Mit dem Fahrrad durch die Kaschubei (Polen)

01.09.2012 (Anreise nach Słupsk)

2012 planten wir (Ulli und Reinhard) eine Radtour durch die Kaschubei. Als Kartenmaterial leistete uns die Höfer-Karte PL003 gute Dienste. Im Nachhinein stellten wir jedoch fest, dass die Entfernungsangaben in der Karte teilweise erheblich von den tatsächlichen Werten abwichen. Wir hatten eine Woche Zeit und wollten mit dem Zug anreisen. 6mal umsteigen von Gifhorn nach Słupsk erschien uns jedoch zu umständlich, so dass wir mit dem PKW, Fahrräder im Auto verstaut, die Reise nach dorthin antreten. Unterwegs im Verkehrsfunk waren wir schließlich froh, diese Entscheidung getroffen zu haben: Von Berlin nach Bernau war wegen Brückenbauarbeiten Schienenersatzverkehr. Das hätte bedeutet: Anschlusszug verpasst!

So erreichten wir bereits am Nachmittag bequem das vorgebuchte Hotel in Słupsk. Das Auto stellten wir für die Woche auf einem bewachten Parkplatz ab. Anschließend besichtigten wir noch die Altstadt auf dem historischen Rundgang.

Slupsk, Hexenturm

02.09.2012 (Słupsk - Łeba: 113 km)

Das Wetter war gut. Und so starteten wir froher Dinge Richtung Norden. Wir verließen Słupsk über die 213, bogen jedoch schon nach 9 km Richtung Smołdzino ab. Auf kleinen Straßen kamen wir bei sonnigem Wetter gut voran. An einem Wegweiser für einen Radwanderweg abseits der Straße überlegten wir kurz, ob wir diesem folgen sollten. Auf Grund unserer bisherigen negativen Erfahrungen mit Radwanderwegen in Polen folgten wir weiterhin der Straße. Kurz vor Smołdzino bestiegen wir den „Heiligen Berg der Kaschuben“. Von dem Aussichtsturm hatten wir eine herrliche Aussicht über die Seen und die Ostsee.

Weiter ging´s Richtung Kluki. Einen weiteren Zwischenstopp legten wir am Leuchtturm von Czołpino ein. Hier konnten wir nicht nur die Wanderdünen von Czołpino, sondern sogar die von Łeba sehen. Auf dem weiteren Weg Richtung Kluki hielten wir noch kurz am alten Friedhof, der mittlerweile ein offizielles Denkmal ist. Ein Stopp hier lohnt sich! Garantiert!

Blick vom Leuchtturm Czolpino auf die Wanderdünen

In Kluki kehrten wir zur Mittagszeit in der Karczma „U Dargosza“ ein. Unser Urteil: Sehr gut!

Karczma "U Dargosza"

Und dann wollten wir auf dem Radwanderweg Richtung Łeba weiter fahren. Dieses Vorhaben wurde jedoch nach bereits 200 m jäh beendet: Der Radweg war vollkommen verschlammt bzw. stand unter Wasser. Uns blieb also nichts anderes übrig, als umzukehren und über Smołdzino und die viel befahrene Hauptstraße nach Łeba zu fahren. Kilometermäßig war das kein Problem - aber die polnischen Autofahrer ignorierten leider sehr oft die Radfahrer und es kam deshalb immer wieder zu brenzligen Situationen. Schließlich erreichten wir aber doch unser vorgebuchtes Quartier, das „Dwórek Łeba“ (LINK!!!). Hier wurden wir in einer sehr privaten Atmosphäre positiv aufgenommen und fühlten uns pudelwohl. Die tolle Küche sorgte schließlich für das I-Tüpfelchen.

03.09.2012 (Łeba - Kartuzy: 86 km)

Nach einem Super-Frühstück folgten wir zunächst der wenig befahrenen Straße entlang der Küste: Nowęcin, Szczenurze, Sarbsk, Ulinia. Mit einem steilen Anstieg verließen wir den Küstenstreifen und fuhren nunmehr weiterhin auf ruhigen Nebenstraßen durch das kaschubische Hügelland. Es ging immer Richtung Süden bis Łebien. Überall am Wegesrand standen Kraniche und sammelten sich für den Zug gen Süden.

In Łebien bogen wir links ab, um die Stadt Lębork zu umgehen. Über Łęczyce erreichten wir Godętowo - hier lohnt sich ein kurzer Abstecher zum Pałac (ausgeschildert).

Palac Godetowo

In der Bäckerei (piekarnia) kauften wir noch etwas Kuchen und erkundigten uns nach dem richtigen Weg zum nächsten Ort (Rozłazino), da die entsprechende Beschilderung fehlte („links, nächste rechts“).

Bei weiterhin geringem Verkehrsaufkommen wurde es mittlerweile immer hügeliger. Wir näherten uns der Kaschubischen Schweiz. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist in Sianowo das Sanktuarium.

Und nun waren wir in der Kaschubischen Schweiz, eine herrliche, waldige, eiszeitlich geprägte Hügellandschaft mit vielen Seen. Leider nahm jetzt auch der Verkehr zu, da wir uns der kaschubischen Hauptstadt Kartuzy näherten.

Kartuzy, Kirche

Kartuzy hat zwei besondere Sehenswürdigkeiten: Das Kaschubische Museum und die Kirche, ein ehemaliges Kloster. Diese Kirche mit einem Dach, geformt wie ein Sarg, besichtigten wir. Der Altar und die Kanzel erstrahlen in einem Glanz, wie man es in Polen von den Kirchen gewohnt ist. Das Kirchenschiff selbst macht aber einen sehr düsteren Eindruck.

