Lubuskie (Ostbrandenburg) 2007

Unsere diesjährige Tour sollte uns durch Lubuskie, dem ehemaligen Ostbrandenburg führen. Die Anreise erfolgte mit dem Zug bis Frankfurt/Oder. von dort fuhren wir mit den Fahrrädern weiter nach Słubice direkt zum Hotel Korona, welches wir bereits vorgebucht hatten, da es außerhalb der Stadt direkt am Oderradweg lag. Leider hatte das Hotel kein Restaurant, so dass wir zum Abendessen noch einmal nach Słubice zurück fahren mussten.

Am nächsten Morgen starteten wir bei Temperaturen knapp unter 0°C auf dem Oderradweg (polnische Seite) gOderradweg: Übersichtskarteen Süden. Der Radweg ist verhältnismäßig gut ausgeschildert, man sollte jedoch die unterschiedlichen Farben der Fahrradsymbole beachten. Schautafeln an den Radwanderwegen helfen in der Regel hier sehr gut weiter. Auch am Oderradweg nutzten wir diese regelmäßig aufgestellten Informationstafeln.

Der Oderradweg führt meist direkt am Oderdeich entlang, auf kleinen befestigten und unbefestigten Straßen sowie auf (teilweise vollkommen zugewachsenen) Feldwegen. In der Regel ist man (im Herbst) allein auf den Wegen und Straßen und kann die Landschaft, besonders bei herrlichem Sonnenschein wie an diesem Tage genießen. Die letzten Kilometer vor Eisenhüttenstadt (auf polnischer Seite gibt es keinen Ort) verlief der Radwanderweg auf der befestigten Deichkrone - jetzt sogar mit ständigem Ausblick auf die Oder. Dann jedoch, nach einem letzten Blick auf die im 2. Weltkrieg zerstörte und noch halb in den Fluss hinein ragende Oderbrücke bei Eisenhüttenstadt, verließen wir den Fluss und fuhren auf einer kleinen Straße über Kłopol, Rapice, Bytomiec, Miłów und Rybaki zur Oderfähre Polecko. Nach der Überfahrt entdeckten wir wieder Schilder eines Radwanderweges (OdOderfähreerradweg?) und folgten diesen. Ein Blick auf unsere Höfer-Karte sagte uns, dass die Richtung stimmt. Und so folgten wir der Beschilderung entlang zunächst schmaler, später immer breiter werdender Feldwege, die schließlich sogar auf eine kleine Straße mündeten, der wir nun bis Krosno Odrańskie folgten.

Nun begann die Hotelsuche am Samstagabend. Denn das Hotel Odra, welches wir uns im Internet ausgesucht und das auch von der Touristeninformation in Krosno empfohlen wurde, reagierte nicht auf Emails oder Telefonate.

Bereits kurz vor der alten schönen Oderbrücke sahen wir das erste Hotelschild. Und es war das Hotel Odra. Es waren sogar Zimmer frei. Auf meine Nachfrage, warum sie nicht auf Emails geantwortet hätten und man das Hotel auch nicht telefonisch erreichen konnte, antwortete die Dame an der Rezeption nur mit einem Schulterzucken. Und das lag nicht in an meinen geringen polnischen Sprachkenntnissen! Wir kommunizierten in Englisch.

Am nächsten Morgen bestätigten sich unsere bisherigen Erfahrungen mit dem Hotel Odra: Zum Frühstück war nichts eingedeckt. Die Dame an der Rezeption war nicht nur hierfür sondern auch für die Essenszubereitung und die Bedienung zuständig. Trotzdem bekamen wir unser Frühstück, zwar nicht wie bestellt (3 Personen auf einmal, alle mit unterschiedlichen Wünschen - das war wohl doch etwas viel), aber wir wurden satt und konnten starten.

Bei leichtem Regen ging es südwärts entlang des Flusses Bóbr (Bober). Leider wurde der Regen nach kurzer Zeit immer stärker und ging dabei zeitweise sogar in Schnee über, so dass wir überlegten, die Strecke zu unserem Tagesziel Zielona Góra (Grünberg) abzukürzen. Doch der Regen ließ nach und wir konnten problemlos weiterradeln.

Auf kleinen, gut befahrbaren Straßen kamen wir flott voran. Ideal für Radfahrer in einer schönen waldreichen Landschaft, da wir nur sehr wenigen Autos begegeneten. In Łagoda mussten wir dann aber aufpassen: Rechts abbiegen, den Kanał Dychowski überqueren und sofort wieder links in den Feldweg parallel zum Kanal einschwenken. Hier waren wir nun wirklich allein, konnten die Preiselbeeren und Steinpilze, die am Wegesrand standen, bewundern und die Ruhe in der Natur genießen.

