Kanada 2013 - Der Osten

Vorspann

Nach 5 Jahren war wieder Kanada unser Ziel. Nachdem wir 2008 durch die Rocky Mountains fuhren, wollten wir diesmal den Osten dieses Riesenlandes erkunden. Wir buchten die Reise wieder langfristig als Gesamtpaket über ein örtliches Reisebüro.

Start und Ziel war Toronto. Zunächst wollten wir unsere Tochter besuchen, die seit einigen Jahren in Kanada studiert. Dies war sehr gut mit einem Besuch der Niagara-Fälle zu kombinieren.

Anschließend sollte es über Ottawa und Quebec entlang der Südseite des St.-Lorenz-Stroms bis Cape Breton Island in Nova Scotia gehen. Ziel waren vor allem die Nationalparks.

Zur Vorbereitung der Reise hatten wir zwei Reiseführer, die sich sehr gut ergänzten:

- Stefan Loose, Kanada - Der Osten (978-3-7701-6159-1) und

- VISTA POINT, Ost-Kanada (978-3-86871-019-9).

Die in Klammern gesetzten Großbuchstaben im Bericht kennzeichnen jeweils die Orte in der jeweiligen Google-Map des Tages.

28.06.

Der Start verlief problemlos. Lediglich der Inhalt meines Rucksacks wurde in Hannover am Flughafen auf Sprengstoff überprüft - das darin befindliche Spektiv sah wohl zu gefährlich aus.

Der Flug mit Air France über Paris gefiel uns sehr gut (Service, Leistungen, usw.).

Die Abfertigung in Toronto (A) verlief zu unserem Erstaunen sehr schnell, obwohl geschätzt weit über 1000 Menschen gleichzeitig mit verschiedenen Flugzeugen in Toronto gelandet waren und nun in die Abfertigungshallen strömten.

Mit einem Hotel-Shuttle gelangten wir zu unserem vorgebuchten Hotel (B)

Nur unsere Tochter trafen wir dort nicht, da ihr Flug von Quebec nach Toronto wegen starker Regenfälle gecancelt wurde. Sie traf erst um 23.30 Uhr (mit dem Auto) im Hotel ein.

Karte des Tages

29.06.

Morgens wurden wir am Hotel von Fraserway abgeholt. Wohnmobilübergabe bei Fraserway in Cookstown (B) - mit Navigationsgerät, welches uns in diversen Situationen sehr gut helfen sollte.

Dann der Start. Zunächst wieder zurück nach Toronto und weiter nach Thorold.

Langes Wochenende, ganz Toronto schien die Stadt zu verlassen. Es war eine nervige Fahrt nach Thorold (C) - viele Staus.

Karte des Tages

30.06.

Sonntag und schönes Wetter - deshalb starteten wir auch bereits sehr früh zu den Niagara Falls (B).

Schon von Weitem sahen wir die typischen Zeichen des Massentourismus: Riesige Hotelbauten und einen Vergnügungspark. Dennoch war es an diesem frühen Morgen noch verhältnismäßig leer und wir konnten in Ruhe das Naturschauspiel genießen. Der Höhepunkt schließlich war die „Journey behind the falls“, bei der keiner trocken davon kam.
Niagara-Fälle USA und Kanada

Am Nachmittag wollten wir noch zum sog. Whirlpool wandern - aber alle Parkplätze in der Gegend waren restlos überfüllt.

Also fuhren wir zum „Short Hills Provincial Park“ (C) und konnten dort auf einer kleinen Wanderung in Ruhe die Natur genießen, bevor es am Abend zurück nach Thorold ging (D).

Karte des Tages

01.07.

Canada Day - Großer Feiertag im ganzen Land.

Zunächst fuhren wir nach Toronto (B), unsere Tochter nahm dort an einem Radrennen teil.

Nach der Siegehrung ging es weiter Richtung Ottawa. Ab Kingston folgten wir dem Highway 15 entlang des Canal Rideau (Unesco Weltkulturerbe). Dort besichtigten wir die Brewer`s Mills Upper Lock (C). Diese alten Schleusen, noch immer voll funktionstüchtig, sind echt sehenswert.
Rideau Canal - Brewer's Mills Upper Lock

Abends fuhren wir den Sand Lake Campground (D) an, gut aber zu teuer.

