Der Mur-Radweg

Von der Quelle (Hohe Tauern) bis zur Mündung in die Drau (Kroatien)

Bereits seit langem hat uns der Mur-Radweg gereizt. Dieses Jahr war es endlich soweit. Besonders erfreulich: Während unserer Planungsphase wurde der Mur-Radweg offiziell bis zur Mündung der Mur in die Drau (bei Legrad/Kroatien) verlängert. Aber wie ist die Wegeführung und die Beschilderung in Slowenien und Kroatien? Das bikeline-Radtourenbuch beschreibt den Weg nur bis Bad Radkersburg an der österreichisch-slowenischen Grenze. Erste Informationen zur Radweg-Erweiterung bekamen wir auf der Seite www.mura-drava.eu/de. Damit hatten wir aber immer noch kein Kartenmaterial in der Hand. Dennoch wollten wir bis zur Mündung fahren - irgendwie wird es schon klappen.

Wir buchten als erstes Quartier den Gasthof „Zur Post“ in Muhr/Lungau. Hier wurden wir freundlich aufgenommen und bestens verpflegt. Und auch unser Auto, mit dem wir angereist waren, konnten wir für die Dauer der Tour am Gasthof stehen lassen.

In Muhr lohnt ein Besuch der Kirche. Hier stehen jeweils bis zum 15. August die Prangstangen, welche nur noch in Muhr und Zederhaus jährlich neu aus tausenden von Blüten hergestellt werden. Es handelt sich dabei um einen 300 Jahre alten Brauch, der Heuschreckenschwärme abwehren soll.

Muhr: Prangstangen

25.7. (30 km)

Offizieller Startpunkt des Mur-Radweges ist die Sticklerhütte in 1750 m Höhe. Morgens starteten wir bei durchwachsenem Wetter mit nur leichtem Gepäck, um die 14 km und über 600 Höhenmeter zu bewältigen. Die Steigungen hatten es in sich: Auf der Straße bis zu 16%, auf den Schotterwegen sogar über 20%. Spätestens da war Schieben angesagt.

Nach ca. 2 Stunden erreichten wir die Sticklerhütte bei Sonnenschein. Doch leider kamen sehr schnell wieder Regenwolken auf und die 1,5-stündige Wanderung zum Mur-Ursprung wurde etwas feucht. Wir ließen uns aber von dem Regen nicht abschrecken, denn der Mur-Ursprung ist ein „Muss“. Und wir hatten Glück. Denn als wir den Mur-Ursprung errichten, machte der Regen eine kurze Pause.

Mur-Ursprung

Wieder an der Sticklerhütte angekommen, konnten wir nach den Mühen des Morgens nun die lange Abfahrt nach Muhr genießen.

26.7. (100 km)

Morgens schon wieder Regen. Egal. Wir wollten los und zogen die Regensachen an. Es rollte gut. Bergab! Schnell passierten wir St. Michael und konnten die Regensachen bereits wieder ausziehen. Bis Tamsweg lief es bis auf einige leichte Anstiege gut auf durchweg asphaltierten Strecken. Dort machten wir eine erste Pause und schauten uns die durchaus sehenswerte Innenstadt an. Und zu unserer Freude zeigte sich mittlerweile auch das erste Blau am Himmel.

Hinter Tamsweg fließt die Mur durch eine enge Schlucht - das ideale Terrain fürs Rafting. Und tatsächlich trafen wir am Ortsausgang von Tamsweg auf eine slowenische Gruppe, die sich auf die Fahrt mit zwei Booten vorbereitete.

In Ramingstein, direkt vor der Burg Finstergrün, hatte die Sonne endgültig gewonnen. Es wurde heiß und die Sonnencreme wurde benötigt. Weiter ging es durch eine herrliche Alpenlandschaft, mal bergauf, mal bergab. In Stadl an der Mur machten wir Mittagspause und kehrten ein, um eine Kleinigkeit zu essen.

Gut gestärkt war unser nächstes Ziel Murau. Beeindruckend die Altstadt mit dem darüber thronenden Schloss. Und das Schönste: Für Radfahrer gibt es in der Stadt überall freie Fahrt!

Murau, Burg

Wir verweilten einige Zeit, unser Tagesziel lag aber noch ca. 20 km vor uns: Scheifling. Gemütlich radelten wir unserem Ziel entgegen. Dann aber gab es Probleme: der erste Gasthof war ausgebucht, der zweite auch. Jetzt hofften wir auf den dritten und hatten Glück - beim Leitner in Scheifling-Lind waren noch einige wenige Zimmer frei. Quartier war gut, das Essen sehr reichlich - was will man mehr.

