Radwanderweg Altmark-Route

Immer wieder beeindruckten uns bei Fahrten mit dem PKW Kultur und Natur in der Altmark. Deshalb beschlossen wir, diese herrliche Landschaft intensiv mit dem Fahrrad zu erkunden. Und was liegt da näher, als die Altmark-Route (ca. 600 km) abzufahren.

Die Altmark-Route

Die Altmark liegt in Sachsen-Anhalt zwischen den Städten Klötze, Salzwedel, Gardelegen, Stendal, Osterburg, Havelberg und Genthin. Zu ihr gehören der Arendsee sowie das bedeutende Sumpfgebiet Drömling und ein Teil der Elbe-Havel-Niederung.

Da wir im Landkreis Gifhorn wohnhaft sind und die Altmark direkt an unseren Landkreis grenzt, wollten wir die Altmark in Tages- oder Wochenendetappen Stück für Stück erkunden. Als Radwanderkarte kauften wir die Karte „Altmark“ (ISBN 978-3-87073-233-2, BVA). Sie war sehr informativ, jedoch „nur“ eine normale Landkarte und keine Radwanderkarte – heftiger Verschleiß vorprogrammiert.

Teil 1: Stendal – Gardelegen (26.04.2009)

Wir fuhren mit dem PKW bis zum Bahnhof Gardelegen und von dort mit dem Hopper-Ticket (Fahrradmitnahme inklusive!) nach Stendal. Wir folgten zunächst der Bahnhofstraße und stießen bereits nach wenigen Metern auf den ersten Wegweiser der Altmarkroute. Ihm folgten wir nach rechts (gen Süden) aus Stendal heraus. Es ging zunächst durch blühende Rapsfelder auf gut ausgebauten Feldwegen. Die Landschaft wurde etwas hügeliger, jedoch weiterhin problemlos von jedem Freizeitradler zu meistern. Hinter Weißewarte führte der Weg durch das herrliche Waldgebiet „Süpppling“ entlang der Tangerhütter Tanger, ein Flüsschen, welches der Stadt Tangerhütte ihren Namen gab. Auf dem Weg dorthin passierten wir noch Briest: Eine Ansammlung von Häusern, überragt von einem mittlerweile gut renovierten Herrenhaus (oder doch schon ein Schloss?). Sehenswert! Und in Briest beginnt auch das Gebiet des Erzabbaus von Tangerhütte – erläutert auf einem Lehrpfad, der auch gleichzeitig der Radwanderweg ist.

Briest

Weiter folgten wir der perfekten Ausschilderung auf ruhigen, gut befahrbaren Wegen abseits der Hauptstraßen. Im nächsten größeren Ort, Lüderitz, hatten wir eine Mittagspause vorgesehen. Aber – oh Schreck – wir fanden an diesem Sonntag keinen Imbiss und kein Restaurant. Hier in der tiefsten Altmark ist der Weg das Ziel und nicht die Kneipe. Also: Verpflegung einpacken. Und das hatten wir zum Glück auch gemacht, wenn auch nur Notproviant.

Bereits kurz hinter Lüderitz gab es das nächste Highlight: Vollenschier. Dieser riesige Gutshof mit umliegenden Häusern ist eine echte Sehenswürdigkeit, wenn auch teilweise sehr heruntergekommen. Schautafeln informieren über diese Ansiedlung und weisen auf die im Wald liegende kleine Backsteinkirche hin. Auch sie ein echter Hingucker.

Über Uchtspringe (riesiges psychiatrisches Klinikgelände), vorbei am „Achteckigen Stein“, einem alten Wegweiser, erreichten wir Kloster Neuendorf. Hier wurde ein ganzes Dorf um das Kloster herum gebaut. Und das Kloster selbst war geöffnet und frei zugänglich. Wieder eine positive Überraschung.

Kloster Neuendorf

Die erste Etappe der Altmark-Route hatte sich gelohnt: Herrliche Wege, sehr gut ausgeschildert und viel Sehenswertes am Wegesrand.

Teil 2: Stendal – Genthin (27.-28.03.2012)

Nach fast 3 Jahren hatten wir endlich wieder einige freie Tage mit schönem Wetter und konnten die Altmark-Route fortsetzen.

Das Auto ließen wir in Genthin stehen und fuhren mit Bus (Fahrradmitnahme möglich) und Zug nach Stendal. Bei herrlichem Sonnenschein ging es auf gut befahrbaren Wegen durch den Stendaler Stadtforst bis nach Arneburg an der Elbe. Hier machten wir noch einen Abstecher entlang der Elbe nach Norden, bis wir den offiziellen Elbe-Radweg erreichten, diesem folgten wir nun wieder zurück bis Arneburg. Hier lohnt sich ein Abstecher in die Innenstadt und auf den Burgberg mit weiter Aussicht über die Elbauen.

