Polen 2010 (Mazury, Wigry, Biebrza, Żelazowa Wola)

30.Juni
Kwidzyn
Anreise nach Polen
Leider gab es - vor allem in Polen auf der A2 - viele Baustellen. Besonders schlimm war es bei Swiębodzin: Nach einer Stunde im Stau fuhren wir durch die Stadt und kamen trotz Stadtverkehr problemlos weiter. Nun ging es flott voran: Auf der Autobahn an Poznań vorbei, weiter über Gniezno, Bydgoszcz (Bromberg) und Grudziądż (Graudenz) nach Kwydzin (Marienwerder).
Abends machten wir dort einen kleinen Stadtrundgang, um uns vor allem Dom und Burg anzuschauen. Vor dem Dom trafen wir Tomasz. Er bot uns eine Führung auf den (normalerweise nicht frei zugänglichen) Glockenturm an. Zunächst bekamen wir eine individuelle Kirchenführung. Anschließend ging es auf sehr steilen Treppen den Glockenturm hinauf. Von hier hatten wir eine herrliche Aussicht bis zur Weichsel.
Das Abendessen und die Übernachtung im Hotel Maxim waren sehr gut, das Frühstück war ausreichend jedoch nicht herausragend.

1. Juli
Weiterfahrt nach Jęndrychowo bei Sorkwity in Masuren.
Viele Straßen waren bereits neu gebaut, es gab aber auch noch viele Baustellen. Die größte Baustelle war auf der Straße 15 zwischen Olszśtyn und Biskupiec. Dort soll die Straße wohl sogar zur Autobahn ausgebaut werden.
Bei einem Zwischenstopp in Prabuty besichtigten wir die Kirche, eine Kapelle und ein altes Stadttor in Backsteingotik, alles, was der Krieg noch übrig gelassen hat.
In Jęndrychowo übernachteten wir wieder im Hotel im Park.
Am späten Nachmittag machten wir noch einen kleinen Rundgang. Leider gab es keine Störche mehr auf dem Gutshaus. Zum Abendessen wurden wir aber mit einer Pfifferlingssuppe und Pfifferlingen mit Rahm verwöhnt.

2. Juli
Morgens strahlend blauer Himmel.
Radtour über Grabowo nach Mrągowo (Sensburg) - wir benutzten die Karte „Wielkie Jeziora Mazurskie“ aus dem Copernicus-Verlag.
Mohnfeld
Weiter ging es auf Nebenstrecken bzw. auf der wenig befahrenen Straße 59 Richtung Ryń. Beeindruckend war ein riesiges Mohn- und Kornblumenfeld bei Tymniki: Alles rot, mit blau und etwas weiß durchsetzt.
Hinter Sądry bogen wir links ab, um auf kleinen Straßen nach Nakomiady zu gelangen. Hier wird zurzeit (seit bereits 12 Jahren) das Barockschloss restauriert (schwer zu finden, erst kurz vor dem Schloss auf einer Nebenstraße am Ortsrand ein Hinweis). Die Kachelofenmanufaktur ist bereits wieder in Betrieb. Für ein geringes Eintrittsgeld kann man die Manufaktur und den Schlossgarten besichtigen. Wir hatten sogar das Glück, dass der Schlossbesitzer uns persönlich durch seinen Garten geleitete.
Auf der Rückfahrt stoppten wir noch einmal in Boże. Ein riesiges landwirtschaftliches Betriebsgebäude und ein wohl altes Feuerwehrhaus fielen uns ins Auge. Details konnten wir jedoch nicht in Erfahrung bringen. Das alte Herrenhaus ist mittlerweile eine Grundschule. (91 km)

3. Juli
Kanufahrt auf der Krutynia
Auf der Krutynia Morgens haben wir im Hotel ein Kajak ausgeliehen und sind dann durch den Jezioro Lampasz, Jezioro Kujno, Jeziroro Dłużec und Jezioro Białe bis zur Brücke
Dłużec gepaddelt.
Bei herrlichstem Sonnenschein war die Kajakfahrt Ruhe pur. Auf dem Wasser waren wir fast immer allein, begleitet nur von Lachmöwen, Flussseeschwalben und vielen, vielen Haubentauchern.
Am Nachmittag wurden wir an der Brücke Dłużec wieder abgeholt und konnten - zurück im Hotel - noch die 2. Halbzeit des WM-Viertelfinalspiels „Deutschland - Argentinien“ anschauen.

