Kanada 2008:

Vancouver Island und Rocky Mountains

In diesem Jahr keine Radtour sondern erstmals nach Kanada zum Wandern in die Rocky Mountains. Flug und Wohnmobil buchten wir rechtzeitig über ein Reisebüro. Weitere Informationen bezogen wir hauptsächlich aus Dem Reiseführer „Kanada, der Westen“ von Stefan Loose.

Unsere geplante Tour sollte von Vancouver über Vancouver Island und die Nationalparks in den Rocky Mountains nach Calgary gehen. Unser Ziel war es, möglichst alle Nationalparks der Rocky Mountains in gut 3 Wochen zu besuchen.

Erste Überraschung: Nach der Ankunft in Vancouver wurden wir vom Hotel mit einem Shuttle-Bus am Flughafen abgeholt. Zweite Überraschung: Im Hotelzimmer lag ein Gutschein für ein Frühstück!

In Vancouver bekamen wir erste Eindrücke vom kanadischen Leben: Gemütlich, freundlich, riesig. Man kann sich an dieses Leben gewöhnen. Aber nicht an Fast Food.

Am nächsten Morgen wurden wir von Fraserway (unser Wohnmobilvermieter) am Hotel abgeholt. Auf dem Firmengelände außerhalb von Vancouver wurde uns unser Heim für die nächsten 3 Wochen nach einer gründlichen Einweisung übergeben. Es war riesig (für deutsche Verhältnisse) - aber es war dennoch eines der kleinsten (für kanadische Verhältnisse)!

Nach letzten Einkäufen in der Downtown von Vancouver ( z. B. am Broadway!), fuhren wir zum bereits vorgebuchten Campground in Tsawwassen - praktisch wegen der Fährnähe, ansonsten aber nicht empfehlenswert.

Früh am nächsten Morgen nahmen wir die erste Fähre nach Vancouver Island. Wir fuhren über Victoria und Sooke auf die südwestliche Küstenstraße.

Fähre nach Vancouver Island

Dieser folgten wir nun über River Jordan bis nach Port Renfrew. Herrliche Rastplätze mit Ausblicken auf den Pazifik sorgten immer wieder für Pausen. Unterwegs konnten wir noch einen Lachs günstig bekommen (unser Abendbrot). Und teilweise beobachteten wir sogar Kleinwale bei ihrer Fischjagd.

Als wir dann in Port Renfrew nach Norden Richtung Lake Cowichan weiterfuhren, wurde die Straße immer schlechter, bis wir schließlich auf einer Schotterpiste weiterfuhren. Beeindruckende Landschaft, sogar der erste Schwarzbär kreuzte hier unseren Weg - aber leider wird in den Wäldern ein riesiger Raubbau am dortigen Regenwald betrieben. Die kahlen Hänge waren stumme Zeugen.

Abends erreichten wir Lake Cowichan und bekamen mit etwas Glück noch einen freien Stellplatz auf dem dortigen Campground.

Am nächsten Morgen begrüßten uns Kolibris vor dem Sanitärhaus. Nach dem Frühstück ging es dann gleich weiter zum Cowichan River Provincial Park. Dank der guten Informationen, Broschüren und Karten, die wir im Informationszentrum erhielten, fanden wir den Parkplatz an den Skutz Falls und konnten sofort starten.

Bei herrlichem Sommerwetter ging es durch den pazifischen Regenwald - immer am Cowichan River entlang, mal direkt am Fluss, mal oben am Steilufer. Vorbei an Baumriesen, die von Flechten und Moosen überwuchert waren, durch riesiges dichtes Farngestrüpp, begleitet von vielerlei unbekannten Vogelrufen genossen wir diese einmalige Wanderung. Schlangen, die sich am Wegesrand sonnten, konnten wir ebenso bewundern, wie eine graue Maus, die sich beim Verzehr ihrer Nahrung mitten auf dem Weg nicht stören ließ. Einen herrlichen Ausklang fand dieser heiße Tag dann in einem erfrischenden Bad im Cowichan River.