Gemütlich ging es nun immer entlang der Elbe nach Tangermünde. Die mittelalterliche Altstadt zu beschreiben ist nahezu unmöglich - man muss sie gesehen haben!

Tangermünde

Am nächsten Tag folgten wir der weiterhin sehr gut ausgeschilderten Altmark-Route gen Osten. Unser erstes Ziel war Jerichow und das bereits von weitem sichtbare Wahrzeichen dieser Stadt: Das 1144 erbaute Kloster. Jerichow hat aber noch ein weiteres Schmuckstück der Romanik: Die Stadtkirche. Nachdem wir beide Kirchen besichtigt hatten ging es weiter, zunächst nach Redekin (Abstecher ab Klietznick). Hier wurde extra für uns die Kirche geöffnet und wir bekamen eine persönliche Führung. Sehr eindrucksvoll.

Redekin

Zurück auf der Altmarkroute machten wir einen weiteren Abstecher nach Zerben. Die Gemeinde Elbe-Parey (zu der auch Zerben gehört) wirbt damit, dass Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“ ein Schlüsselroman sei und dass mit Effi Briest „in Wirklichkeit“ Elisabeth von Plotho gemeint sei, die am 26. Oktober 1853 in Zerben geboren wurde und deren Eltern dort begraben liegen. Demnach sei mit dem Gut Hohen-Cremmen das Schloss Zerben gemeint.

Ab Hohenseeden (Romanische Kirche) wurde der Radweg deutlich schlechter. Sand war nunmehr der vorherrschende Bodenbelag. Über Parchen (Romanische Kirche) und Mützel (Bockwindmühle) erreichten wir wieder Genthin.

Teil 3: Genthin - Seehausen (26.-27.05.2012)

Wir reisten zu dieser Etappe am Nachmittag mit dem Zug an und übernachteten im Hotel Müller (sehr empfehlenswert).

Unser Tagesziel für den 26.05. hieß Havelberg.

Von Zabakuck nach Altenklitsche

Zunächst machten wir jedoch einen Abstecher nach Altenplathow, um die sehenswerte Kirche (Romanik) anzuschauen. Dann aber ging´s los - über die Brettiner Chaussee zum Altmark-Rundkurs. Auf gut ausgeschilderten und befahrbaren Wegen ging es durch Orte mit seltsamen Namen wie Zabakuck oder Altenklitsche. Dann wurde der Weg aber schlechter. Teilweise war er so sandig, dass wir sogar schieben mussten. Entschädigt für den schlechten Weg wurden wir aber bereits kurz darauf durch die sehr sehenswerten romanischen Kirchen in Großwulkow, Melkow und Wust. Detaillierte Informationen zu den romanischen Baudenkmälern in der Altmark findet man hier oder hier.

Melkow

Wir entschlossen uns, nun die Altmark-Route zu verlassen, da die Strecke „nur“ an einem Truppenübungsplatz entlang nach Klietz führt. Wir fuhren stattdessen auf einem neuen Radweg entlang der B 188 nach Kabelitz und bogen dann auf eine kleine Straße nach Norden, die uns durch den Wald nach Schönhausen führte. Auch hier erwartete uns eine sehr schöne romanische Kirche (mit persönlicher Führung!). Schönhausen hat aber noch mehr zu bieten; denn Schönhausen ist der Geburtsort von Otto von Bismarck.

Nun folgten wir dem Elberadweg bis nach Klietz (romanische Kirche) und weiter auf regionalen, ebenfalls gut beschilderten Radwegen, meistens in Elbnähe, bis Wulkau. Ab hier ging es dann auf einem Radweg entlang der B 107 über Sandau (romanische Kirchenruine) nach Havelberg. Zum Glück hatten wir ein Quartier vorgebucht, denn Havelberg war an diesem Wochenende komplett ausgebucht (3 Radwanderwege, Pfingsten und schönes Wetter!).

Abends besichtigten wir noch den Dom - ein „Muss“ in dieser Stadt. Doch auch die Altstadt, auf einer Havelinsel gelegen, lohnt einen Besuch.

Sonntagmorgen. Weiter. Unser Tagesziel hieß Osterburg oder Seehausen. Aber wo konnte man in Havelberg etwas Ess- und Trinkbares einkaufen? Nur eine Tankstelle südlich von Havelberg bot sich hierzu an.

Mit gefüllten Packtaschen starteten wir dann sofort Richtung Elbfähre. Der weitere Weg führte uns entlang der Elbe in die alte Hansestadt Werben mit einem noch gut erhaltenen Stadttor und der imposanten St. Johanniskirche.

