Neusiedler See 2007

Kurzfristig entschlossen wir uns, für gut 1 Woche am Neusiedler See Urlaub zu machen, um dort zu entspannen, Rad zu fahren und Vögel zu beobachten.

Ein Quartier hatten wir nicht vorgebucht. War auch nicht erforderlich, da eine Unterkunft für 2 Personen sogar in der Hauptsaison schnell und problemlos über die örtlichen Touristenbüros gebucht werden kann. Man sollte jedoch die Öffnungszeiten der Touristenbüros beachten - am Sonntagnachmittag ist in der Regel keines dieser Büros geöffnet.

In den Touristenbüros erhalten Sie auch einfache Radwanderkarten vom Neusiedlergebiet, teilweise sogar kostenlos. Fragen Sie in verschiedenen Gemeinden nach örtlichen Radwanderkarten - sie unterscheiden sich durchaus durch spezielle örtliche Zusatzradwege.

Unser Ziel war der Seewinkel und hier entschieden wir uns für St. Andrä - sehr zentral im selbigen gelegen.

Nach Buchung im Gasthof „Zur Linde“ gab es bereits die erste positive Überraschung: Mit der Buchungsbestätigung der meisten Beherbergungsbetriebe im Großraum „Neusiedler See“ bekommt man kostenlos die Neusiedlerseecard.

Richtig gelesen: Kostenlos! Und diese Karte bietet enorm viel: z. B. kostenlosen Eintritt in vielen Museen, allen Strandbädern (teilweise einziger Zugang zur Fähre über den See), einmalig freier Eintritt in Hallenbädern, freie Fahrt in Bussen und Bahnen, halber Fahrpreis bei der Seefähre, und, und, und....

Ein echter Service für Touristen, auch für Fahrrad-Touristen, die das umfangreiche Radwegenetz auf verschiedenen Themenradwegen befahren können. Die Radwege sind durchweg sehr gut ausgebaut und beschildert, im Seewinkel ausnahmslos flach. Es bereitete auch keine Probleme, von einem beschilderten Themenradweg zum nächsten zu gelangen: Ebenfalls bestens markierte Verbindungsradwege führen den Radfahrer sicher zum gewünschten Ort.


Wir machten folgende Radtouren:

31.07.: Lackenradweg

Dieser Rundkurs führt entlag der Naturschutzgebiete durch den Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel. Start ist direkt in St. Andrä. An mehr als 80 Lacken soll der Weg vorbeiführen. Doch die meisten dieser oft nur knietiefen, salzhaltigen kleinen Seen waren ausgetrocknet. Die wenigen noch Wasser führenden dagegen waren ein Eldorado für Wasser- und Sumpfvögel (s. Artenliste).

Etwas verwundert waren wir an diesem ersten Tag über tieffliegende Kleinflugzeuge, wildes Geballer und ständiges Sirenengeheul in den Weingärten. Mit deratigen Maßnahmen versuchen die Winzer, die zu Tausenden im Gebiet rastenden Stare von den reifenden Weintrauben fernzuhalten. Inwieweit davon auch andere Vogelarten betroffen sind, können wir nicht beurteilen.

01.08.: Kultur-Radweg und Puszta-Radweg

Der Kultur-Radweg führt den Radwanderer von der Basilika in Frauenkirchen über das Dorfmuseum in Mönchhof zum ehemaligen kaiserlichen Jagdschloss in Halbturn. In Halbturn fuhren wir dann anschließend auf dem Hansag-Radweg gen Süden. Hier bekommt man einen ersten Eindruck von der Puszta der kleinen ungarischen Tiefebene: Weites Land und glühende Hitze. In Andau waren wir überrascht, dass der Grenzübergang nach Ungarn mittlerweile auch für Autos geöffnet ist. Wir machten einen kurzen Abstecher zum nächstgelegenen ungarischen Ort Pusztasomorja, für Radfahrer an der Grenze ohne große Kontrollen möglich.