4. Juli
Heute, am Sonntag, Radtour nach Krutyń.
Über Sorkwity, am Schloss vorbei nach Maradki. Weiter entlang der Ferienhäuser durch den Borowski Las nach Borowe. Westlich des Jezioro Dłużec auf teilweise schlecht zu befahrenden Sandpisten nach Rutkowo. Nun auf der bereits bekannten Strecke Golen - Nawiady - Stare Kiełbonki - Zgon nach Krutyń. Bereits in Rosocha fiel uns der sonntägliche Rummel an der Krutynia auf: Massenhaft Kajaks auf dem Fluss, Menschenmassen in den Orten bzw. an den Kajak-Verleihstationen und ein ständiger Pendelverkehr zum Transport der Kajaks und ihrer Passagiere.
Wir waren deshalb froh, Krutyń nach Norden zu verlassen, um gemütlich durch die nördlichen Ausläufer der Puszcza Piska zu radeln. Wir machten noch einen Abstecher Richtung Kosewo, um dann über Jakubowo und Piecki nach Dłużec zu gelangen. Wir hatten jedoch noch viel Zeit und fuhren deshalb zunächst weiter nach Rutkowo und Głogno. Die weitere Strecke nach Norden zur Straße 600 war jedoch die Hölle: Unbefahrbare Sandpisten und ein Mücken- und Bremsenparadies. Als wir dann die Straße 600 endlich erreicht hatten, ging es gemütlich über Maradki und Sorkwity zurück zum Hotel im Park. (100 km)

5. Juli
Morgens Aufbruch in JęndryWigrychowo. Zwischenstopp am Jezioro Łuknajno. Dort waren jedoch „nur“ etwa 200 Höckerschwäne.
Weiter ging es über Orszysz und Ełk nach Augustów. Die Straßen waren fast durchweg gut befahrbar, und der Verkehr, mit Ausnahme der Städte, nur sehr gering. Das änderte sich schlagartig hinter Augustów: Auf der Nationalstraße 8 drängelten vor allem baltische und russische Laster gen Norden und Süden. Überholen fast unmöglich.
Ruhiger wurde es erst wieder östlich Suwałki.
In Wigry - voller Touristen - belegten wir erst einmal unser Quartier „U Haliny“. Und bestellten auch gleich Mittagessen. Sielawka (kleine Maränen) mit Surówka (Salat). Für 40 Zl. (=10 Euro) p. P. bekamen wir: 1 große Terrine Tomatensuppe, 7 kleine gebratene Maränen, 1 Schale mit Bratkartoffeln, 3 Schalen mit verschiedenen Salaten, Kuchen, 2 Gläser Saft und 2 Wodka.
Danach besichtigten wir das ehemalige Kloster. Und erkundeten auf einer ersten Tour gen Süden die Radwanderwege. Ergebnis: Die in der Karte (Suwałki, Copernicus-Verlag, 1:100000) ausgewiesenen Radwanderwege (szlaki rowerowe) schienen gut befahrbar zu sein, die normalen Wanderwege (szlaki piesze) dagegen weniger.
(20 km)