Cowichan River Provincial Park

Die nächsten beiden Tage fahren Fahrtage, denn vor dem ersten Nationalpark in den Rocky Mountains gab es noch die Fähre zurück zum Festland und gut 500 km Highway. Zum Glück hatten wir die Fähre vorgebucht, denn im Sommer bilden sich oftmals lange Schlangen mit Wartezeiten bis zu mehreren Stunden.

Unser erstes Ziel war der Mount Revelstoke Nationalpark. Und kurz vor Revelstoke machten wir bereits die erste Bekanntschaft mit einem Elch: Ein Muttertier mit Kalb kreuzte die Straße und nur durch eine schnelle Bremsung konnte ein Zusammenprall mit dem Elchkalb verhindert werden.

In Revelstoke (wie übrigens auch in allen weiteren Infozentren) wurden wir wieder ausführlichst informiert. Hier kauften wir auch den Jahrespass für alle kanadischen Nationalparks. Der Betrag von $ 136,40 für die Familienkarte schreckt im ersten Moment vielleicht ab. Wenn man aber einmal durchrechnet (ca. 20 Tage in den Nationalparks, Tagespreis $19,60) und sieht, was einem geboten wird (freie Eintritte in fast alle Ausstellungen, keine Parkplatzgebühren, auf vielen Parkplätzen saubere Toiletten, ...) ist dieser Preis angemessen. Man darf jedoch in Nationalparks - im Gegensatz zu den anderen Gebieten - mit einem Wohnmobil nicht auf einem beliebigen Parkplatz übernachten, sondern muss einen Campground aufsuchen, bei dem je nach Ausstattung unterschiedliche Gebühren anfallen. Auf den Campgrounds sollte man in der Hauptsaison sich bereits mittags einen Standplatz gesichert haben, da gegen Abend viele Plätze komplett ausgebucht sind.

Von unserem Campground (Marthas Creek, sehr schön an einem Stausee gelegen, der am Vortag bei 33°C Lufttemperatur zum Baden einlud) starteten wir morgens zu einer Wanderung im Mount Revelstoke Nationalpark. Doch leider war die Straße ca.
2 km vor dem Gipfel gesperrt: Bärenalarm. Da aber durchsickerte, dass der Bärenalarm in Kürze aufgehoben werden sollte, warteten wir vor der Sperre. Und tatsächlich: Um 10.15 Uhr wurden die Straßensperren entfernt und alle wartenden Fahrzeuge im Konvoi zum Gipfel begleitet.

Bärenalarm am Mount Revelstoke

Zunächst bestiegen wir den Gipfel des Mt. Revelstoke, um dann ins Hinterland zu wandern. Ein beeindruckendes Bergland empfing uns. Viele Tiere konnten wir am Wegesrand beobachten, zum Teil ganz nah: Pika (Pfeifhase), Hoary Marmot (Murmeltier), Columbia Ground Squirrel (Ziesel), Golden-mantled Ground Squirrel (Streifenhörnchen) und diverse Eichhörnchen. Einem Bären begegneten wir jedoch nicht.

Unsere Tour führte uns zunächst zum Miller Lake. Von dort aus wanderten wir noch zum Eva Lake und umrundeten diesen. Wegen der morgendlichen Wartezeit an der Straßensperre schafften wir es nicht mehr bis zu den Jade Lakes. Dennoch brachte uns diese erste Wanderung in den Rocky Mountains unvergessliche Eindrücke von der bizarren Bergwelt, den klaren Bergseen, dunklen Wäldern und der für uns völlig neuen Tierwelt.

Miller Lake

Am nächsten Tag (der erste Regentag!) verließen wir den Mount Revelstoke Nationalpark Richtung Osten, besuchten aber noch die kleinen aber dennoch sehr interessanten Skunk Cabbidge Trail und Giant Cedars Trail, in dem riesige „Lebensbäume“ in ihrem natürlichen Lebensraum zu bewundern sind.

Unser Ziel war der Glacier Nationalpark, die ersten Stopps legten wir am Hemlock Grove Trail und am Rockgarden Trail ein. Der Rockgarden Trail gefiel uns auch sehr gut. Am Nachmittag stellten wir unser Wohnmobil auf dem herrlich gelegenen Illecillewaet Campground ab und erkundeten noch die nähere Umgebung. Interessant ist hierbei vor allem der Lehrpfad zur Geschichte des ehemaligen Hotels in Glacier im Zusammenhang mit der Entwicklung der Eisenbahn in den Rocky Mountains. Auch beginnen am Campground viele Wanderwege.