02.08.: Sopron

Die heutige Radtour führte uns nach Sopron, dem ehemaligen Ödenburg. Zunächst mussten wir jedoch von St. Andrä nach Illmitz zur Fähre, immerhin 18 km. In Mörbisch am Westufer des Neusiedler Sees fuhren wir nach Süden und folgten hier dem Neusiedler See Radweg. Kurz hinter der Grenze war dann auch Sopron ausgeschildert. Der Radweg führte nun durch ein kleines hügeliges Waldgebiet. Die Beschilderung war hier in Ungarn nicht ganz so optimal, der Radweg aber sehr gut ausgebaut.

Sopron selbst hat seinen alten Charme bewahrt. Besonders beeindruckend empfanden wir die vielen kleinen Eingänge, die zunächst in schmucke Hinterhöfe führten und schließlich über weitere Gänge in der Nachbarstraße mündeten.

03.08.: Eisenstadt

Das „schlechte“ Wetter des heutigen Tages (die Sonne schien ausnahmsweise mal nicht und es vielen sogar einige wenige Regentropfen) nutzten wir, um Eisenstadt und St. Margareten auf der Westseite de Neusiedler Sees per Auto zu besuchen.

Eisenstadt, die Hauptstadt des Burgenlandes, ist als Haydnstadt bekennt. Hier lohnt vor allem ein Besuch des Schlosses Esterhazy, dem Wahrzeichen der Stadt. Sein musikgeschichtlicher Stellenwert als Schaffensraum Joseph Haydns verleiht ihm auch heute noch eine besondere Atmosphäre. Nur wenige Meter vom Schloss entfernt ist das Haydnhaus zu besichtigen und im Stadtteil Oberberg befindet sich das Haydnmausoleum, die letzte Ruhestätte des Komponisten.

Auf der Rückfahrt war ein Stopp in St. Margareten absolute Pflicht. Im hiesigen Steinbruch bauten bereits die Römer Steine für ihre Bauten ab. Und heute ist dieser Steinbruch Kulisse für grandiose Opernfestspiele auf Europas größter Freilichtbühne.

04.08.: Hansag-Radweg

Ziel waren heute die Großtrappen im Hansag.

Wir fuhren auf dem Hansag-Radweg von St. Andrä über Tadten durch das Großtrappenschutzgebiet und hatten das Glück, tatsächlich 8 dieser größten flugfähigen Vögel Europas in freier Wildbahn zu beobachten.

Mitten durch den Hansag verläuft die österreichisch/ungarische Staatsgrenze. Eine einzelne Brücke führt über den Einser-Kanal, der die Grenze bildet. Diese Brücke von Andau ist heute ein wichtiges geschichtliches Denkmal. Über sie flohen 1956 viele Ungarn in das sichere Österreich, nachdem die Russen in ihr Land einmarschiert waren, um den Volksaufstand zu unterdrücken. Zeitgeschichtliche Dokumente geben im Aussichtsturm an der Brücke einen eindrucksvollen Überblick über die damaligen Ereignisse. Die heutige Brücke wurde vor einigen Jahren wieder aufgebaut und war die Kulisse für einen Dokumentarfilm über die Ereignisse von 1956. Die Grenze ist an dieser Stelle ebenfalls offen, jedoch nur, um sich von beiden Seiten der Grenze aus einen Überblick zu verschaffen.

Auf der Rückfahrt aus dem Hansag machten wir noch einen Abstecher über Apetlon und Illmitz und fuhren schließlich durch das Lackengebiet zurück.

05.08.: Südroute

Morgens ging es wieder zur Fähre, um den Neusiedler See anschließend von Mörbisch aus auf der Südroute zu umrunden.

Die Landschaft ist hier zunächst deutlich hügeliger. Von den leichten Anhöhen aus hat man einen herrlichen Blick auf und über den Neusiedler See.