6. Juli
Trotz schlechter Wettervorhersage starteten wir zur Umrundung des Jezioro Wigry. Bei brütender Hitze und eigentlich herrlichstem Sommerwetter wollten wir die Umrundung des Sees entgegengesetzt zum Uhrzeigersinn durchführen. Schnell waren wir in Stary Folwark, versorgten uns hier noch mit Wasser und entschieden uns doch für den roten Wanderweg mit der Aussicht auf Jezioro Wigry und Jezioro Leszchewek. Er war sogar einigermaßen gut befahrbar.
Danach folgten wir aber wieder dem Radwanderweg 11. Leider war die Beschilderung in Sobolewo etwas unklar, so dass wir hier versehentlich in den blauen Wanderweg nach Süden abbogen. Eine schlechtere WPfifferlingeegstrecke mit teilweise sehr steilen Abfahrten und Anstiegen ließ uns den Fehler schnell erkennen. Dennoch folgten wir weiterhin zunächst dem blauen, jetzt gut befahrbaren Wanderweg und später der regionalen Beschilderung Richtung Gawarzec, und dann weiter nach Słupic. Der Abstecher zum See bescherte uns eine reiche Pfifferlingsernte am Wegesrand, die von Halina und ihrem Küchenteam am Abend freudig entgegen genommen und weiter verarbeitet wurden. Weiter ging es flott über Gawrych Ruda zunächst zum Bahnhof Binduga. Hier warteten wir nicht nur auf die Holzbahn, sondern auch ab, wie sich das aufziehende Gewitter weiter entwickeln würde.
Nach 45 Minuten entschieden wir uns für Weiterfahrt, da ein Ende der Gewitterfront nicht absehbar war. Und so endete der Tagesausflug schließlich doch im strömenden Regen und Schlamm, denn die sandigen Pisten waren mittlerweile so stark aufgeweicht, dass sogar das Fahrrad bis zu 3 cm einsackte. Und dann war Schieben angesagt.
Durchnässt erreichten „U Haliny“ und wurden nach dem Duschen wieder mit einem Superessen verwöhnt: Lin (Schleie) mit den üblichen Beilagen: Suppe (heute Żurek!), 3 verschiedene Salate und natürlich Saft, Wodka und Kuchen. (53 km)

7. Juli
Nach den starken Regenfällen des gestrigen Tages waren die Wege heute noch aufgeweicht und teilweise auch noch nicht wieder passierbar. Es war auch sehr windig, so dass wir uns für eine Autotour gen Norden entschieden.
Zunächst stoppten wir in JeleniowStanczykio und schauten uns die alte Holzkirche an. Weiter ging es zum Cisowa Góra, einem kegelförmigen Berg, der in der Eiszeit als Stirnmoräne, einer besonderen Form der Endmoräne, die sich an der Gletscherstirn eines Talgletschers bildet, entstanden ist.
Weiter ging es über Smolniki und Wiżajny zur Dreiergrenze Polen, Litauen und Russland. Ein ganz neu errichteter Gedenkstein soll an diese bereits in historischen Zeiten wichtige Grenze erinnern.
Unser nächstes Ziel war Stańczyki (Staatshausen) mit den berühmten über 30 m hohen Eisenbahnviadukten. 1926 wurden sie erbaut. Heute nicht mehr genutzt, sind sie nunmehr eine Touristenattraktion. Weitere Brücken bzw. Viadukte dieser Eisenbahnlinie befinden sich bei Linowo und bei Kiepojcie.
Ein weiterer Stopp führte uns in die Puszcza Rominka (Romintener Heide). Auf einem längeren Spaziergang gab es außer viel Wald auch einige interessante Pflanzen und natürlich Pfifferlinge und Birkenpilze.
Unser letzter Stopp galt dem Jezioro Hańcza, dem tiefsten See der Region. Wir hielten am Nordufer, in der Nähe eines alten, mittlerweile vollkommen zerfallenen Herrenhauses. Nach dem Abstieg an den See konnten wir uns einen Eindruck von der besonderen Schönheit dieses Sees machen.
Zurück bei „U Haliny“ gab es heute Abend Szczupak (Hecht) - Beilagen wie immer. Super!