27.7. (88 km)

Morgens wolkenloser Himmel. Und das blieb auch den ganzen Tag so bei Temperaturen über 30°C.

Unser heutiges Tagesziel war Leoben. Diesmal buchten wir aber rechtzeitig telefonisch eine Unterkunft für die Nacht: Gasthof Altmann.

Der Morgen begann gleich hinter unserem Quartier mit einem steilen Anstieg. Und da der Mur-Radweg bis Judenburg fast nie direkt an der Mur entlang führte, waren die ersten knapp 30 km ein ständiges bergauf und bergab. Die schöne Landschaft, die herrlichen Ausblicke und einige Burgen am Wegesrand sorgten für eine entspannte, angenehme Fahrt.

In Judenburg schauten wir uns die Stadt an und machten eine Eispause.

Bei immer größerer Hitze und zunehmender Schwüle ging es weiter über gut ausgeschilderte Radwege, durch eine herrliche Landschaft an Zeltweg und Knittelfeld vorbei bis St. Stefan. Dort waren unsere Akkus trotz mitgenommener Getränke leer. Eine längere Pause füllte die Akkus aber mit alkoholfreien Getränken wieder gut auf.

Nun konnten wir mit neuer Energie nach Leoben durchstarten. Nachdem wir unser Quartier erreicht hatten, machten wir uns zu Fuß auf den Weg, um die schöne Altstadt von Leoben zu erkunden. Zurück im Gasthof Altmann wurden wir mit schmackhafter Hausmannskost verwöhnt.

Leoben

28.7. (83 km)

Unser heutiges Ziel war Graz. Auch hier buchten wir rechtzeitig mit Unterstützung der Tourismus Information ein Quartier für die Nacht.

Bei strahlendem Sonnenschein und Tageshöchsttemperaturen von weit über 30°C genossen wir die gemütliche Fahrt mal rechts, mal links der Mur. Erster Zwischenstopp war Bruck. Samstag ist hier Markttag. Und so konnten wir nicht nur die herrliche Altstadt sondern auch das rege Markttreiben genießen. Und es schmeckte auch schon das erste Eis.

Bruck an der Mur

Weiter ging es über Pernegg (gotische Kirche) nach Frohnleiten. Immer häufiger begegneten uns nun die Spuren der schweren Unwetter kurz vor unserem Reiseantritt. Und bei Frohnleiten war der Radweg sogar gesperrt - oder doch nicht, denn die Absperrung war offen. Wir fuhren also weiter und landeten schließlich in einem riesigen Schlammfeld. Zum Glück war der Schlamm bereits getrocknet und wir konnten die Fahrräder durchschieben.

Verschlammter Mur-Radweg

Vorbei an Schloss Rabenstein, näherten wir uns Graz. Unser Hotel (Mariahilf) lag direkt in Murnähe in der Altstadt und war problemlos über den ausgeschilderten Mur-Radweg immer im Grünen entlang der Mur zu erreichen.

Abends machten wir einen ersten Stadtrundgang durch die Altstadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. In der urigen Kneipe „Glöckl-Bräu“ konnten wir unseren Hunger stillen. Danach ging´s auf den Schlossberg. Doch noch vor Erreichen des Gipfels fing es bereits an zu donnern und zu blitzen. Schnell machten wir uns wieder auf den Weg nach unten und erreichten gerade noch rechtzeitig die „Alte Münze“. Hier genossen wir noch einen Schoppen süffigen steiermärkischen Wein und stellten fest, dass auch dieses Restaurant eine ausgezeichnete Küche hat.

29.7. (78 km)

Nach den schweren Gewittern letzte Nacht schien morgens wieder die Sonne und ein weiterer heißer Tag stand uns bevor.

Nach einem ausgezeichneten Frühstück durften wir Fahrräder und Gepäck im Hotel stehen lassen und konnten somit unbeschwert die sehenswerte Altstadt und den Schlossberg erkunden. Es gab viel zu entdecken - wir waren über 2 Stunden unterwegs.

Graz, Uhrturm

Und dann ging es weiter. Unser Tagesziel war Mureck. Und wie in den letzten Tagen buchten wir auch heute wieder im Gasthof „Zur Post“ in Gosdorf vor.

