Die Auflösung kam kurz darauf in Hintersee. Der Radwanderweg wurde über die Trasse der ehemaligen Randower Kleinbahn gelegt. Und jeder ehemalige Bahnhof war als solcher gekennzeichnet, Schautafeln informierten über die Geschichte dieser Kleinbahn (Foto).

Holzschnitzereien am Wegesrand waren das Ergebnis von Ferienkursen, die regelmäßig in Ludwigshof durchgeführt werden. Über Rieth, ein sehenswerter Ort am Neuwarper See, und Warsin erreichten wir Bellin. Dort hatten wir bereits in der Pension Anita vorgebucht, aufgrund guter Erfahrungen bereits aus den Vorjahren (s. auch Bericht über Radwanderweg Mecklenburgische Seen).
Doch an Pause war noch nicht zu denken: Wir mussten noch nach Ueckermünde und Fahrkarten für die Schiffreise am nächsten Morgen nach Świnouj
ście kaufen.

Nach einem ausgezeichneten Frühstück - wie immer in der Pension Anita - fuhren wir zum Hafen Ueckermünde, um von dort mit der Liivi Laht nach Świnoujście überzusetzen. Hier an der polnischen Grenze gibt es immer noch die Möglichkeit, auf den Schiffen günstig zollfrei einzukaufen. Und deshalb fuhren auch fast im Minutentakt Busse (sogar aus Braunschweig war einer dabei!) in den Hafen und brachten massenhaft potentielle Käufer an Bord der Schiffe (außer der Liivi Laht lagen noch mindestens 3 weitere Schiffe im Hafen). Um 10.15 Uhr ging es dann (mit leichter Verspätung) los. Ausfahrt aus dem Hafen: o. k. (Foto), Fahrt über das Stettiner Haff: Dichter Nebel. Erst mit der Einfahrt in die Swine klarte es auf, und auf Wollin angekommen, hatten wir wieder strahlenden Sonnenschein.

Ueckermünde Hafenausfahrt

Mit der innerstädtischen Fähre gelangten wir nach Usedom und genossen noch in Świnoujście als Mittagessen "Kurczak z roźna" (Hähnchen vom Grill). Dann aber ging´s los; denn wir wollten schließlich noch ein paar Kilometer schaffen. Bereits in Świnouście merkten wir jedoch an den vielen deutschen Touristen, dass Feiertag war (3. Oktober). Und deshalb flanierten auch viele Urlauber über die Kurpromenaden von Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin. Über den Radwanderweg und seine Sehenswürdigkeiten auf Usedom haben wir bereits im Mecklenburger Seenradweg berichtet. Nur mit den Quartieren war es im Herbst wesentlich einfacher als im Sommer 2000: Zielort war Koserow - und bereits nach kurzer Zeit hatten wir eine ausgezeichnete und freundliche Unterkunft im "Haus Elisabeth" gefunden. Nicht nur die Unterkunft auch das Abendessen war Spitze! Und dieses genossen wir mach einem Strandspaziergang an unserem letzten Abend dieser Herbsttour (Foto).

Sonnenuntergang

Der nächste Morgen war stürmisch: Gegenwind. Doch nach dem ausgezeichneten Frühstück und Stullenpaketen für unterwegs war das kein Problem. In Peenemünde besichtigten wir das Historisch-Technische Informationszentrum - unter nationalsozialistischer Herrschaft der Ort, an dem dien ersten Fernraketen der Welt hergestellt und getestet wurden.
Am Peenestrom entlang rollten wir gemütlich Richtung Wolgast, genossen vom Kirchturm einen letzten Blick bei strahlendem Sonnenschein auf Wolgast und den Peenestrom (Foto) und begaben uns um 15.30 Uhr zum Bahnhof, um mit dem Zug die Heimreise anzutreten.

Wolgast und Peenestrom