8. Juli
Unser heutiges Ziel: Sejny, Kreisstadt in Nordostpolen, geprägt durch die litauische Bevölkerung.
Und als Weg dorthin haben wir den in der Karte eingezeichneten Radwanderweg „RoutSejnye des Sejny Aufstands“ gewählt.
Doch bereits kurz hinter Stary Folwark merkten wir, dass der ausgewählte Radwanderweg gar nicht ausgeschildert ist. In Królowek orientierten wir uns selbstständig an Hand der aufgestellten Radwander-Wegweiser und unserer Karte: nur noch mindestens befestigte und übrige Lokalstraßen. Unsere Strecke führte uns jetzt im Zick-Zack-Kurs über Żubronajcie, Krasnopol, Żrobin, Łupochowo und Sumowo nach Sejny.
Zunächst besuchten wir in Sejny das Kloster, welches bereits von weitem zu sehen war. Anschließend suchten und fanden wir auch die Synagoge (sie war in der Karte falsch eingezeichnet). Hier schauten wir uns die aktuelle Ausstellung an, die ein Friedens- und Aussöhnungszentrum und dessen Arbeit in Krasnogruda vorstellte.
Bei leicht einsetzendem Regen ging es zurück nach Wigry - natürlich weiterhin nur über ausgewiesene Straßen. Über Berżniki - hier fiel uns die Bauweise der Häuser auf (litauisch) -, Giby, Pogorzelec, Wysoki Most und Maćkowa Ruda erreichten wir wieder „U Haliny“.
Zum Abendessen gab es etwas ganz Besonderes: Kartacze (Kartätschen), eine Spezialität aus dem Suwałki-Land: Kartoffelklöße mit Fleischfüllung. (81 km)

9.Juli
Morgens fuhren wir mit dem Auto nach Augustów, um von dem Parkplatz an der Straße Nr. 16 (westlich von Augustów) eine Radtour entlang des Kanał Augustowski zu starten. Doch der Parkplatz war nicht ausgeschildert - somit begann unsere Tour an der Śluza Przewięź (schattiger Parkplatz). Die nächste Hürde: Den (ausgeschilderten) Radweg zu finden. Aber auch dies gelang schließlich mit Nachfragen und bereits kurz darauf erreichten wir die Śluza Svoboda. Hier wurde auch gerade ein Kajak durchgeschleust - alles per Hand.
Danach folgten wir aber nicht mehr dem Radwanderweg, da man auf diesen Wegen im tiefen Sand stecken blieb. Vielmehr folgten wir der parallel zum Radwanderweg verlaufenden Straße (festgefahrene Sandpiste). Ab Czarny Bród war die Straße sogar asphaltiert. Schnell erreichten wir die Śluza Gorczyca und den (Ferienort) Płaski.
Sehr interKanal Augustowski - Grenze zu Weißrusslandessant wurde es dann an der Śluza Paniewo. Sie lag sehr schön im Wald und es war ein großer Höhenunterschied zu bewältigen, was auch gerade 3 Kajaks taten. Das Besondere aber war, dass der Schleusenwärter nebenbei frische Heidelbeerbrötchen verkaufte (Jagodzianki). Und diese schmeckten wirklich toll. Am Abend erfuhren wir bei Halina, dass der Schleusenwärter für den Verkauf von gutem Gebäck bekannt ist.
Weiter ging es direkt nach Mikaszówka. Die Schleuse im Ort war jedoch wegen Bauarbeiten geschlossen. Hier endet auch der „Schiffs“verkehr auf dem Kanal.
Unser nächstes Ziel war Rudawka an der weißrussischen Grenze. Dort wollten wir die Śluza Kurzyniec (Grenzschleuse) anzuschauen - es wurde schließlich bereits per offiziellem Schild darauf hingewiesen. Um so größer war jedoch unsere Verwunderung, dass hinter Rudawka nur noch schlecht befahrbare Sandpisten existierten und für die Seitenwege Richtung Weißrussland ein Fahrverbot bestand. Auch gab es keinen weiteren Hinweis auf idese Grenzschleuse. Also setzten wir uns schließlich über die Fahrverbote hinweg (man kann sein Fahrrad ja auch schieben) und fanden daraufhin tatsächlich die Grenzschleuse. Sie wäre auch über einen offiziellen nicht gesperrten Kopfsteinpflasterweg zu erreichen: Wir hätten nur in Rudawka hinter dem letzten Haus links abbiegen müssen.
Am Abend saßen wir noch gemütlich mit Halina, ihrer Familie und ihren Freunden zusammen und feierten Abschied. (84 km)

