Mit dem Fahrrad von Gnesen nach Warschau

Von der ersten zur jetzigen Hauptstadt Polens

Die diesjährige Herbsttour sollte wieder durch Polen führen. Auf Grund persönlicher Beziehungen nach Gnesen stand auch der Startort bereits frühzeitig fest. Doch wohin sollte es gehen?
Nach der Gründung Polens im Jahr 966 auf dem Ostrów Lednicki (zwischen Posen und Gnesen) wurde bereits kurz darauf Gnesen zur ersten Hauptstadt Polens erkoren.
Was lag also näher, als von der ersten zur aktuellen Hauptstadt, nämlich Warschau zu fahren. Natürlich nicht auf direktem Wege, sondern über Thorn und anschließend entlang der Weichsel südwärts. Doch leider hatten wir diesmal mit dem Wetter Pech, und das Kartenmaterial stimmte nicht unbedingt mit dem überein, was wir vor Ort vorfanden. Doch dazu später mehr.

Bei Nebel starteten wir morgens in Gniezno (Gnesen). Der typische Geruch von verbrannter Braunkohle lag in der Luft. Wir wählten die Ausfallstraße Richtung Słupca. Kurz bevor die Straße aus Gniezno herausführt, bogen wir links ab Richtung Lubochnia. Bis hierhin war der Weg auch gut ausgeschildert, danach orientierten wir uns hauptsächlich nach der Höfer-Karte PL005 (Wartheland).
Von Lubochnia aus fuhrem wir weiter Richtung Kujawki, dort immer geradeaus und schließlich auf Sandpisten nach Trzemeszno.
In dieser sanft hügeligen teils bewaldeten, teils landwirtschaftlich genutzten Landschaft wollten wir an den vielfach vorhandenen Seen entlangradeln, weitere Sandpisten aber möglichst vermeiden. In Trzemeszno fuhren wir deshalb bis in den Ort hinein, am Ende der Straße rechts und schließlich weiter Richtung Orchowo bzw. Mogilno. In Trzemżal verließen wir die Hauptstraße nach links Richtung Mogilno und erreichten bereits nach kurzer Zeit den langgestreckten Jezioro Szydłowskie. Ihm folgten wir bis zur Straße 15, bogen links ab und kurz danach wieder rechts Richtung Chabsko. So erreichten wir auf gut befahrbaren aber wenig befahrenen Straßen Mogilno. Im Park genossen wir die mittlerweile aus dem Nebel aufgetauchte Sonne während unserer Mittagspause.
Weiter ging´s Richtung Inowrocław (Hohensalza), unserem Tagesziel. Und wie bereits am Vormittag: Kleine, wenig befahrene Straßen, häufig herrliche Alleen (s. Bild), in reizvoller Landschaft. So folgten wir zunächst dem Wegweiser Richtung Bydgoszcz, kurz darauf bogen wir rechts ab Richtung Janikowo. Und hinter Mogilno nahmen wir die erste Straße rechts Richtung Strzelce - nun waren wir allein und konnten Landschaft und Wetter genießen. In Strzelce rechts ab, nach Überquerung des Sees wieder links und nun immer geradeaus bis zur Hauptstraße, der 15. Doch diese viel befahrene Straße verließen wir bereits an der nächsten Ampelkreuzung, um auf einer rechts gelegenen kleineren Parallelstraße das Zentrum von Inowrocław zu erreichen.

Am nächsten Morgen bei wolkenlosem Himmel zunächst Richtung Toruń, noch innerhalb der Stadt links Richtung Rojewo. Wieder führt die wenig befahrene Straße über schöne Alleen. In Rojewo biegen wir rechts ab auf die 246. Ihr folgen wir bis Gniewkowo. Hier erreichen wir die Hauptstraße 15 nach Toruń, die aber am heutigen Sonntag einen eher ruhigen Eindruck vermittelt. Dennoch verlassen wir die Hauptstraße bereits nach wenigen Metern (kurz hinter einem Hotel) wieder nach links und folgen einer schmalen einsamen Allee. Diese führt zu einem riesigen Waldgebiet, in dem sich die Pilzsammler tummeln. Je weiter wir dieser kleinen Straße nach Norden - Richtung Weichsel - folgen, desto häufiger hören und sehen wir auch Kraniche und Gänse.
Am Ende der Straße biegen wir rechts ab Richtung Toruń. Der Verkehr nimmt deutlich zu. Deshalb verlassen wir diese viel befahrene Strań kurz vor der Bahnüberquerung nach links und folgen einem verhältnismäßig schlechten Feldweg bis zur Parallelstraße. Hier biegen wir rechts ab und gelangen nun auf einer wenig befahrenen Straße direkt nach Toruń (s. Bild).
Toruńs Altstadt ist einmalig schön. In den letzten Kriegen nicht zerstört, zeigt sie heute den Touristen ihre ganze Pracht: Marktplatz mit Rathaus, Marienkirche, Dom, Ruine der Ordensburg, ... Ein Besuch dieser Stadt, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, ist immer lohnenswert!
Nur unsere Suche nach geeignetem Kartenmaterial für die Weiterfahrt war nicht erfolgreich.
Unterkünfte dagegen findet man in Toruń wie Sand am Meer. Etwas abseits vom Zentrum übernachteten wir ausgezeichnet und preisgünstig im Hotel Heban.