Bis Fernitz fuhren wir auf der linken Seite der Mur, dann wechselten wir auf die rechte. Perfekt ausgebaute Radwege führten durch Mais- und Kürbisfelder sowie durch liebliche Ortschaften, die sämtlich eine üppige Blütenpracht zeigten, welche wir aus unserer norddeutschen Heimat nicht kannten. Es rollte gut; aber in Großsulz mussten wir doch eine Pause machen. Eine originelle Buschenschenke lockte am Wegesrand. Die erfrischenden kühlen Getränke taten gut bei dieser Hitze, für eine Vesper war es nach dem tollen Frühstück noch zu früh. In dieser Buschenschenke trafen wir auch wieder auf eine Familie, welcher wir bereits beim Anstieg zur Sticklerhütte begegneten. Sie fiel uns dadurch auf, dass der Vater das gesamte Gepäck im Fahrradanhänger beförderte, während Mutter und Tochter ohne Gepäck fahren konnten. Wie unter Radlern üblich, kam man natürlich sofort ins Gespräch.

Weiter ging´s bis Altgralla: Zur Mittagszeit kehrten wir ein, um eine Kleinigkeit zu essen; denn am Sonntag hatten die Geschäfte nicht geöffnet.

Und weiter rollte es bei drückender Hitze und Schwüle sehr gut weiter - mittlerweile war die Mur Grenzfluss zu Slowenien. Und in Oberschwarza wurden unsere durstigen Kehlen von einer weiteren Buschenschenke angelockt. Der Aufenthalt war aber nur sehr kurz: Donnergrollen kam näher und die ersten Windböen kippten bereits Sonnenschirme. Sofort machten wir uns wieder auf den Weg und fuhren im Eiltempo durch die Maisfelder. Wie in einem Labyrinth schlängelte sich der Weg durch diese hindurch Richtung Mureck. Trotz der drohenden Gewitter ließen wir es uns nicht nehmen, die Schiffsmühle - oder besser gesagt, das, was von ihr nach den schweren Unwettern übrig geblieben war - zu besuchen.

Mureck, Schiffsmühle

Und dann kam es knüppeldick. Am Ortsausgang von Mureck, 3 km vor Gosdorf, unserem Quartier, begann es zu tröpfeln. Schnell zogen wir die Regensachen an. Aber das war überflüssig. Der Himmel öffnete alle Schleusen und vollkommen durchnässt erreichten wir den Gasthof „Zur Post“. Hier konnten wir den Abend in einfacher, aber gemütlicher Atmosphäre nach einem gut bürgerlichen Abendessen ausklingen lassen.

30.7. (80 km)

Morgens der erste Blick aus dem Fenster: Sonne und strahlend blauer Himmel. Es sollte wieder sehr heiß werden. Deshalb starteten wir auch sehr früh. Schnell erreichten wir wieder den Radweg und radelten durch den herrlichen Auwald, vorbei an alten Gehöften und blühenden Rosen-Eibischen. Vom Mur-Turm hatten wir einen tollen Blick über die weiten Auwälder. Unten am Fluss saß derweil ein Eisvogel und wartete auf Beute.

In Donnersdorf verließen wir den Mur-Radweg, um den im Radtourenbuch beschriebenen Ausflug nach Klöch zu machen. Leider waren Wegebeschreibung und Karte nicht sehr genau, so dass wir zunächst manch falschen Weg eingeschlagen hatten. Aber schließlich erreichten wir den Weinort auf dem Vulkankegel. Wegen der Hitze wirkte der Ort wie ausgestorben. Wir machten eine kleine Pause zur Stärkung und schon ging´s weiter Richtung Bad Radkersburg. Auf dem Golfplatz, den wir südlich Klöch passierten, saß gerade eine Wiedhopf-Familie.

Nun war der weitere Radweg bis Bad Radkersburg auch ohne Beschilderung gut nach der Karte zu finden.

Bad Radkersburg

Dort angekommen, war unser erstes Ziel die Touristeninformation. Zu unserer Freude bekamen wir gleich eine Radwanderkarte des Mur-Radweges bis zur Mündung in die Drau kostenlos überreicht. Andererseits wurde uns aber auch gesagt, dass es in Slowenien kaum Übernachtungsmöglichkeiten gäbe und man deshalb gleich die erstmögliche nehmen sollte. Das konnte spannend werden.

In einer Eisdiesle auf dem Marktplatz dieser bereits mediterranen Stadt studierten wir bei einem Eisbecher das Kartenmaterial (andere Aufmachung als gewohnt - deshalb etwas gewöhnungsbedürftig). Und dann ging`s los.