10. Juli
Es ging weiter in den Biebrza-Nationalpark - dem wohl weltweit größten BrutgebietSeggenrohrsänger (Wodniczka) des Seggenrohrsängers.
Nach nur 2 Stunden gemütlicher Fahrt waren wir bereits in Goniądz. Deshalb besuchten wir zunächst das Nationalpark-Infozentrum und checkten erst danach im Hotel Bartlowizna ein. Mittags ruhten wir uns noch bisschen von der (etwas längeren) Abschiedsfeier bei Halina aus - aber dann ging es mit dem Fahrrad auf eine erste Erkundungstour.
Zunächst folgten wir dem Radwanderweg „rot“ flussaufwärts, doch bereits nach kurzer Zeit stellten wir fest, dass die in der Karte (Biebrzański Park Narodowy, ATI Kart) eingezeichneten weißen Straßen teilweise für uns unbefahrbar waren (tiefer loser Sand!).
Deswegen fuhren wir auf der Hauptstraße bis Dolistowo. Dort überquerten wir die Biebrza, konnten jedoch auch hier im Sand nur noch wenige Meter fahren und mussten dann schieben. Dennoch. Eine herrliche Landschaft, ein einmaliger Fluss und eine eindrucksvolle Natur.
Am Abend aßen wir gemütlich im Restaurant des Hotels - und konnten nebenbei die Stimmung einer polnischen Hochzeitsfeier mit genießen. (38 km)

11.Juli
Nach dem Frühstück starteAn der Biebrzaten wir von Goniądz aus zu einer Erkundung des südwestlichen Teils des Nationalparks. Wir folgten der kleinen Straße Richtung Osowiec-Twierdza, bogen kurz vor der Bahnlinie rechts ab und folgten der Radwege-Beschilderung. Dieser folgten wir bis zur Straße 65, passierten dabei das Fort II und zwei Beobachtungstürme.
Jetzt folgten wir 1 km der Straße 65 nach Norden und bogen an der nächsten Abzweigung links ab. Wir folgten der Straße durch einen wunderbaren Wald: Kiefern, Wacholder als Unterwuchs und am Straßenrand ein tolles Blütenmeer.
Schließlich erreichten wir Mśchicy. Hier führte ein Fahrweg wir in den Nationalpark.
Dieser Sandweg war auch gut befahrbar. Bereits nach wenigen Metern sangen die ersten Seggenrohrsänger. Doch dann wurde es spannend: Kühe auf der Straße, der Weg ständig überflutet wegen zu hohen Wasserstandes der Biebrza, und in dem überfluteten Wasser wimmelte es von Blutegeln.
Das waren aber keine echten Hindernisse und wir erreichten problemlos den Beobachtungsturm direkt an der Biebrza, die hier kaum noch erkennbar durch ein Schilfdickicht floss. Immer mehr Leute kamen hier am Sonntagmittag zusammen: Mit dem Kajak, zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Trecker. Dieser Beobachtungsturm war anscheinend ein beliebter Treffpunkt für die Bevölkerung der Umgebung. (63 km)

