Stippvisite Spitzbergen 2011

Die Planung

Ziel des diesjährigen Urlaubs sollte Spitzbergen sein - ein Familienurlaub.
Schnell wurden wir bei Hurtigruten fündig und buchten bereits im Juni 2010 die Expedition Spitzbergen vom 21. - 29.07.2011.
Um so größer war die Enttäuschung, als mit Schreiben vom 31.05.2011 die Expedition abgesagt wurde. Begründung: Die Karlsen Shipping Reederei, zu der die MS Polar Star, das Expeditionsschiff, gehört ist insolvent.
Da unsere Reisevorbereitungen bereits auf vollen Touren liefen (Urlaub beantragt, Anschlussflüge gebucht, etc.) hatten wir nur ein sehr enges Zeitfenster, um einen Ersatzurlaub zu buchen - wenn möglich natürlich Spitzbergen.
Als Alternative kam uns das Angebot von Hurtigruten genau zu Recht: Stippvisite Spitzbergen mit MS Fram vom 25.07. - 01.08 (inkl. 40% Rabatt wegen des entstandenen Ärgers).

Die Anreise

Das Einchecken in Hannover verlief problemlos, lediglich das Spektiv im Rucksack sorgte für etwas Aufsehen und wurde genauer begutachtet
Auch beim Umsteigen in Kopenhagen gab es keine Probleme.
Dafür aber in Oslo: 1 Koffer fehlte, ausgerechnet der mit dem Stativ für das Spektiv und der wissenschaftlichen Literatur für die Reise. Der Verlust wurde sofort gemeldet und wir bekamen ein sogenanntes Notfallset.

Anflug auf Spitzbergen

26.07.

Morgens bekamen wir am Flughafen die Nachricht: Der Koffer befindet sich im Flughafen Oslo und wird automatisch nach Longyearbyen weitergeleitet.
Nach einem Zwischenstopp in Tromsö mit allen Zollformalitäten (Spitzbergen ist zollfreie Zone) war die spannendste Frage in Longyearbyen: Sind alle Koffer da? Sie waren es! Erleichterung.
Nach dem Einchecken im Spitsbergen Hotel ein erster Rundgang durch die Stadt. Schließlich gelangten wir an den Fjord, der voller Treibeis war. Eis- und Dreizehenmöwen waren zu beobachten, die Küstenseeschwalben meinten sogar, direkt vor den Eingangstüren der dort stehenden Gebäude brüten zu müssen, um dann die vorbei gehenden Menschen oftmals zu attackieren. Warnschilder und 1 m lange Bambusstäbe zur Abwehr der Küstenseeschwalben waren jedoch an allen Zugängen zu dem entsprechenden Bereich aufgebaut.

brütende Küstenseeschwalbe

Am Fjord angekommen, erfuhren wir sofort, dass ein Eisbär gesichtet wurde. Und tatsächlich: Auf der gegenüberliegenden Seite war er, wenn auch mit dem Fernglas nur schwach erkennbar. Das Spektiv war leider im Hotel, weil ein derartiges Highlight in Longyearbyen gar nicht zu erwarten war.

Longyearbyen mit Isfjord

Abends ging es dann zu einem Arctic Barbecue in das Adventdalen. Na ja, wandern und beobachten wäre mehr in unserem Interesse gewesen, aber letztendlich war das Barbecue auf einer Schlittenhundefarm ganz nett.
Bei mittlerweile wolkenlosem Himmel ging es dann mit Spektiv wieder zum Fjord. Aber leider war der Eisbär nicht mehr zu sehen. Dafür flog der erste Meerstrandläufer vorbei und gegen 22.30 Uhr überraschenderweise sogar eine Elfenbeinmöwe.
Und die Sonne stand immer noch sehr hoch, so dass wir uns kurzfristig dazu entschlossen, die Mitternachtssonne trotz der im Norden liegenden hohen Berge zu genießen. Und das bedeutete wegen der Sommerzeit: Mindestens bis 1 Uhr morgens durchzuhalten.

Rentiere

Aber es hat sich gelohnt! Vor allem, weil gegen 0.30 Uhr auch noch zwei Rentiere direkt an unserem Beobachtungsplatz vor dem Hoteleingang vorbei zogen.

Mitternacht

27.07.

Etwas müde ging es gleich nach dem Frühstück in das Endalen, um auf einer mehrstündigen Wanderung die dortige Flora und Fauna kennenzulernen.

Schutz vor Eisbären!

Neben vielen borealen und arktischen, stießen natürlich besonders die nur auf Svalbard heimischen Pflanzen auf besonderes Interesse.