Wir fuhren über die Mur-Brücke und waren schon in Slowenien - keine Grenzkontrollen. Aber wie jetzt weiter? Zunächst immer auf einem Radweg entlang der Hauptstraße. Und nach ca. 10 km dann endlich der erste Hinweis, dass wir auf der richtigen Strecke sind: Ein Radweg-Schild „Murska-Drava“. Erst hinter Vučja vas verließ der Radwanderweg die Hauptstraße und wir radelten auf verkehrsarmen Nebenstrecken wieder einmal durch Kürbis- und Maisfelder.

In Veržej entdeckten wir Hinweise auf Übernachtungsmöglichkeiten; und es gab in dem Ort ein Restaurant. Wir erinnerten uns an die Aussage der Angestellten im Touristenbüro von Bad Radkersburg, waren aber noch nicht an unserem geplanten Ziel angekommen. Also kontaktierten wir die Touristeninformation (TIC) in Razkrižje. Zu unserer Überraschung sprach die Dame am anderen Ende der Leitung deutsch. Sie gab uns die Telefonnummer der einzigen Übernachtungsmöglichkeit dort. Und auch hier hatten wir Glück, sogar doppelt: Es wurde deutsch gesprochen und wir bekamen ein Quartier (Turistična Kmetija Dervarič), mit dem Hinweis, dieses sei in Veščica (hinter Razkrižje) und liege oben in den Weinbergen (1 km steiler Anstieg). Egal. Wir hatten ein Ziel und somit auch viel Zeit.

Blick über die Weinberge Jeruzalem

Also legten wir erst einmal im Restaurant eine Pause ein und fügten dem Körper wieder Flüssigkeit zu. Danach machten wir einen Abstecher zu der alten Schiffsmühle. Aber hier war von Mühlbetrieb nicht viel zu sehen: Der Schlamm des Mur-Hochwassers der letzten Tage musste immer noch beseitigt werden. Die Zufahrtswege waren gerade einmal notdürftig wieder frei geräumt.

Unser Weg führte uns danach weiter auf kleinen Straßen bis nach Razkrižje. Ab hier folgten wir der telefonischen Wegebeschreibung. Alles kein Problem. Doch dann ging es in die Weinberge. Es waren insgesamt 1,3 km teilweise sehr steile Anstiege (15% +!). Endlich oben angekommen erwartete uns eine tolle Aussicht über Jeruzalem, die Weinregion Sloweniens. Und hier, bei Jani und Simona (Emailkontakt), fühlten wir uns richtig wohl. Zum Abendessen bekamen wir Bograč, eine Art Gulasch auf Slowenisch, typisch für die Region. Und danach ging es in den alten Weinkeller. Einfach toll!

31.07. (92 km)

Am nächsten Morgen zeigte sich der Himmel bewölkt, vereinzelt fiel leichter Regen. Durch ein besonderes slowenisches Frühstück stärkten wir uns erst einmal für den Tag. Zu diesem Frühstück bekamen wir auch eine Kostprobe der verschiedenen selbst gepressten Öle: u.a. Kürbiskernöl kalt- und warmgepresst und Walnussöl.

Gut gestärkt starteten wir mit einer rasanten Abfahrt Richtung Mur. Und bereits nach wenigen Kilometern hieß es: Stopp! Grenze! Wir verließen die EU und waren nun in Kroatien. Im nächsten Ort tauschten wir in der Post erst einmal Euro in Kuna. Und dann ging es weiter auf perfekt ausgeschilderten und sehr gut befahrbaren Straßen. Wir waren angenehm überrascht.

Bei Marof besuchten wir die Schiffsmühle. Aber auch hier ein ähnliches Bild wie bisher: Kein Betrieb, viel Schlamm - das Hochwasser zeigte seine negativen Folgen. Mittlerweile schien die Sonne von einem wolkenlosen Himmel und die Temperatur stieg ständig. In Križovec verließen wir die Hauptroute und folgten dem „Offroad-Wegweiser“ - einem Radweg direkt entlang der Mur. Doch bereits nach wenigen Kilometern blieben wir im wahrsten Sinne des Wortes im Schlamm stecken - Hochwasserfolgen. Die Räder drehten sich nicht mehr, an den Bremsen dicke Schlammpolster. Nachdem wir die Fahrräder wieder einigermaßen fahrtauglich gemacht hatten, fuhren wir auf dem normalen asphaltierten Radweg weiter Richtung Mündung der Mur in die Drau.