12. Juli
Die heutige Radtour sollte uns bei Temperaturen über 30° C in den Südosten deWaldwege im Biebrza-Nationalparks Parks führen.
Schnell erreichten wir von Goniądz aus die Kreuzung bei Ostrowiec-Wierdza. Diese überquerten wir gen Süden und folgten nach ca. 4 km in einer Linkskurve geradeaus dem Feldweg, um das Fort IV zu besichtigen. Doch es gab nicht viel zu sehen: Ein Bunker, viel Landschaft mit polnischen Erklärungen auf einer Übersichtstafel an der Straße - das war´s. Enttäuschend.
Also folgten wir ab sofort den Naturpfaden in den Nationalpark. Aber auch hier war der erste eine Enttäuschung: Der Weg war mit dem Fahrrad nicht befahrbar, und auch ornithologisch war nichts Besonderes zu verzeichnen.
Deshalb fuhren wir durch bis zum letzten Beobachtungsturm „Krynicka Biel“. Mittagspause! Auf dem Rückweg bogen wir (am nächsten nicht existierenden Parkplatz) links ab, um zum Beobachtungsturm „Grobla Honezarowska“ zu gelangen. Der Weg war auch sehr gut befahrbar, aber leider voller Fliegen, Bremsen und Stechmücken. Doch es hatte sich gelohnt: Vom Beobachtungsturm sahen wir nicht nur eine Wiesenweihe jagen und massenhaft Seggenrohrsänger, sondern sogar drei Elche.
Eine Stunde beobachteten wir vom Turm aus, dann ging es nonstop wieder zurück nach Goniądz. (72 km)

13. Juli
Am letzten Tag im Biebrzanski Park Narodoaufziehendes Gewitterwe wollten wir - auch wegen ungünstiger Wetterprognosen - keine Kajak- oder Radtour unternehmen, sondern eine Wanderung von Grzęndy aus.
Wir fuhren zunächst mit dem Auto über Osowiec-Twierdza und Grajewo weiter Richtung Augustów. In Tama bogen wir rechts ab und folgten schließlich der Beschilderung zum Informationszentrum Grzęndy.
Mitleidig wurden wir belächelt, als wir kurzärmelig und in kurzer Hose starteten. Wir hatten schließlich ca. 30° C im Schatten! Doch bereits nach knapp einem Kilometer verlängerten wir unsere Hosenbeine und schützten alle noch freien Hautpartien intensiv mit Mückenöl. Unendlich viele Bremsen begleitet von Mücken und Riesen-Stechfliegen waren in den Wäldern zu Hause.
Dennoch erlebten wir eine tolle Wanderung durch einen sehr abwechslungsreichen Wald. Höhepunkt waren schließlich die Dünen am Tal der Biebrza. Überraschend lief plötzlich ein Wolf längs des Weges, eine Gottesanbeterin flog vor uns auf und im Tal der Biebrza äste gemütlich ein Elch.
Wegen eines aufkommenden Gewitters machten wir uns jedoch schnell auf den Heimweg und wählten den direkten Rückweg zum Auto, welches wir nach ca. 19 km Wanderstrecke auch trocken erreichten.
Die Rückfahrt wurde jedoch noch einmal spannend: Wir mussten durch die Gewitterfront hindurch und sahen schließlich in Goniądz die Folgen des starken Regens. Rechts und links der Hauptstraße schoss ein Bach die Straße hinunter und kurz vorm Marktplatz war in einer Senke die Straße mindestens 20 cm hoch überflutet!

14. Juli
Weiterfahrt nach Sochaczew mit diversen Zwischenstopps.
Pultusk
Zunächst führte uns die Straße westlich entlang der Biebrza. Hier stoppten wir an diversen Beobachtungstürmen. Dabei hatten wir das Glück, dass bei Mśchicy ein Wiedehopf direkt vor uns aufflog.
Weitere Zwischenstopps legten wir in Pułtusk und in Czerwińsk nad Wisłą ein. Pułtusk beeindruckt durch seinen 600 m langen Marktplatz (der längste in Europa!) mit altem Rathausturm, Dom und Schloss. In Czerwińsk nad Wisłą ist die imposante Lage des ehemaligen Klosters, jetzt Doms über der Weichsel sehenswert. Deutlich wurde uns hier aber auch wieder die Armut in Polen: Im Garten eines zur Hälfte eingefallenen Hauses blühten die schönsten Sommerblumen. Ein kleines Mädchen spielte auf dem Rasen und ging schließlich durch einen Hintereingang in den nicht eingefallenen Teils des Gebäudes; denn hier wohnte es.
Unser Ziel in Sochaczew war - natürlich das Hotel Chopin.