Karte des Tages

02.07.

Beim morgigen Rundgang einen Urson (amerikanisches Stachelschwein) gesehen!

Nach der Weiterfahrt machten wir einen ersten Stopp an den Schleusen von Jones Falls (B) und erlebten dabei einen Schleusengang. Und wieder beeindruckend, wie die alte Technik heute noch einwandfrei funktioniert.
Rideau Canal - Schleusengang bei St. Jones

Die Weiterfahrt erfolgte möglichst nah entlang des Canal Rideau. Diese landschaftlich sehr reizvolle Strecke verlockte immer wieder zu einem kurzen Stopp.

Am Nachmittag trennten sich unsere Wege: Besichtigung des Musée de la Civiliasation (C) bzw. Organisation eines Campgrounds für die Nacht.

Das Musée de la Civilisation stellt sehr anschaulich die Geschichte Kanadas dar, von den Ureinwohnern über erste Besiedlungen und geführte Kriege bis zum heutigen Status Quo.

Weit außerhalb von Ottawa hatten wir schließlich auch mit dem Campground Hither Hills (D) einen, wenn auch durch den nahen Highway etwas lauten, Stellplatz gefunden.

Karte des Tages

03.07.

Am nächsten Morgen fuhren wir zunächst nach Gatineau (B), um dort einen Parkplatz zu finden (wir durften das Wohnmobil nicht in Ottawa-City, wie auch in anderen Städten unbeaufsichtigt abstellen!). Diese Parkplatzsuche gestaltete sich sehr abenteuerlich. Das Navi lotste uns zwischen die Häuserschluchten. Dort war tatsächlich ein Parkplatz - aber leider bereits komplett besetzt. Per Funk waren aber die diversen Parkplätze miteinander verbunden und bereits nach kurzer Zeit hatten wir einen gefunden, der uns noch aufnahm. Da aber der Parkraum in den Städten sehr knapp ist, werden die Autos dicht an dicht, ohne jede Zwischengasse, geparkt. Man gibt den Schlüssel ab und nennt eine ungefähre Rückkehrzeit. Als wir dann nach einigen Stunden zurück kamen, stand das Wohnmobil fahrbereit direkt vor der Ausfahrt des Parkplatzes. Der Rest - wohl wie immer - komplett zugeparkt.

In der Zwischenzeit besichtigten wir das kanadische Parlament. Wir kamen genau rechtzeitig zum Wachwechsel - ein spektakuläres Schauspiel.
Ottawa: Wachwechsel vor dem Parlament

Und auch die kostenlose Führung im Parlament - incl. Sicherheitskontrolle wie im Flughafen - hat uns sehr beeindruckt.

Danach ging´s weiter Richtung Quebec - unserem nächsten Ziel. Die Entfernung war jedoch zu groß für die an diesem Tag verbleibende Zeit, so dass wir einem Hinweisschild am Highway folgten und den idyllischen Camping du Vieux Moulin in St. Barthélemy (C) ansteuerten.

Am Abend und während der Nacht erschallten vom See die Rufe vieler Ochsenfrösche.

Karte des Tages

04.07.

Bei der morgendlichen Kontrolle am Wohnmobil stellten wir fest, dass der Schieber für die Entleerung der Toilette fehlte. Also riefen wir über die kostenlose Hotline bei Fraserway an und bekamen die Adresse einer Werkstatt in Québec. Zum Glück hatten wir ein Navi.

Das Wohnmobil wurde auch sofort in Ordnung gebracht und nach ca. 1 Stunde konnten wir den von uns ausgesuchten „stadtnächsten“ Campingplatz (Camping Québec en Ville) (D) ansteuern und reservieren.

Gleich anschließend fuhren wir mit dem Bus ins Zentrum. (C)

Und dieses Zentrum ist sehenswert und deshalb auch UNESCO Weltkulturerbe.