Mittagspause in Nowogrod Bobrzański. Da es weiterhin ziemlich kühl war, suchten wir ein Restaurant oder einen Schnellimbiss (Bar). Da wir nichts fanden, fragten wir. Die Passanten erklärten uns auf polnisch, wo wir ein Restaurant finden könnten. Alles klar. Um sicher zu sein, dass wir auch alles verstanden hatten, riefen sie per Handy sogar noch eine Bekannte an, die Deutsch sprach. Ergebnis: Sowohl auf deutsch wie auch auf polnisch die gleiche Beschreibung. Doch leider war es mit dem Auffinden etwas schwierig. In der besagten Straße war kein Restaurant. Und da es mittZielona Góralerweile wieder wie aus Eimern vom Himmel schüttete, konnten wir auch niemanden fragen. Die Straßen waren plötzlich menschenleer. Also blieb mal wieder nur der Einkauf im Supermarkt und eine Pause in einer überdachten Bushaltestelle - wie immer.

Danach fuhren wir aber - auch wegen der immer wieder heftigen Regenschauer - auf möglichst direktem Wege - Nebenstraßen bevorzugt - nach Zielona Góra.

Im Zentrum fiel uns sofort auf: Diese Stadt, Hauptstadt der Wojwodschaft Lubuskie, geht mit ihrer Geschichte positiv um und bemüht sich um deutsche Touristen. Überall im Zentrum findet man große Schautafeln, die die deutsch-polnische Geschichte dokumentieren.

Wir fanden sehr schnell ein ausgezeichnetes Hotel mitten im Zentrum: Hotel Śródmiejsce. Komfortable Zimmer und ein ausgezeichnetes Restaurant.

Am nächsten Morgen nach einem ausgiebigen Frühstück gings in die Kälte: -3°C. Immer gen Norden auf der Landesstraße 280 fuhren wir zum Odertal. Und hier kam zu der Kälte noch der Dunst. Es wurde ungemütlich.

Auf der Nordseite der Oderfähre war in der Höfer-Karte eine Burg oder ein Schloss eingezeichnet. Es existierte tatsächlich, befand sich in einem ausgezeichneten Zustand und Miedzyrzeczwar eine Schule. Und da Pause war, sorgten wir für einige Aufregung unter den Schülerinnen und Schülern.

Wegen der Kälte gings aber schnell weiter gen Norden, an Sulechów vorbei auf Nebenstrecken nach Świebodzin (Schwiebus). Hier mussten wir uns erst mal wieder aufwärmen. Einzige Möglichkeit war ein Döner-Imbiss auf dem Marktplatz.

Unser Tagesziel war Międzyrzecz (Meseritz). Geplant waren 2 Übernachtungen, um von dort aus an den Ostwall und nach Łagów zu fahren.

Bereits auf dem Weg nach Międzyrzecz passierten wir die ersten Bunker und Hinweisschilder zum Ostwall und nach Łagów. Doch leider war hier die Beschilderung der Radwege nicht immer ganz eindeutig. Dennoch erreichten wir am späten Nachmittag unseren Zielort. Nur die Hotelsuche gestaltete sich etwas schwierig: Das eine Hotel existierte nicht mehr, ein anderes war vollkommen heruntergekommen. Also fuhren wir noch einige Kilometer weiter gen Norden und übernachteten außerhalb der Stadt im Motel Jamar. Geht auch mal.

Am nächsten Morgen starteten wir nur mit Tagesgepäck. Zunächst durchquerten wir Międzyrzecz nach Süden und bogen anschließend westwärts Richtung Ostwall ein. Wir folgten zunächst der Beschilderung des Radwanderweges. In Kęszyca jedoch blieben wir auf der Straße und fuhren nach Kęszyca Leśna. Bereits mehrfach wurde ein Hotel in diesem Ort auf großen SOstwallchautafeln beworben. Um so überraschter waren wir, als wir am Ortseingang eine Art Wachhäuschen vorfanden. Kaum Menschen, dafür eigenartige Gebäude. Bereits nach wenigen Metern war alles klar: Dieser Ort war einst eine riesige Kaserne, von den Deutschen erbaut, später von den Russen übernommen. Mittlerweile werden die Wohngebäude (sie als Häuser zu bezeichnen, wäre übertrieben) renoviert und neue Heimat vieler Polen. Auch das Hotel existierte und machte keinen schlechten Eindruck.