Fähre Räbel

Wir verließen die Elbe Richtung Süden und fuhren auf teilweise sehr gut ausgebauten Radwegen durch herrliche Natur. An der Wüstung Käcklitz verweilten viele Wanderer und Radler. Beeindruckend, wie schnell ein verlassenes Dorf sozusagen vom Erdboden verschwindet.

Mittlerweile suchten wir eine Möglichkeit, mittags einzukehren, um eine Kleinigkeit zu essen. Aber wir waren in der Altmark, weit entfernt von Touristenzentren. Und dem Tipp, in Calberwisch beim komplett renovierten Schloss vorbeizuschauen, wollten wir nicht ganz trauen. Und so war es auch: Das Restaurant in diesem schönen Schloss öffnet nur nach Voranmeldung für Gruppen. Schade.

Schloß Calberwisch

In Düsedau, einem Vorort von Osterburg, sahen wir dann ein Hinweisschild: Albrechtshof. Wir folgten der Beschilderung und waren überrascht von dem tollen Ambiente, der ruhigen Lage und dem ausgezeichneten Essen. Gut gestärkt erreichten wir bereits kurz darauf Osterburg. Da wir aber noch genug Zeit bis zur Abfahrt unseres Zuges hatten, fuhren wir bis Seehausen weiter. Der schöne Radweg führte uns durch ein großes Waldgebiet (LSG) . Hier hatten wir sogar noch genug Zeit, die große, weithin sichtbare romanische Kirche zu besichtigen.

Mit dem Zug ging es dann abends zurück nach Gifhorn.

Teil 4: Seehausen - Gardelegen (18.-20.08.2012)

Kurzfristig entschlossen wir uns bei günstiger Wetterprognose den letzten Teil der Altmark-Route in Angriff zu nehmen. Früh morgens starteten wir mit dem PKW Richtung Gardelegen. Da am Samstagmorgen die Straßen noch sehr leer sind, erreichten wir Gardelegen wesentlich früher als geplant, konnten in Ruhe einen kostenlosen schattigen Parkplatz suchen (es wurden sehr heiße Tage prognostiziert) und bereits mit dem Fahrrad die Altstadt und die Wallanlagen erkunden. Vor allem das alte Stadttor und der Platz um das Rathaus sowie die komplett erhaltenen Wallanlagen sind einen Besuch wert.

Mit dem Zug, einmal umsteigen in Stendal, erreichten wir bequem Seehausen. Schnell führte uns der Weg über kleine Landstraßen bzw. gut befahrbare kleine Wege an die Elbe. Über Beuster erreichten wir schnell Wahrenberg. Hier bot sich eine Pause auf dem Elbdeich an, um den mitgebrachten Proviant zu verzehren. Es gäbe aber auch die Möglichkeit, hier direkt am Elbdeich einzukehren. Wer nichts zum Essen und Trinken mitgenommen hat, sollte dies auch unbedingt machen - denn nun kam wieder eine sehr lange Strecke ohne Einkaufs- bzw. Einkehrmöglichkeit.

Hinter Wanzer (sehenswerte Kirche) stießen wir auf den Radwanderweg „Am grünen Band“. Auf einer kleinen Straße fuhren wir, teilweise noch auf Kopfsteinpflaster während der Ortsdurchfahrten, Richtung Arendsee. Hinter Gollensdorf verließ die Altmark-Route jedoch die Straße nach links und führte uns auf gut befahrbaren Waldwegen über Harpe und Ziemendorf nach Arendsee. Hier war unser erstes Ziel ein Biergarten, in dem wir den Flüssigkeitsverlust der letzten Stunden - trotz Proviants - wieder ausgleichen konnten. Immerhin herrschten Temperaturen von über 30°C.

Arendsee

Ein Muss in Arendsee ist die Klosterkirche, deren Ruinen oberhalb des gleichnamigen Sees zu sehen sind. Direkt an der Hauptstraße steht die Basilika, eine der frühesten gewölbten Backsteinkirchen der Region.

Anschließend fuhren wir auf dem Radweg 8 über Thielbeer nach Kläden. Hier hatten wir in der Wolfsschlucht vorgebucht. Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, schmackhaftes Essen, tolles Frühstück und ein immer freundliches Personal.

Am nächsten Morgen, angesagt war der heißeste Tag des Jahres, verließen wir bereits sehr früh Kläden. Auf dem Weg nach Salzwedel ernteten wir unterwegs an einem der vielen Pflaumenbäume einige der schmackhaften Früchte für unterwegs. Die alte Hansestadt Salzwedel hat sich aus unserer Sicht gut entwickelt. Es machte richtig Spaß, an diesem Sonntagmorgen durch die Altstadt zu radeln. Aber außer Bäckern hatten keine Geschäfte geöffnet. Wir fanden aber in einem schattigen Hinterhof, ganz in der Nähe der alten Pfarrkirche St. Lorenz ein Cafe, in welchem wir auch etwas Erfrischendes zu trinken bekamen.