Am nächsten Morgen starteten wir in aller Frühe zu einer „kurzen“ Wanderung auf dem Sir Donald Trail. Noch hingen die letzten dicken Wolken am Himmel, von den Bergspitzen war nichts zu sehen. Doch bereits nach kurzer Zeit zeigten sich die ersten Wolkenlücken. Und wir hatten noch nicht einmal die Hälfte der 900 Höhenmeter geschafft, als ein strahlend blauer Himmel eine imposante Bergwelt überstrahlte. Ständig begleitet vom Rauschen der Gletscherbäche und -flüsse, mal von links, mal von rechts - kletterten wir Meter um Meter in die Höhe. 4 Kilometer Strecke, 900 Höhenmeter, Zeit: 2,5 Stunden, dieser Trail hatte es wirklich in sich. Belohnt wurden wir durch eine herrliche Landschaft, in die ein Ausläufer des Illecillewaet-Gletscher hineinragte. Auf einem schmalen Grat einer Seitenmoräne kletterten wir schließlich noch bis auf 2300 m ü. NN.

Sir Donald Trail

Abends verließen wir den Glacier Nationalpark und fuhren nach Golden, um dort auf einem komfortablen Campground (Golden-eco Adventure Ranch) eine große Wäsche durchzuführen. Der Campground war sehr sauber, gut organisiert und ordentlich geführt. Nur die vielen Mücken vermiesten einem den Aufenthalt im Freien. Ein kleines Lagerfeuer sorgt hier für ein bisschen Entspannung.

Unser nächstes Ziel war der Yoho Nationalpark. Erste kurze Zwischenstopps machten wir an der Natural Bridge, am Lake Emerald und am Spiral Tunnels Viewpoint. Hier kann man sowohl das Eingangs- als auch das Ausgangsportal des 867 m langen unteren Tunnels gut einsehen. Und mit etwas Glück passiert auch einer der endlos langen Transkontinentalzüge gerade diesen Tunnel: Die Lokomotive hat den Tunnel bereits passiert, während der letzte Anhänger noch gar nicht eingefahren ist.

Ziel war jedoch der Monarch Campground am Abzweig zu den Takakkaw Falls, ein Campground, auf dem übrigens offenes Feuer nicht erlaubt war.

Am nächsten Morgen starteten wir in aller Frühe zu den Takakkaw Falls. Auch die beiden engen Serpentinen auf dieser Zufahrtsstraße, vor denen immer gewarnt wurde, konnten wir mit einmaligem Zurücksetzen gut bewältigen. Jedoch mussten wir wegen Sicherungsarbeiten an der Steilwand zunächst einige Zeit warten. Ein weiterer Stopp wurde dann eingelegt, als wir in nicht allzu großem Abstand zur Straße einen Schwarzbären entdeckten.

Takakkaw Falls

Und dann standen wir vor den Takakkaw Falls, mit 384 m (davon 254 m freie Fallhöhe) höchsten Wasserfällen Kanadas. Beeindruckend. Hier begann unsere Wanderung. Vorbei am halb ausgetrockneten Duchesnay Lake erreichten wir die Laughing Falls - genauso beeindruckend wie die Takakkaw Falls. Hier konnte man sogar ganz nah an den Wasserfall herangehen, mit dem Ergebnis, dass man kostenlos eiskalt geduscht wurde. Weiter ging es Richtung Yoho Glacier, von dem aber nicht mehr allzu viel zu sehen war. Wie eine Mondlandschaft wirkten die zurückgebliebenen Moränen. Nach der Mittagspause zogen wir es vor, zunächst auf dem gleichen Weg zurück zu gehen, denn der in einigen Karten eingezeichnete Rundweg zurück über den Whaleback Trail schien in einer Gerölllawine verschüttet zu sein.

Ground Squirrel

Nach kurzer Strecke bogen wir jedoch zu den Twin Falls ab, die wie die bereits vorher erwähnten Wasserfälle ebenfalls sehr sehenswert sind. Von hier aus wählten wir den kürzesten Weg zurück: Durch ein riesiges Geröllfeld (Bergsturz) zunächst wieder zu den Laughing Falls und dann zum Parkplatz, den wir im Gewitterschauer mit Sturzregen und Hagel erreichten.