Schwierig wurde es am Westrand von Kęszyca Leśna: Die Straße bog ab Richtung Süden, geradeaus wies uns ein Schild mit dem deutlichen Hinweis „Radwanderweg“. Der Nachteil: Dieser Radwanderweg war eine Sandpiste.

Nachdem die Straße in einer Sackgasse endete, blieb uns nichts anderes übrig, als dem Sandweg zu folgen. Und es war tatsächlich der richtige Weg! Wir erreichten schließlich den Ostwall. Unsere Enttäuschung war jedoch groß, als wir erfuhren, dass man diesen nur mit Führung und in einer Gruppe betreten darf. Woher kommen aber an einem nasskalten Herbsttag plötzlich so viele Interessenten? Also warfen wir einen kurzen Blick in dieses unterirdische Betonwerk und radelten auf direktem Wege - immer der Radwegbeschilderung folgend - Richtung Łagów. Dabei erlebten wir eine böse Überraschung: Der Weg von Boryszyn nach Sieniawa war eine 6 km lange Kopfsteinpflasterpiste aus behauenen Feldsteinen ohne Randstreifen. Am Ende waren wir und die Fahrräder gut durchgeschüttelt.
Lagów

In Łagów wurden wir dafür entschädigt. Auf einer Landenge zwischen zwei großen langgestreckten Seen liegt malerisch der Ort, deren Hauptsehenswürdigkeit die im 14. Jahrhundert durch den Johanniterorden errichtete Burg ist. Eine Besichtigung war möglich, lediglich der Ausblick vom Bergfried war wegen des trüben Wetters nicht so berauschend wie bei Sonnenschein. Aufwärmen konnten wir uns dann direkt am Fuße der Burg in einem sogar zu dieser Jahreszeit geöffneten Restaurant.

Wegen des nasskalten Wetters und der teilweise sehr schlechten Wegstrecken (s.o.) entschlossen wir uns, den Rückweg nach Międzyrzecz auf dem kürzesten Weg unter ausschließlicher Nutzung von Straßen zurückzulegen.

Abends bekamen wir dann telefonisch noch die Nachricht, dass für Donnerstag, unserem Rückfahrttag, wieder Bahnstreiks angekündigt waren.

Also änderten wir die Tour für den heutigen Tag. Auf schnellstem Wege, jedoch unter Ausnutzung kleiner Straßen oder Radwanderwege, so nah wie möglich an Słubice heran fahren. Unser Ziel war Ośno Lubuskie.

Nach einer kleinen Sightseeingeinsame Radwegetour durch Międzyrzecz (Rathaus, Burg) stießen wir an letzterer auch auf einen Radwanderweg, der uns auf besagten kleinen Wegen und Straßen durch herrliche Landschaft gen Westen führte. Die notwendige Verpflegung für unterwegs bekamen wir wie üblich in den kleinen Ortschaften am Wegesrand. Über Lubniewice (Königswalde) erreichten wir mittags Sulęcin (Zielenzig). Hier kehrten wir auch zum Aufwärmen wieder ein (Ferienpark am Ortseingang). Der Rest war dann schnell geschafft, da es unterwegs kaum Sehenswertes gab. In Ośno Lubuskie (Drossen) fanden wir preisgünstige Zimmer im erstklassigen Hotel Afrodite. Dieses Hotel ist als Kur- und Wellnesshotel nur ca. 30 km hinter der Grenze auf deutsche Touristen eingestellt. Vor allem die Verpflegung - abends und morgens (kalt-warmes Buffet) war Spitze. Und auch der Service. Wegen des bevorstehenden Bahnstreiks durften wir jederzeit in der Rezeption im Internet nachschauen, welche Züge gestrichen waren und welche noch fahren.

Und dank dieser Hilfe und einer schnellen Pedale am letzten Tag erreichten wir bereits sehr früh Frankfurt/Oder und hatten tatsächlich das Glück, nach nur etwa 60 Minuten Wartezeit mit einem Zug nach Berlin zu kommen. Berlin - Wolfsburg war dann kein Problem, denn die IC-Züge waren nicht vom Streik betroffen. In Wolfsburg bekamen wir jedoch abends die Auskunft, dass alle Züge Richtung Hannover gestrichen sind. Also aufs Fahrrad und die letzte Strecke wieder geradelt.