Québecs Altstadt wird vollständig von einer Stadtmauer umgeben. Dieser Teil des Stadtzentrums liegt leicht erhöht auf einem Hügel und trägt daher die Bezeichnung Haute-Ville (Oberstadt). Die Oberstadt wird durch das Hotelgebäude Château Frontenac dominiert. Am südlichen Ende der Oberstadt ist die Citadelle de Québec.

Die Unterstadt (Basse-Ville) liegt außerhalb der Stadtmauer. In beiden Innenstadthälften befinden sich historische Bauwerke. Unter- und Oberstadt werden neben Straßen und Treppen auch durch die Standseilbahn Funiculaire du Vieux-Québec verbunden.
Quebec: Blick von der Unter- auf die Oberstadt

Karte des Tages

05.07.

Nun sollte es endlich in die Natur gehen. Erstes Ziel: Parc National du Bic (B). Die Aufgabe des 1984 im Süden der Provinz am Südufer des Sankt-Lorenz-Stroms eingerichteten, nur 33,2 km² großen Parks, besteht darin, u. a. Seehunden und Kegelrobben sowie weiteren Bewohnern des Sankt-Lorenz-Stroms ein Refugium zu bieten. Wir machten deshalb auch eine Wanderung zu den Seehunden und hatten Erfolg: Vor uns auf einer Klippe saß ein Weibchen des Harbour Seal mit ihrem Jungen.
Seehunde im Parc National du Bic

Auf der Weiterfahrt suchten wir einen Stellplatz für die Nacht und wurden beim Campground Matane (C) fündig. Dieser Platz war super: Bereits am Eingangsgebäude sahen wir ein großes Nachtpfauenauge und einen riesigen Schwärmer. Im Campground waren an dem kleinen See zwei Beobachtungsstände aufgebaut und viele ornithologische Informationstafeln aufgestellt. Höhepunkt unserer Beobachtungen waren neben verschiedenen Rallen ein Biber, welchen wir sowohl am Abend als auch am darauffolgenden Morgen intensiv beobachten konnten.

Karte des Tages

06.07.

Am nächsten Morgen ging es weiter Richtung Osten - immer entlang der Küste des St.-Lorenz-Stroms führte sich die Straße entlang, zeitweise sogar mit bis zu 15% Steigung und Gefälle in den Bergen. Unser Tagesziel war der Parc National de Forillon.

Dort angekommen, buchten wir zunächst einen Stellplatz auf dem Campground „Des-Rosiers“. Bereits auf der Fahrt zu diesem kreuzte ein erster Schwarzbär unseren Weg.

Am Nachmittag wanderten wir zum Mont Saint-Alban (Beobachtungsturm). Am benachbarten Campground „Cap-Bon-Ami“ sahen wir ein amerikanisches Stachelschwein auf der Straße. Kurz darauf begann der teilweise recht steile Anstieg zum Mont Saint-Alban. Eine Weile wurden wir von einem Schwarzbären begleitet, der ca. 50 m neben uns im Unterholz auf Nahrungssuche war. Er ließ sich von uns nicht stören. Wir folgten weiter dem herrlichen, abwechslungsreichen Wanderweg bergauf. Immer wieder flatterten Schwalbenschwänze umher, überall auf dem Weg fanden wir Bärenlosung.

Und schließlich hatten wir den Aussichtsturm erreicht. Leider war es ziemlich dunstig, aber dennoch erkannten wir plötzlich deutlich einen Trupp Wale. Mindestens ein Dutzend Minkwale tummelten sich in der Bucht unter uns und konnten hervorragend vom Turm aus beobachtet werden.
Parc National de Forillon

Nach dem Abstieg schauten wir uns noch eine Weile das Treiben in der Vogelkolonie am Cap-Bon-Ami an und machten uns schließlich auf den Rückweg zum Wohnmobil.

Karte des Tages

07.07.

Am nächsten Morgen gingen wir noch einmal an den Strand. Hunderte von Krebsschalen lagen hier. Ein kleiner Junge hatte viele davon gesammelt, sortiert und „künstlerisch“ präsentiert.