Am nächsten Tag verließen wir den Yoho und fuhren in den Banff Nationalpark. Unser Ziel war der Lake Louise Campground. Bereits mittags angekommen, hatten wir auch keine Probleme, einen Stellplatz für 2 Nächte zu bekommen: Die erste Nacht mit Strom, die zweite auf dem mit einem elektrischen Zaun (Bärenschutz) umgebenen Zeltplatz mit Firepit zum Grillen!

Tags darauf stand wieder eine große Wanderung an: Von Lake Louise über Mirror Lake, Lake Agnes und den Big Beehive in die Plain of Six Glaciers. Nach anfänglichem leichten Regen, die Gipfel waren noch in Wolken eingehüllt, klarte es jedoch zunehmend auf. Bereits am Mirror Lake und kurz darauf am Lake Agnes konnten wir die Spiegelbilder der Berge in den klaren Seen bewundern. Der z. T. steile und anstrengende Aufstieg zum Big Beehive wurde durch eine herrliche Aussicht belohnt.

Blick auf Lake Louise

Doch damit nicht genug: Weiter ging es in die Plain of Six Glacier, die auch tatsächlich noch alle existierten und mittlerweile in der Sonne erstrahlten. Ab und zu vernahmen wir ein Donnern: Gletscherabbrüche. Sehen konnten wir jedoch nichts.

Hier oben war es auch etwas ruhiger als an den beiden Teehäusern unterwegs. Ein untrügliches Anzeichen für den großen Touristenrummel um Lake Louise waren die handzahmen z. T. sehr fetten Streifenhörnchen, die überall am Wegesrand herumsaßen.

Auf unseren weiteren Fahrten durch den Banff Nationalpark (Richtung Jasper National Park, Kootenay National Park bzw. Waterton Lakes National Park) besuchten wir - je nach Fahrtrichtung - noch den Moraine Lake, den Bow Pass mit Peyto Lake, den Mistaya Canyon (Richtung Jasper) und den Johnston Canyon (Richtung Waterton). Dieser wirklich sehr beeindruckende Canyon war jedoch hoffnungslos überlaufen - sogar auf der Straße parkten die Autos auf beiden Seiten, so dass nur noch eine schmale einspurige Gasse frei blieb. Das war uns zu rummelig. Auch den Tieren? Wapitis, Red-tailed Deers und sogar ein Schwarzbär huschte mit einem Jungen schnell über die Straße, die Biber in der riesigen Biberburg direkt am Straßenrand ließen sich erst gar nicht blicken.

Johnston Canyon

Auch der Jasper Nationalpark bietet viel Sehenswertes am Straßenrand, ist aber ebenfalls ziemlich überlaufen. Besonders interessant waren die Sunwapta Falls und die Athabasca Falls. Über letzteren steht bei Sonnenschein immer ein Regenbogen.

Athabasca Falls

Eine Besonderheit weist der Medicine Lake im Tal des Maligne River auf: Der See hat einen stark schwankenden Wasserspiegel, was auf sein unterirdisches Abflusssystem zurückzuführen ist. So sprudelt das Wasser des Medicine Lakes an diversen Stellen im unteren Maligne Valley in teilweise breiten Flüssen aus der Erde. Und an Tieren? Bären sahen wir hier nicht, dafür aber Mountain Goats (Bergziegen), die durch ihr langes weißes Fell sehr auffällig sind.

Unseren ersten Stellplatz fanden wir auf dem Campground Wilcox Creek. Ein Weißfußhase begrüßte uns. Von hier aus war es nur ein Katzensprung zum Athabasca Gletscher (Ausläufer des Columbia Icefield), welchen wir unter fachkundiger Führung mit entsprechender Ausrüstung besteigen durften. Nur das Wetter spielte nicht mit: Regen, je höher wir gingen sogar Schnee. Und es war kalt. Aber dennoch war dieses Erlebnis, auf einem Gletscher zu wandern und den dort lauernden Gefahren direkt aber gut abgesichert zu begegnen, einmalig. Von Gletscherspalten hat mit Sicherheit jeder schon etwas gehört. Auf dem Gletscher selbst bildet sich jedoch - vor allem bei Sonnenschein - eine richtige Flusslandschaft. Viele kleine Flüsse vereinigen sich zu größeren - und stürzen plötzlich mit einem lauten Tosen ins Nichts ab! Teilweise hundert Meter geht es in die Tiefe und dort dann unter dem Gletscher weiter, bis der Strom irgendwo am Gletscherfuß wieder ins Freie tritt.