Die Route selbst führt auf einem gut ausgebauten Radweg immer entlang der Hauptstraße und bietet keine besonderen Sehenswürdigkeiten bis auf Fertöd.

Auch hier steht ein Schloss Esterhazy, ursprünglich der Stammsitz der Familie. Das Schloss wurde in den letzten Jahren aufwändig restauriert, wovon man sich bei einer Besichtigung selbst überzeugen kann. Leider werden deutsche Führungen nicht ständig angeboten.

06.08.: Herend

Radfahrpause.

Mit dem Auto fuhren wir nach Herend, um eine der bedeutendsten europäischen Porzellanmanufakturen zu besichtigen. Im Gegensatz zu Schloss Esterhazy in Fertöd (s. 05.08.) ist hier eine deutsche (oder mehrsprachige) Führung eine Selbstverständlichkeit.

Es ist sehr beeindruckend, die verschiedenen Künstler bei ihrer Arbeit zu beobachten. Man bekommt einen Eindruck, wie aufwändig die Gestaltung z. B. eines verzierten Porzellantellers vom ersten Formen bis zum letzten Pinselstrich ist.

07.08.: Nordroute

Es waren Temperaturen von weit über 30° C angesagt. Dazu wolkenloser Himmel. Dennoch entschieden wir uns, an diesem Tag die längste Tour in Angriff zu nehmen: Die Nordumquerung des Neusiedler Sees. Zunächst wie immer zur Fähre nach Illmitz und von Apetlon dann gleich nordwärts Richtung Rust. Hügeliger ist es auf der Westseite des Sees, und der Radweg wird auch teilweise durch die Weinberge geleitet.

Rust ist ein herrliches Städtchen mit vielen, vielen Störchen. Überall auf den Dächern sieht man die besetzten Horste.

Gemächlich führt einen der Radweg von Ort zu Ort und wechselt dabei immer wieder von den Weinbergen an den Schilfgürtel und zurück. Neusiedl selbst, die Kreisstadt, wird vom Radweg nur tangiert. Hier biegt der Weg dann auch wieder nach Süden ab und führt am weniger dicht besiedelten Ostufer durch die Natur des Nationalparks. Es lohnen sich immer wieder Stopps, um die beeindruckende Natur zu genießen.

08.08.: Lackenradweg

Letzter Tag - letzte Radtour. Wir entschlossen uns, den Lackenradweg weitestgehend noch einmal abzufahren, wollten aber noch ein paar neue Gebiete erkunden. So entdeckten wir einen Reitweg, der zwischen St. Andrä und Podersdorf nach Süden Richtung Illmitz führte. Er war sogar mit dem Fahrrad befahrbar und führte uns an bzw. durch bisher noch nicht besuchte Lacken. Durch ist richtig: Die Lacken waren vollkommen ausgetrocknet. Und auch die Lange Lacke, die vor einigen Tagen noch Rastplatz vieler Wasser- und Sumpfvögel war, war weitest gehend trocken. Wanderhirten trieben heute ihre riesige Kuhherde durch die Lacke.

Wir nutzten den letzten Tag auch noch zum Besuch des Nationalpark Informationszentrums, in dem der Besucher kostenlos viele interessante Informationen über den Nationalpark bekommt. Die Biologische Station Illmitz braucht man jedoch nicht anzufahren, da sie für Besucher nicht zugänglich ist.

Insgesamt gesehen lohnt sich ein Besuch dieser Region. Man kann entspannt Fahrrad fahren bei meist sehr sonnigem Wetter. Die Natur bietet sehr viel. Ornithologisch ist das Gebiet immer interessant, sei es für Brut- oder Zugvögel (s. Artenliste). Und auch die kulinarischen Spezialitäten dieser Region am Übergang von Österreich zu Ungarn sind nicht zu verachten. Probieren Sie´s doch einfach mal aus.