Offroad

Für die Übernachtung hatten wir uns das Golf-Hotel in Donji Vidovec ausgeguckt, ein Tipp von der privaten Homepage von Ilse und Peter Danninger. Auf diese Homepage kommen wir im weiteren Verlauf des Berichts noch ausführlich zu sprechen. Und plötzlich sahen wir vor uns das Hinweisschild zum Golf-Hotel. Uns war sofort klar: Links abbiegen, Zimmer buchen, etwas trinken und essen und dann ohne Gepäck weiter nach Legrad. Gesagt, getan.

Gestärkt nahmen wir die letzten Kilometer nach Legrad zur Mur-Mündung in Angriff. Sowohl Drau als auch die Mur führten immer noch Hochwasser. Zwei große Flüsse stoßen hier an der ungarischen Grenze aufeinander. Und die Einheimischen besitzen an dieser Stelle eine erstklassige Badestelle.

Mündung der Mur in die Drau

Es war schon sehr beeindruckend, diesen Fluss, den wir an der Quelle kennen gelernt hatten, dem wir über einige hundert Kilometer gefolgt waren, hier an seiner Mündung in die Drau zu verabschieden. Der Mur-Radweg ist deshalb auch der bisher schönste Flussradweg, den wir je gefahren sind.

Abends im Golfhotel konnten wir bei Wein und exzellentem selbst gebrautem Schwarzbier sowie kroatischen Grillspezialitäten den Abend auf der Terrasse gemütlich ausklingen lassen.

01.08. (96 km)

Beim Mur-Radweg hatten wir unser Ziel erreicht - jetzt wollten wir entlang der Drau noch bis Maribor fahren. Aber wie? Auf der Homepage von Ilse und Peter Danninger hatten wir uns im Voraus bereits informiert und die Karten ausschnittsweise vergrößert und ausgedruckt. Mittlerweile war aber auch der Drau-Radweg gut ausgeschildert. Ausgedrucktes Kartenmaterial + Beschilderung führten uns die nächsten 2 Tage perfekt nach Maribor.

Unser heutiges Ziel - wie immer bei blauem Himmel und Temperaturen von weit über 30°C - hieß Ormož. Gemütlich radelten wir entlang des Jezoro Donja Dubrava auf gutem Asphalt, leider jedoch immer hinter dem Damm. In Prelog kauften wir uns Getränke und Essen für den Tag. Mit Hilfe der Karten fanden wir den Drau-Radweg wieder und gelangten auf verkehrsarmen Straßen durch Maisfelder und kleine Dörfer nach Varaždin.

Maisfelder

Dorf in Kroatien mit Maisdarre im Vordergrund

Auf katastrophalen Radwegen fuhren wir in eine wirklich sehenswerte Stadt. Die herrlich restaurierte Alte Burg, umgeben von einem begehbaren Burgwall, ist wohl das bedeutendste Gebäude. Aber auch die autofreie Altstadt beeindruckte uns sehr. Mit einem Wort: Varaždin ist einen Besuch wert!

Varazdin

Auf einem Radweg entlang der Hauptstraße nach Maribor verließen wir Varaždin. In Petrijanec jedoch bögen wir rechts ab Richtung Strmec. Nachdem wir Strmec passiert hatten, hörten wir immer wieder Stimmen aus den Maisfeldern. Dann lagen auf einmal riesige Müllberge neben der Straße. Und kurz darauf passierten wir eine Zigeunersiedlung. Ständig kamen uns Zigeuner auf Fahrrädern oder zu Fuß entgegen, einige zeigten uns den Stinkefinger, andere taten, als ob sie kotzen mussten. Warum? Wir hatten ihnen doch nichts getan. Woher sie kamen, klärte sich schnell: Von der nahegelegenen Mülldeponie, auf der sie im Müll nach verwertbaren Resten suchten. Das waren schockierende Eindrücke - mitten in Europa!

Kurz darauf erreichten wir die Grenze und Ormož. Es war erst Mittag - viel zu früh. Also organisierten per Telefon ein Quartier in Ptuj und fuhren weiter. Aus Ormož raus (Hauptstraße ohne Radweg!), am Schloss von Mirovci links ab entsprechend der Beschilderung und dann auf einem ruhigen Schotterweg zunächst entlang der Drau. Als es auf diesem Weg nicht mehr weiter ging, querten wir die Drau und fuhren auf der anderen Flussseite weiter. Der Schotterweg war auch hier gut befahrbar. Bei Formin stießen wir wieder auf den Radwanderweg. Dieser war bis Ptuj durchgängig sehr gut beschildert. Nur einmal war ein Schild verdreht und zeigte in die falsche Richtung (wir hatten aber zum Glück unsere Kartenausdrucke dabei).