Auf dem Athabasca Gletscher

Nach dieser Wanderung besserte sich das Wetter deutlich, und wir wagten am Nachmittag noch den Aufstieg zum Wilcox Pass, ein kleiner Wanderweg, der direkt am Campground startet. Diese Wanderung besticht nicht nur durch die herrliche Aussicht in zwei Täler, sondern vor allem durch die Dickhornschafe (Bighorn Sheep), die auf dem Pass fast immer anzutreffen sind. Auch wir hatten das Glück, zunächst eine kleine Herde in etwas größerer Entfernung zu sehen. Auf dem Rückweg lagen jedoch 4 Dickhornschafe direkt neben dem Weg und ließen sich durch uns auch gar nicht stören.

Dickhornschafe

Danach ging es weiter nach Jasper zum Wapiti Campground. Hier bekamen wir abends beim Grillen von Wapitis und Red-tailed Deers (Rehe) Besuch.

Am nächsten Morgen war der Maligne Canyon unser Ziel. Die Wanderung von der 1. bis zur 5. Brücke führte durch die herrlichen Wälder fast immer ganz nah an der Canyonwand entlang. Leider mussten wir den Rückweg im strömenden Regen bestreiten, so dass wir wieder einmal pitschenass am Wohnmobil ankamen.

Marble Canyon

Wir ließen uns jedoch nicht einschüchtern - das Wetter wurde auch wieder besser - und wanderten am Nachmittag zum Valley of Five Lakes. Eine völlig andere Landschaft erwartete uns hier: In kleinen Tälern flossen vor Steinwänden mäandrierende Bäche. Und auch auf den Berghöhen wuchs teilweise ein anderer Wald als der bisher bekannte dichte Nadelwald. Eine wirkliche entspannende und erholsame Nachmittagswanderung.

Unser nächstes Ziel war der Kootenay Nationalpark. Hier wächst u. a. auch die Drehkiefer, deren Zapfen hohe Temperaturen benötigen, um sich zu öffnen und ihre Samen zu verbreiten. Diese hohen Temperaturen entstehen normalerweise immer bei Waldbränden. Und die Spuren dieser Waldbrände waren überall im Park zu sehen. Besonders schlimm haben zwei Feuer im Jahr 2003 gewütet, die 12,6% der Waldfläche im Nationalpark vernichtet hatten.

Von unserem Campground am Marble Canyon konnten wir auf einem Trail zum Marble Canyon und den Paint Pots einen ersten Eindruck von den Folgen der Waldbrände bekommen. So wurden bei diesen Bränden z. B. auch die Brücken am Marble Canyon vollkommen zerstört. Besonders interessant waren die Paint Pots, stark eisenhaltige Quellen, die unterirdisch in drei Tümpel sprudeln. Über den braun gefärbten Ochre Creek fließen sie in einen Sumpf, dessen ganze Umgebung ebenfalls braun gefärbt ist. In früheren Zeiten kamen Indianer hierher, um die braune Erde zum Färben von Zelten und der Haut zu sammeln.

Eine zweite, sehr anstrengende Wanderung führte uns einen Tag später auf dem Kindersley Creek Trail bis zur Passhöhe in 2350 m (ca. 1300 Höhenmeter!). Ganz überrascht waren wir, als uns hier oben ein Kolibri begrüßte. Vom Gipfel (2600 m) hatte man eine Superaussicht auf die Bergwelt der Rocky Mountains. Über den Sinclair Creek Trail stiegen wir wieder ins Tal hinab, u. a. auch begleitet vom Grunzen eines (für uns im Gestrüpp unsichtbaren) Bären.