Am nächsten Morgen starteten wir mit dem Ziel Włocławek. Immer weichselaufwarts, möglichst weichselnah. Deshalb folgten wir dem grünen Radwanderschild an der Weichsel. Doch irgendwann in den Wäldern östlich Toruń war die Beschilderung verschwunden. Nachdem wir uns wieder neu orientiert und einige Kilometer Umweg gefahren waren, erreichten wir Złotortia (südöstlich Toruń, direkt an der Weichsel). Im Nachhinein hätten wir der ersten Abzweigung von der Ausfallstraße Richtung Osten nur Richtung Süden folgen müssen und nicht dem Radwanderweg.
Leider fanden wir aber in Złotortia keine Hinweisschilder. Durch Befragen der Ortsansässigen erfuhren wir aber, dass wir an der Kirche abbiegen müssen. Und nun ging es auf kleinen Straßen immer südwärts. Leider sah man von der Weichel recht wenig. Und da der Weg nicht immer einfach zu finden war, folgt hier zunächst eine genauere Wegebeschreibung für Interessenten, die die Strecke nachfahren wollen.
Ab Złotortia führte die Straße immer Richtung Süden bzw. Süosten. Über Silno bis Osiek. Hier sind wir am Ortsende an der Kreuzung rechts abgebogen und dem asphaltierten Weg gefolgt. Dieser verlief schließlich parallel zur Weichsel und ging allmählich vom Plattenweg in einen teilweise nicht mehr befahrbaren Sandweg über. Da die Richtung stimmte, folgtren wir immer dem Hauptweg. Plötzlich, mitten im Wald, entdeckten wir an den Bäumen rote Fahrrdmarkierungen - ein eindeutiger Hinweis auf einen Radwanderweg. An der nächsten Kreuzung - mitten im Wald, unsere Karte konnte uns auch nicht mehr weiter helfen - zeigten die Radwegweiser nach links bzw. rechts. Geradeaus war aber eigentlich unsere Richtung. Da Mittagspause angesagt war, entschieden wir uns für rechts und erreichten tatsächlich nach wenigen Kilometren die Weichsel in Höhe Nieszawa (s. Bild). Bei herrlichstem Wetter aber mittlerweile eiskaltem Wind genossen wir die Ruhe und die Aussicht auf den Strom.
Wieder zurück an der Kreuzung, entschieden wir uns nun für links (Radwegweiser) und erreichten nach endlosen Kilometern tatsächlich die Straße nach Bobrowniki. Geradeaus wäre aber besser und kürzer gewesen - auch ohne Radwegweiser.
Nun war es ein leichtes, auf der gut ausgebauten aber wenig befahrenen Straße über Bobrowniki nach Włocławek zu gelangen. Leider stimmte auch hier unsere Karte nicht: Wir mussten an der Hauptstraße links abbiegen, um ins Zentrum zu gelangen. Im ausgezeichneten und preiswerten Hotel Młyn konnten wir uns von den Strapazen des Tages gut erholen.
Włocławek hat einen schönen Dom (s. Bild) und in dessen Umgebung weitere interessante alte Gebäude. Die Parkanlafge an der Weichsel ist ebenfalls sehenswert.