Weiter ging es mit dem Wohnmobil über die Halbinsel Gaspè. Bei „La Chute“ (B) - noch im Parc National du Forillon - legten wir einen Zwischenstopp ein und wanderten zum Wasserfall. Eiskaltes Wasser stürzt hier 17 Meter in die Tiefe. Es war sogar gefahrlos möglich, bis an den Wasserfall heranzugehen - gefahrlos, aber eiskalt! Dieser Parc National hat uns sehr gut gefallen.

Unser nächstes Ziel war Percé (C) - mit dem berühmtesten Felsen in Ostkanada. Und wegen dieses Felsens und der riesigen Basstölpelkolonie auf der vorgelagerten Insel Bonaventure (ca. 80000 Brutpaare), wurde Percè zu einem Mega-Touristenort. Das Wahrzeichen der Stadt ist dieser Basstölpel, ein eleganter Flieger, der aus bis zu 100 m Höhe mit angelegten Flügeln kopfüber ins Meer stürzt, um Fische zu fangen. In jedem Souvenirshop konnte man Basstölpel in unterschiedlichster Form erwerben. Sogar die Papierkörbe auf der Straße waren mit Basstölpeln verziert.
Basstölpel in Percé

Aber auch den Felsen von Percè haben wir uns natürlich angeschaut. Der bei Ebbe zu Fuß erreichbare 88 m hohe und 438 m lange Kalksteinfelsen ist schon sehr beeindruckend. Leider waren wir bei Flut in Percè und konnten den Felsen nur vom offiziellen Aussichtspunkt (Eintritt!) bzw. vom Anleger im Hafen aus ansehen. Und vom Anleger sieht man dann auch das riesige Loch in dem Felsen.

Weiter ging es danach an der Südküste von Gaspè gen Westen. Am anderen Ufer konnten wir schon die Küste von New Brunswick erkennen. Wir wollten auf der Halbinsel Miguasha übernachten, fanden dort aber keinen Campground und fuhren deshalb weiter nach Campbellton. Doch auch der dort im Navi eingetragene Campground existierte nicht mehr. Also stellten wir schließlich das Wohnmobil - es wurde bereits dunkel - auf dem im Bau befindlichen neuen städtischen Campground von Campbellton (D) auf. Es gab auch keine Probleme.

Karte des Tages

08.07.

Am nächsten Morgen frühstückten wir ausnahmsweise einmal bei Tim Hortens, nur wenige Meter von unserem Übernachtungsplatz entfernt.

Dann ging es sofort weiter Richtung Caraquet. Dort besichtigten wir das Akadische Museumsdorf (B), Village Historique Acadien, das einen sehr guten Eindruck vom Pionierleben der französischen Siedler vermittelt.

Die „Dorfbewohner“ demonstrieren in Originalkostümen, wie die Akadier (französische Siedler, die 1755 aus Nova Scotia geflüchtet waren, um sich im abgelegenen New Brunswick niederzulassen) hier lebten. So zeigen sie zum Beispiel wie Eisen geschmiedet, Fische getrocknet, Wolle gesponnen und Speisen gekocht werden. Insgesamt besteht das Village aus über 30 Gebäuden, darunter Schule, Post, Mühle, Kapelle, Hotel und Tankstelle.
Akadisches Museumsdorf

Es war ein sehr lohnenswertes Ziel.

Auf dem Weg zum Kouchibouguac National Park kauften wir unterwegs Fisch zum Grillen - gar nicht so einfach, wenn man nur noch etwas Schulfranzösisch spricht.

Im Nationalpark angekommen, fuhren wir den Campground Kouchibouguac South (C) an und ließen uns den gegrillten Fisch schmecken.

Karte des Tages

09.07.

Für den nächsten Vormittag hatten wir uns 4 Trails zum Wandern ausgesucht, um die unterschiedlichen Landschaften des Nationalparks kennen zu lernen: Bog, Kellys Beach, Beaver und Pines.