Nebenbei beobachteten wir viele Schneeammern (einziger Singvogel auf Svalbard), Sandregenpfeifer und eine Spatelraubmöwe.
Danach ging es gleich wieder zum Fjord. War der Eisbär noch da? Leider nein. Aber wir erfuhren, dass letzte Nacht 2 Exemplare im Nachbartal gesichtet wurden.
Dafür aber saß vor uns am Museum plötzlich eine beringte Eismöwe. Und kurz darauf konnten wir am Fjord eine weitere beringte erkennen und ablesen.

28.07.

Morgens nach dem Frühstück hatten wir etwas Zeit und schauten uns Nybyen an, die „Neue Stadt“, die einst für die Bergarbeiter gebaut wurde und wo sich auch die Grube 2b befand. Bei diesem Spaziergang entdeckten wir auch eine riesige Krabbentaucherkolonie in den Felsen oberhalb von Nybyen.
Anschließend gab es seitens des Expeditionsteams im Hotel eine Infoveranstaltung zu der geplanten Reise.
Die anschließende Stadtrundfahrt führte uns u.a. auch zur Galerie und zum Museum. Letzteres ist wirklich sehr sehenswert.
Dann aber ging es endlich zum Hafen und die Fram startete mit nur leichter Verspätung. Die Ausfahrt aus dem Hafen genossen wir teils beim herrlichen Abendessen (Büfett) oder auf Deck. Dreizehenmöwen, Eissturmvögel, Krabbentaucher, Gryllteiste, Dickschnabellummen mit Jungen begleiteten uns während der Fahrt.

Im Isfjord

Doch dann kam Nebel auf: Keine Berge, keine Fjorde, kein offenes Meer, keine Vögel. Heute konnten wir früh schlafen gehen.

29.07.

Frühstück gab es ab 07.30 Uhr. Also stellten wir den Wecker auf 07.00 Uhr. Doch um 06.00 Uhr waren wir wach, der Nebel war verschwunden - also raus und die Landschaft genießen. Und die ersten Papageitaucher waren auch endlich schön zu beobachten.
Für 10.00 Uhr war der erste Landgang angekündigt: Im bekannten Magdalenenfjord. Die Anlandung erfolgte bei Gravneste, einer alten Walfängergrabstätte. Direkt neben der Grabstätte waren auch noch die Überreste mehrerer Tranöfen zu sehen.

Gravneste

Höhepunkt war jedoch die Aufnahme in den „Club der Polarschwimmer“. Dafür musste man nur 1 Runde im Eismeer schwimmen (1°C Wassertemperatur!). Also ganz einfach - und die Urkunde hängt jetzt bei uns zu Hause.

Baden im Eismeer bei 1°C

Weiter gen Norden. Überraschenderweise wurde noch eine zweite Anlandung kurzfristig eingeplant, bei der Interessierte sogar eine 2-stündige Wanderung durch die Wildnis machen konnten.
Gesagt - getan. Anlandung auf Dansköya, von dort aus Wanderung über die Berge zur Nordküste und wieder zurück. An der Nordküste lagen mindestens 10 Robben, wohl Seehunde, und Nonnengänse schwammen mit ihren Jungen durch den Fjord.
Auf dem anschließenden Strandspaziergang konnten wir diverse Strandfunde bewundern, aber nicht mitnehmen. Alles ist hier geschützt. Auch die Vögel, die sich hier aufhielten. Eiderenten, Nonnengänse, Sandregenpfeifer und Meerstrandläufer.

Meerstrandläufer

30.07.

Morgens - bei sonnigem Wetter - fuhren wir in den Liefdefjorden ein. Wir scheinen mittlerweile das einzige Schiff zu sein, dass in diesen nordischen Gewässern noch verkehrt. Doch kurz vor dem Monacobreen sahen wir noch ein kleines Segelschiff mit dem gleichen Ziel wie wir: Der 5 km breite Gletscher.

Monacobreen

Den gesamten Vormittag über werden die Passagiere nach und nach mit Hilfe der Zodiacs direkt an die Gletscherwand herangefahren, immer jedoch unter Einhaltung der Sicherheitsabstände. Denn mehrfach konnten wir Gletscherabbrüche beobachten.

Die Wartezeit überbrückten wir mit Vogelbeobachtungen: Tausende von Dreizehnmöwen versammelten sich am Gletscher, begleitet von Hunderten Eismöwen. Sogar eine Elfenbeinmöwe und eine Skua konnten wir entdecken.

Dreizehenmöwe

Mittags ging es dann weiter gen Norden - Ziel Moffen. Gegen 17.30 Uhr erreichten wir schließlich dieses flache Eiland. Und wir hatten Glück: Etwa 100 Walrosse tummelten sich am Strand oder im Wasser. Es war ein herrlicher Anblick, diese Kolosse mit ihren riesigen Stoßzähnen direkt vor sich sehen zu können.

Moffen

Gleichzeitig erreichten wir hier mit 80° nördlicher Breite unseren nördlichsten Punkt. Von nun an ging es wieder südwärts.

31.07.