Am nächsten Tag wurde es eisig: Nachtfrost, Tagestemperaturen bei maximal 7°C und ein eisiger Wind aus östlichern Richtungen in Stärken zwischen 4 und 6. Und die Nebenstraßen nördlich der Weichsel Richtung Płock führten teilweise über ungeschützte Anhöhen. Die 60 km bis Płock hatten wir dennoch locker bis zum Mittag geschafft. Wegen der extremen Temperaturen entschieden wir uns aber für eine ausgedehnte Mittagspause mit warmem Essen in einem Restaurant. Und am Nachmittag noch einmal 60 km bis Sochawczek? Unmöglich bei diesen Witterungsverhältnissen. Nachdem uns auch der PTTK (am Ende der Fußgängerzone Richtung Dom) kein Hotel zwischen Płock und Sochaczew nennen konnte, entschlossen wir uns zum Bleiben und besichtigten ausführlich diese herrliche Stadt.
Płock, polnische Hauptstadt im 11. und 12. Jahrhundert, beeindruckt durch seinen Domhügel, der majestätisch über der Weichsel thront. Leider ist die Stadt selbst nicht vollständig erhalten. Es bringt aber sehr viel Freude, oben auf den Anhöhen entlang der Weichsel zu laufen, die immer wieder neuen Ausblicke zu genießen und die besonders in diesem Bereich vorhandenen Sehenswürdigkeiten und Schönheiten der Stadt zu erkunden.

Am nächsten Morgen das gleiche Wetter: Strahlender Sonnenschein und eisiger Wind aus östlichen Richtungen.
Wir verließen Płock über die Weichselbrücke (s. Bild) und bogen gleich wieder links ab Richtung Wyszogród. Auf den ersten Kilometern war es ein sehr unangenehmes Fahren: Enge Straße und viele Laster, die häufig mit überhöhter Geschwindigkeit und zu geringem Seitenabstand an uns vorbeirauschten. Ab Dobrzyków wurde es besser: Die Laster fuhren auf der Hauptstraße rechts weiter, wir dagegen links in Weichselnähe. In Ilów bogen wir rechts ab, um auf kürzestem Wege nach Sochaczew zu gelangen. Doch das war gar nicht so einfach, denn ca. 5 km vor der Stadt wurde die Straße zur Autostraße und ausdrücklich für Radfahrer gesperrt. Also bogen wir links ab Richtung Kąty und folgten der Nebenstrecke nach Sochaczew (Eisenbahnmuseum mit sehr, sehr vielen Dampflokomotiven). Dort hatten wir die Möglichkeit, die restliche Strecke nach Warschau mit der Bahn zurückzulegen.
Beim Fahrkartenkauf (meist nur in polnisch möglich) unbedingt den Zug benennen, mit dem man fahren möchte. Es gibt in Polen unterschiedliche Fahrkarten für die verschiedenen Zugarten. Und am Schalter wird häufig die billigste Fahrkarte verkauft, so dass man dann im Expresszug nachzahlen muss.

Warszawa (Warschau) hat drei innerstädtische Bahnhöfe: den West-, Zentral- und Ostbahnhof. Wir fuhren bis zum Zentralbahnhof und suchten uns dann - die Fahrräder schiebend - ein Hotel. Wir wagten uns bei diesem Verkehr nicht mehr auf die Straße. Man sieht auch nur äußerst selten mal einen Radfahrer in der Warschauer Innenstadt.
Die Hotels in der Innenstadt sind zwar ziemlich teuer. Wenn man aber - wie wir - nur einen vollen Tag für die Hauptstadt Polens Zeit hat, ist es schon sinnvoll, direkt im Zentrum zu übernachten. Man hat dann verhältnismäßig kurze Wege zu den vielen Sehenswürdigkeiten. Und sogar ein sehr gutes und preiswertes Restaurant entdeckten wir direkt im Zentrum in der ulica Chmielna: Bar "W Oficynie" (Bar im Hinterhof).
Für unsere Besichtigungstour wählten wir das Ghetto und die Altstadt. Es ist beeindruckend, wie die Polen ihre vollkommen zerstörte Altstadt zusammen mit dem Schloss (s. Bild) nach dem Krieg wieder aufgebaut haben. Ein Muss für jeden Touristen.
Warschau verließen wir am nächsten Moregn mit dem Zug Richtung Gniezno mit der Erkenntnis: Hier müssen wir noch einmal hinfahren, denn es gibt noch so viel in der polnischen Hauptstadt zu entdecken. Ein Tag ist viel zu wenig.

Wir fuhren auf unserer Tour ca. 350 km mit dem Rad. Geplant waren gut 400 km. Das war wegen der Witterung und den weit auseinanderliegenden Unterkunftsmöglichkeiten jedoch nicht machbar. Wir sind aber auch zu der Erkenntnis gekommen, dass man nicht unbedingt mit dem Fahrrad bis ins Zentrum von Warschau fahren sollte. Wenn es auf der Straße ungemütlich wird: Mit der Bahn kommt man sicher und preisgünsig ans Ziel.