Am späten Nachmittag lag dann Ptuj vor uns, Sloweniens älteste und wie man sagt auch schönste Stadt, über der, bereits von weitem sichtbar, das Schloss thront.

Ptuj

Unser Quartier hieß „Panorama Krapša“, Tel. +386 27877570, und lag mal wieder hoch oben über der Stadt. Aber auch hier hat sich der Anstieg gelohnt. Der überaus freundliche Empfang von Metka, der Chefin, ließen uns gleich ein Gefühl von „zu Hause“ geben. Von ihr bekamen wir sogar den neuen Fahrradführer „Drauradweg (Erweiterung in Slowenien und Kroatien)“ überreicht. Und dank ihrer tollen Tipps konnten wir uns am Abend sehr gut in Ptuj orientieren und fanden auch ein erstklassiges Restaurant.

02.08. (35 km)

Morgens wie immer: sonnig und heiß. Und ein Super-Frühstück in einem gemütlichen Frühstücksraum mit Blick auf Ptuj und den Schlossberg. Hier kam jeder mit jedem ins Gespräch, ein Sprachenwirrwarr flutete durch den Raum: Slowenisch, Englisch, Französisch, Deutsch, Niederländisch, Jiddisch, ...

Dann sattelten wir unsere Fahrräder, um zum Endziel der Tour zu starten: Maribor. Zuvor jedoch schauten wir uns noch einmal die herrliche Altstadt bei Tageslicht an. Grandios. Ein absolutes Muss!

Ptuj, Altstadt

Der Radwanderweg verlief wie immer: Auf ruhigen kleinen Straßen mal an der Drau, mal an den Hängen entlang, mal durch Mais- und Kürbisfelder, dann wieder durch Wälder. Und wie immer sonnig und heiß.

In Maribor war unser erstes Ziel der Bahnhof. Wir wollten am nächsten Morgen mit dem Zug zurück nach Tamsweg im Murtal und benötigten für den Eurocity nach Bruck/Mur eine Reservierung. Das war auch kein Problem. Aber die Fahrkarten für die weiteren Züge konnten hier am Schalter nicht ausgedruckt werden: Entweder war der Zug (angeblich) nicht für Fahrradmitnahme geeignet oder der Computer konnte keine entsprechende Fahrkarte drucken.

Wir waren aber auch mit der Fahrkarte und der Reservierung für den Eurocity zufrieden und fuhren gleich weiter zur Touristeninformation. Dort bekamen wir sofort ein tolles Übernachtungsangebot: 4-Sterne-Hotel im Zentrum mit Abendessen und Frühstück zu einem Super-Sonderpreis. Das nahmen wir natürlich sofort an, machten uns frisch und erkundeten die Altstadt von Maribor, in diesem Jahr Kulturhauptstadt Europas.

Maribor

Auch Maribor hat eine sehr schöne Altstadt mit u.a. Dom, Schloss und der ältesten Weinrebe der Welt. Auch das Kneipenviertel an der Drau ist nicht zu verachten. Wir schlenderten den ganzen Nachmittag von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit und konnten uns dann am Abend in unserem Hotel das herrliche 3-Gänge-Menü zusammen mit einer Flasche süffigen slowenischen Weißweins munden lassen.

03.08. (33 km)

Zum Glück hatte das Hotel eine Klimaanlage. Es war in der Nacht drückend heiß.

Morgens genossen wir das opulente Frühstücksbüffet.

Dann ging´s zum Bahnhof. 10.19 Uhr Abfahrt. Nachdem wir die Grenze zu Österreich passiert hatten (Personalwechsel), konnten wir auch die noch fehlenden Tickets nachkaufen. Dann verlief alles problemlos.

Murtalbahn in Tamsweg

Als wir in Tamsweg aus dem Zug stiegen, schlug uns erst einmal eine ungewohnte Kälte entgegen. Wir waren wieder in den Alpen und die Temperaturen lagen hier nur bei maximal 22°C. Wir fuhren zunächst in die Stadt, und nahmen bei einem Schlachter eine Vesper ein. Gut gestärkt starteten wir nun nach Muhr. Gemütlich erreichten wir nach knapp 2 Stunden den Gasthof „Zur Post“ und genossen einen letzten Urlaubsabend wieder bei schmackhafter Hausmannskost.