04.09.2012 (Kartuzy - Wdzydzy: 70 km)

Nach einem eher schwachen Frühstück im Hotel „Pod Orłem“ war unser esrtes Ziel die Touristeninformation. „Gibt es einen Radwanderweg (szlak rowerowe) nach Chmielno?“ (ging nur auf polnisch!) Es gab und er war auch gut ausgeschildert und befahrbar - bis kurz vor Chmielno.

In Chmielno, idyllisch an einem See gelegen, kann man eine der ältesten Töpfereien der Kaschubei besichtigen.

Ab hier folgten wir der „Droga Kaszubska“ - der sog. „Golden Route durch die Kaschubische Schweiz“. Auch diesen Tipp bekamen wir in der Touristeninfo Kartuzy. Entsprechendes Kartenmaterial kann man dort sehr günstig erwerben.

Droga Kaszubska

Zurück zur „Droga Kaszubska“: Berge, Wälder, Seen. Touristisch sehr gut erschlossen. Jetzt im September aber ruhig und nur wenig Verkehr auf der Straße. In der Hauptsaison wird diese Straße für Radfahrer nicht empfohlen, dann ist hier wahrscheinlich alles total überlaufen. Uns gefiel es, und mittags fanden wir noch eine Fischbräterei, die geöffnet hatte. Wir ließen es uns schmecken.

Auf der viel befahrenen 220 am Ende der „Droga Kaszubska“ fuhren wir nur wenige Kilometer Richtung Kościerzyna. Schnell verließen wir die Straße nach links Richtung Piotrowo. Diese kleine Straße war trotz Sand und Kopfsteinpflaster gut befahrbar. Über Grabowo (links abbiegen), Klincz und Dębogóry erreichten wir die nächste Hauptstraße. Dort bogen wir wieder links ab Richtung Olpuch bzw. „Muzeum - Kaszubski Park Etnograficzny“. Dieses Museumsdorf war unser Ziel (ein Tipp vom Dwórek Łeba).

Blick vom Aussichtsturm auf die Seen bei Wdzydze

Die Unterkunft war sehr ruhig, die Karczma (Gaststätte) hatte aber nur bis 18 Uhr geöffnet. Und Frühstück gab es erst ab 9.00 Uhr. Das war nicht optimal. Optimal dagegen die Landschaft. Hier stoßen 4 große Seen kreuzförmig aufeinander, alles bestens einzusehen von einem 36 Meter hohen Aussichtssturm. Hier, im Wdzydze Landschaftspark, bieten sich den Touristen viele Möglichkeiten: Wandern, Kajak oder Rad fahren. Und Unterkünfte und Einkehrmöglichkeiten gibt es, zumindest während der Hauptsaison, reichlich

05.09.2012 (Wdzydzy - Bytów: 68 km)

Für diesen Tag wählten wir ausnahmslos kleine Straße, um den teilweise wild fahrenden Autofahrern auszuweichen. Bei leichtem Nieselregen ging es zunächst von Wdzydze zurück Richtung Olpuch. An der Bahnunterführung hielten wir uns jedoch links und fuhren nach Wiele. Hier hörte zum Glück der leichte Regen auf. Dafür aber vernahmen wir wieder den „Duft“ von Braunköhleöfen - derart heftig, dass wir schnellstens weiter fuhren.

Die nächsten Orte, die wir durchfuhren, hießen Lubnia, Leśno, Sominy und Studzienice. Auf diesen Strecken durchquerten wir riesige Wälder. Überall waren die Pilzsammler aktiv. Sogar ein Reisbus aus Sopot stand auf einem Waldweg und seine Fahrgäste waren mit Eimern und Plastiktüten auf Pilzsuche.

Kurz darauf errichten wir Bytów und fuhren direkt zum vorgebuchten Hotel Zamek, in der alten Ordensritterburg. Ein tolles Ambiente. Und nach dem Rundgang durch die Burg genossen wir ein herrliches Abendessen in den Burggewölben.

Bytów, Schloss

06.09.2012 (Bytów - Słupsk: 60 km)

Morgens gab es zum Frühstück eine Speisekarte, aus der man sich sein Frühstücksmenü aussuchen konnte. Etwas Neues - aber warum nicht? Und dazu wurde Birnensaft gereicht - zum zweiten Mal auf dieser Fahrt. Ist das in der Kaschubei so üblich?

Letzter Radfahrtag. Noch einmal genossen wir - natürlich wieder auf kleinen Straßen - die Ausläufer der Kaschubischen Schweiz mit ihren Wäldern, Seen und natürlich Pilzsammlern. Besondere Sehenswürdigkeiten gab es nicht an dieser Strecke: Grzmiąca, Osieki, Krosnowo, Niepoględzie, Gałaźnia Wielka. Hier bogen wir links ab auf einen Kopfsteinpflasterweg (in der Höferkarte weiß), um möglichst wenig auf der Hauptstraße nach Słupsk fahren zu müssen. Das wäre aber nicht nötig gewesen, da die Hauptstrecke an diesem späten Vormittag nur wenig befahren war. Dennoch bogen wir noch vor Dębnica-Kaszubska wieder rechts ab Richtung Starnice. Über Borzęcino und Warblewo erreichten wir dann kurz nach Mittag wieder Słupsk.


In der kaschubischen Schweiz

Den Nachmittag nutzten wir, um unserer Fahrräder wieder im Auto zu verstauen und Einkäufe zu tätigen. Danach genehmigten wir uns ein sog. Happy-Hour-Piwo: 0,5 l für 4 Zl (= 1 Euro!).

07.09.2012 (Rückfahrt)

Bei strömendem Regen - was hatten wir für ein Glück mit dem Wetter!