Salzwedel

Auf dem weiteren Weg sollte es noch die eine oder andere Einkehrmöglichkeit geben, erfuhren wir. Also machten wir uns bei drückender Hitze mit genügend Getränkevorräten auf den Weg Richtung Diesdorf. Sehr gut ausgebaute und beschilderte Wege führten durch eine dünn besiedelte Landschaft. Die Route wurde mittlerweile an einigen Stellen verlegt. Dank der Karte waren wir aber immer bestens über den Streckenverlauf informiert. Und die Einkehrmöglichkeiten? Da war nix!!! Und unsere Getränkevorräte waren bereits aufgebraucht. Erst in Dähre gab es im Schwimmbad einen Kiosk. Ohne Eintritt wurde es uns dankenswerterweise ermöglicht, am Kiosk etwas zum Trinken zu kaufen. Denn auch in Diesdorf, mit berühmtem Museumsdorf, hatten alle Gaststätten (bereits?) geschlossen. Da es auch schon 14.00 Uhr war, beschlossen wir, unsere Mittagspause im Schatten der Klosterkirche, der ältesten rein romanischen Kirche der Altmark, abzuhalten.

Danach ging es nach Süden durch die Altmärkische Schweiz, immer in der prallen Sonne bei 35°C. In Jübar hatte dann tatsächlich die Gaststätte „Zur Kastanie“ geöffnet - Pause! Frisch gestärkt machten wir uns auf den letzten Teil der Tagesetappe. Über Mellin erreichten wir, fast immer durch schattige Wälder fahrend, Kunrau. Vorbei am alten Schloss ging es nach Neuferchau. Hier hatten wir wieder vorgebucht Hotel Birkenmoor: Herrliche Zimmer, tolle Ausstattung, aber eine eigenartige Atmosphäre im Hotel, nicht unbedingt zum Wohlfühlen.

Frisch gestärkt nach einem guten Frühstück fuhren wir am nächsten Morgen über Röwitz Richtung Buchhorst und erreichten auf diesem Wege bereits nach kurzer Strecke wieder die - mittlerweile verlegte - Altmarkroute, und somit auch den Drömling. Der Drömling ist eine in Deutschland einzigartige Niedermoorlandschaft. Das frühere Sumpfgebiet wurde im 18. Jahrhundert auf Weisung von Friedrich dem Großen durch Entwässerung von einer Natur- in eine Kulturlandschaft umgewandelt. Heute ist die Niederung mit dem Mittellandkanal und den Flüssen Aller sowie Ohre Rückzugsgebiet für seltene oder vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Sie besteht größtenteils aus Natur- undLandschaftsschutzgebieten.

Im Drömling

Gewitter waren für den Tag angesagt. Dass wir aber die ersten dicken schwarzen Gewitterwolken schon vormittags im Drömling sahen, hatten wir nicht erwartet. Und dann knickte der Weg in Trippigleben auch noch nach Norden Richtung Klötze und Gewitter ab. Wir hatten aber Glück: Das Gewitter zog schnell nach Osten ab und es blieb für uns erst einmal trocken. Klötze selbst bietet nicht viel Sehenswertes. Die Strecke von Klötze bis Wiepke ist dagegen ein landschaftliches Highlight. Auf dieser Strecke durch die Altmärkische Schweiz wechselten die Landschaftsformen ständig ab. Hinter jeder Kurve, nach jeder Kuppe oder Talsohle gab es Neues und Schönes zu entdecken.

Wiepke

In Wiepke und Engersen besuchten wir die alten romanischen Feldsteinkirchen - beide absolut sehenswert. Und unterwegs konnten wir wieder an den vielen Pflaumenbäumen einen kleinen Reiseproviant pflücken. Dann hörten wir es plötzlich donnern. Hinter uns zogen dunkle Wolken auf und kamen schnell näher. Wir entschlossen uns, nach einem Blick auf die Karte, direkt nach Gardelegen zu fahren und auf den Abstecher zum Lenné-Park zu verzichten. Und dieser Entschluss war richtig. Denn kaum waren wir am Auto angekommen, fing es heftig an zu regnen. Die Schutzhütte am Lenné-Park hätten wir mit Sicherheit nicht mehr erreicht.

Unser abschließendes Urteil zur Altmark-Route:

Absolut sehenswert, tolle, abwechslungsreiche Landschaft, viele sehr gut erhaltene alte Gebäude, meist gut befahrbare Wege, perfekte Ausschilderung. Lediglich die Einkaufs- und Einkehrmöglichkeiten lassen stark zu wünschen übrig, vor allem sonntags.