Am frühen Morgen fuhren wir in den Kongsfjord. Die Fram stoppte vor den beiden Gletschern Kongsbreen und Blomstrandbreen. Und mit der Fram befanden sich noch Hunderte Eissturmvögel an den Gletschern.
Dann ging es weiter nach Ny Ålesund. Innerhalb des ehemaligen Bergarbeiterortes, der mittlerweile internationales Forschungszentrum ist, darf man sich frei bewegen. Schilder zeigen einem deutlich, wo und warum es manchmal nicht mehr weiter geht.
Schautafeln im gesamten Ort verleihen diesem einen gewissen Museumscharakter. Und ein Museum ist Ny Ålesund allemal. Die Geschichten der wichtigsten Häuser werden auf eben diesen Schautafeln erläutert.
So startete z. B. Roald Amundsen von hier aus seine sagenhafte Nordpolüberquerung mit einem Ballon. Der Mast, an dem der Ballon vor dem Start befestigt war, steht noch heute. Und mitten in Ny Ålesund ist dem norwegischen Nationalhelden ein Denkmal gewidmet.
Das hiesige Postamt ist das nördlichste der Welt. Die obligatorische Ansichtskarte nach Hause kam jedoch erst nach 5 Wochen an!!! Wir haben es ausprobiert.

Ny Alesund - nördlichstes Postamt der Welt

Auch ornithologisch war es in Ny Ålesund interessant: Sterntaucher (Paar mit 2 Jungen), Elfenbeinmöwe und 2 Prachteiderenten.
Anschließend fuhr die Fram weiter gen Süden: Die See wurde rauer und leider zog in Höhe Prins Karls Forland auch wieder Nebel auf, so dass sich ein Beobachtungsaufenthalt auf den Außendecks nicht lohnte.

Elfenbeinmöwe

Interessant wurde es wieder beim Abendessen, als unser Nachbar plötzlich aufschrie. „Ein Wal!“ Aber als wir hinschauten, war er bereits abgetaucht und der große Körper war nur noch als schwarzer Schatten unter Wasser erkennbar. Danach riss der Himmel auf und die Sonne kam hervor. Gerade rechtzeitig, denn wir erreichten den Alkhornet und machten hier und im angrenzenden Fjord eine längere Beobachtungspause. Neben den häufigen Lummen und Möwen führten Nonnengänse ihre Jungen. Am Ufer saß eine Mantelmöwe und in einem Trupp männlicher Eiderenten war sogar eine Prachteiderente. Unterhalb des Alkhornets grasten Rentiere.

01.08.

Der Vormittag in Longyearbyen stand zur freien Verfügung. Zunächst wanderten wir Richtung Adventdalen: Alpen- und Meerstrandläufer, Sandregenpfeifer und Nonnengänse.
Nach Einkauf einiger Mitbringsel ging es noch einmal an den „Strand“. Heute waren die Küstenseeschwalben besonders aggressiv. Viele Eisschollen, teilweise das Unterste zuoberst gekehrt, trieben direkt am oder lagen auf dem Strand. Im diffusen Licht des dichten Nebels entstand eine eigenartige Stimmung. Und zwischen den Eisbergen saßen heute viele Meerstrandläufer, darunter sogar ein farbberingter.

Küstenseeschwalbe

Um 13.00 Uhr sollte es zum Flughafen gehen. Aber der Nebel sorgte für Verspätungen. Erst um 17.40 Uhr erfolgte der Start. Abends, endlich im Hotel in Oalo, ging es dann gleich ins Bett.

02.08.
Morgens Nebel, der sich aber schnell auflöste. Bei strahlendem Sonnenschein und ungewohnter Hitze hatten wir noch etwas Zeit machten wir einen Spaziergang zum Gardermoen-Park. Um 12.00 Uhr checkten wir im Hotel aus und fuhren zum Flughafen.
Der weitere Rückflug verlief dann vollkommen reibungslos.

Fazit der Reise:

Spitzbergen ist eine Reise wert. Hier kann man die Arktis hautnah erleben - trotz aller Einschränkungen wegen der permanenten Eisbärgefahr. Aber: Sicherheit geht vor. Nur wenige Tage nach unserer Rückkehr nach Hause gab es unweit von Longyearbyen erstmals seit vielen Jahren wieder einen tödlichen Eisbärangriff auf Menschen.

Warnung vor Eisbären

Durch die Insolvenz der Polar Star und dem damit verbundenen Ausfall der ursprünglich über Hurtigruten gebuchten Reise gab es leider einige Unannehmlichkeiten, wegen derer wir wahrscheinlich weitere Reisen mit Hurtigreisen nicht mehr unternehmen werden. Und wir waren nicht die einzigen, die mit Hurtigruten unzufrieden waren. Wohlgemerkt: Mit Hurtigruten; denn an Schiffsreise mit der Fram und dem Service an Bord gab es nichts auszusetzen.