15. Juli
Morgens standen wir sehr früh auf, um rechtzeitig nach Warschau (Warszawa) zu kommen.
Die Zugverbindung klappte auch problemlos, Fahrkarten hatten wir bereits am Abend vorher gekauft.
Warszawa
In Warszawa angekommen, gingen wir sofort Richtung Altstadt (stary miasto). Überrascht waren wir, dass am Präsidentenpalast immer noch Kerzen, Blumen und Gedenktafeln für den am 11. April bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen Präsidenten Lech Kaczynski aufgestellt waren.
Nach der Besichtigung von Altstadt und Neustadt (nowy miasto) gingen wir zum neuen Chopin-Museum. Ein sehenswertes Museum mit viel moderner Technik exzellent verbunden mit alten originalen Dokumenten.
Die Rückfahrt mit dem Zug nach Sochaczew war interessant. Weil es so heiß war, haben sich die jungen Polen eine besondere Form der Zugbelüftung ausgedacht: Sie schalten über einen Handhebel über der Tür die automatische Türschließung aus und fahren dann mit offenen Türen im Zug.




16. Juli
Zelazowa Wola, das Geburtshaus Frederic Chopins
Nach einem hervorragenden Frühstück war unser Ziel Żelazowa Wola, das Geburtshaus Frederic Chopins. Ein großer Parkplatz und ein perfekt durchorganisiertes Museum erwarteten uns.
Nach Empfang des Audioguides startete dieser automatisch beim Betreten des Parks und an allen weiteren wichtigen Informationspunkten. Man erfuhr im Museum viel über das Leben Chopins und das Leben zu seiner Zeit, zu besichtigen gab es nicht viel, weil das Haus im 2. Weltkrieg von den Deutschen Truppen leer geräumt wurde.
Anschließend fuhren wir nach Granica auf den Waldparkplatz (Richtung Warszawa, in Komorów links ab). Hier entschieden wir uns für den gelben Wanderweg gen Norden bis zum Kanał Olszowiecki. Das war jedoch bei dem schwül-warmen Wetter ein Fehler: Millionen von Mücken empfingen uns in den Sümpfen und erst auf der Kanalbrücke konnten wir eine verdiente Pause einlegen. Der Kanal selbst verlandet immer mehr und könnte in einigen Jahren bereits komplett zugewachsen sein. Der Rückweg durch die Sümpfe war nicht so quälend - hatten die Mücken aufgegeben? Und auch unser Auto stand noch einsam auf dem Waldparkplatz - ohne Bewachung!

17. Juli
Bereits um 07.45 Uhr starten wir in Sochaczew. Schnell erreichten wir die Autobahn und kamen auf dieser zügig voran.
Wegen zu erwartender Staus an den Autobahnbaustellen zwischen Poznań und Grenze fuhren wir jedoch auf der nördlich parallel verlaufenden Straße Nr. 137. Hier gab es dann auch keine größeren Probleme, lediglich nach einem zuvor durchgezogenen Unwetter mussten wir ab und zu herab gestürzten Baumstämmen und Ästen ausweichen und in Ośno stand sogar noch eine Straße unter Wasser.
Da auch die deutschen Autobahnen an diesem Samstag frei waren, erreichten wir bereits um 17.00 Uhr Gifhorn.

Zum Schluss noch ein Hinweis zum Kauf der o.g. Landkarten: Man erhält sie vor Ort oder über das Internet bei Mapfox.