Kindersley Creek Trail

Unser letztes Ziel war der Waterton Nationalpark - ein gemeinsamer kanadisch-amerikanischer Nationalpark. Die lange Anfahrt von Kootenay über Banff und Calgary durch die Prärie bis an die amerikanische Grenze (ca. 500 km) lohnt sich aber. Gleich hinter der Nationalparkgrenze wurden wir in einem Auswilderungsgehege von Bisons begrüßt. Aber auch hier, wie bereits in den anderen Nationalparks, waren die Campgrounds überfüllt. Auf dem Crandel Mountain Campground am Red Rock Parkway fanden wir jedoch einen schön gelegenen Stellplatz - jedoch nicht ohne die obligatorische Bärenwarnung. Und diese war hier vollkommen zu Recht ausgesprochen: Auf unseren Fahrten auf dem Red Rock Parkway, an dessen Ende der sehenswerte Red Rock Canyon liegt, haben wir einen Grizzly und einen Schwarzbären mit 2 Jungen gesehen.. Auch Elche konnten wir am Waterton River mehrfach beobachten.

Und die Wanderungen? Wir entschieden uns für einen der schönsten Trails Kanadas: Den Crypt Lake Trail. Zunächst ging es von Waterton per Schiff über den Upper Waterton Lake. Direkt an der Schiffsanlegestelle begann der Trail mit einem sanften Anstieg durch den Wald. Nach kurzer Zeit bereits lag der Upper Waterton Lake unter uns - und nun ging es richtig in die Berge. Die teilweise steilen Anstiege, vorbei an diversen Wasserfällen, eröffneten immer wieder neue eindrucksvolle Ausblicke. Der Höhepunkt der Wanderung kam jedoch kurz vor dem Ziel: Innerhalb einer hohen Steilwand wurde der Trail für ca. 60 m durch ein Loch im Berg geführt. Eine Leiter half beim Einstieg.

Crypt Lake Trail

Unter hinter dem Loch konnte man sich an Stahlseilen festhalten, um die Steilwand sicher zu durchqueren. Doch dann hatten wir auch gleich unser Ziel erreicht: Den Crypt Lake, auf dem sogar im Sommer einzelne Eisschollen schwimmen. Dennoch hatte das Wasser eine geschätzte Temperatur von ca. 5° C und lud an diesem heißen Tag nach dem anstrengenden Aufstieg sogar zum Baden ein.

Crypt Lake

Am letzten Tag wanderten wir noch ein Stück den Horseshoe Trail entlang. Der Horseshoe Trail führt durch das Übergangsgebiet von der Steppe ins Gebirge, ein ideales Bärengebiet. Und - wie zum Beweis - erwartete uns am Anfang wieder ein Schwarzbär mit zwei Jungen. Dieses war der erste Trail, auf dem wir wirklich alleine waren - keine Wanderer, aber auch keine Bären.

Horseshoe Trail

Dann ging es zurück. Durch die Prärie nach Calgary. Dort gaben wir das Wohnmobil wieder ab und wurden sogleich mit einem Shuttlebus zum Flughafen gebracht. Da wir aber noch viel Zeit hatten, gaben wir das Gepäck ab und fuhren mit dem Bus und der Bahn in die Innenstadt (Downtown). Hier erwartete uns eine ganz andere Welt: Wolkenkratzer und Einkaufspassagen, in denen man (fast) alles kaufen konnte. Leider gab es zum Schluss auf dem Rückflug einige Pannen im Flugzeug: Die Monitore an den Plätzen funktionierten nicht, das Wasser zum Händewaschen auf den Toiletten war ausgegangen und schließlich gab es zum Frühstück keinen heißen Kaffee oder Tee. Air Canada meinte, diese Pannen mit einem persönlichen Rabatt von 5% beim nächsten Flug binnen eines Jahres ausgleichen zu können. Damit waren wir jedoch nicht einverstanden und werden mit Sicherheit nicht wieder mit Air Canada fliegen. Lufthansa gefiel uns auf dem Hinflug wesentlich besser - und zeigte sich gegenüber einigen Fluggästen, die einen minimalen Servicenachteil während des Fluges hatten, wesentlich großzügiger.

Dennoch war es ein grandioser Urlaub - und kann nur jedem empfohlen werden.

Schwarzbär