„Bog“ beeindruckte durch die vielen fleischfressenden Pflanzen und Orchideen, die überall am Wegesrand standen. An „Kellys Beach“, auch ein Badestrand, waren viele Wasservögel und Möwen zu sehen, jedoch leider nicht der dort brütende seltene Flötenregenpfeifer (Piping Plover). Auf den Trails „Beaver“ und „Pines“ gab es keine Besonderheiten, diese hätte man sich auch sparen können.
Bog Trail

Nächstes Zwischenziel: Moncton (B). In der Touristeninfo besorgten wir uns die Tidenzeiten für die Bay of Fundy, um einige Tage später den sagenhaften Tidenhub dort intensiv erleben zu können.

Zunächst fuhren wir jedoch weiter Richtung Cape Breton Island. Die Zeltplatzsuche auf dem Weg dorthin gestaltete sich wieder einmal etwas problematisch, weil ein ausgewiesener Campground nicht auffindbar war. Schließlich landeten wir in Antigonish auf dem Campground „Whidden Park“ (C).

Karte des Tages

10.07.

Am nächsten Morgen brachen wir früh auf, um spätestens mittags bereits auf der berühmten Panoramastraße „Cabot Trail“ auf Cape Breton Islands zu sein. Wir kamen auch, trotz teilweise sehr schlechter Straße auf Cape Breton, sehr gut voran, und sicherten uns einen Stellplatz auf dem Campground „Corney Brooke“ (D), ein sog. Self-registration-Campground.

Sofort ging es weiter zum „Skyline Trail“ (C), dem angeblich beliebtesten Wanderweg am Cabot Trail. Der Parkplatz war auch, als wir ankamen, bereits gut gefüllt. Und auch auf dem Trail war man nie allein. Wir wählten jedoch dann die längere Variante zum Aussichtspunkt und konnten nun in Ruhe die herrliche Natur genießen. Am Zielpunkt angekommen, hat man normalerweise eine herrliche Aussicht - nicht jedoch an diesem Tage. Es war nämlich sehr dunstig. Dennoch war es eine sehr schöne Wanderung.
Aussicht vom "Skyline Trail"

Auf der Rückfahrt zum Campground konnten wir von der Straße aus noch mindestens 9 Wale sehen, die vor der Küste schwammen.

Karte des Tages

11.07.

Am nächsten Morgen starteten wir wieder sehr früh und folgten dem landschaftlich reizvollen Cabot Trail. Mehrfach luden die Parkplätze zu kurzen Stopps ein. Bei Timmons Store / Pleasant Bay (B) stoppten wir zwecks kleinerer Einkäufe. Das hatte sich gelohnt, denn der Laden versetzte einen in Einkaufserlebnisse aus früheren Zeiten.
Timmons Store

In Cape North machten wir einen Abstecher nach Norden und landeten schließlich in Bay St. Lawrence (C), einem idyllischen Fischerdorf an der gleichnamigen Bucht.

Dann brauchten wir Bewegung und hielten am Parkplatz „Jigging Cove“ (D), um auf dem gleichnamigen Trail zum Strand zu laufen. Dieser Trail scheint auch gerne von Elchen genutzt zu werden - ihre Hinterlassenschaften ließen darauf schließen. Unterwegs hörten wir plötzlich an zwei Stellen ein eigenartiges dauerhaftes Sirren. Hier waren Zikaden am balzen. Endlich an der Küste angekommen, sahen wir aber keinen Küstebwanderweg (Coastal Trail), sondern nur noch Steine, nichts als Steine, bis zu einem Durchmesser von 50 cm und mehr. Das war der Küstenwanderweg! Wir drehten jedoch um, wanderten zurück und fuhren anschließend zum Broad Cove Camping (E). Auch dort schauten wir zunächst an den Strand und wunderten uns über den roten Sand. Es war feinst gemahlener Buntsandstein.

Abends grillten wir dann mal wieder Fisch. Man war ja schließlich am Meer.

Karte des Tages

12.07.

Vormittags wanderten wir noch auf zwei Trails im National Park: Clyburn Valley (B) und Middle Head (C). Beide waren sehr schön: Clyburn Valley führte entlang des Clyburn Brooke zu einer alten Goldgräbermine, Middle Head dagegen direkt an eine Landzungenspitze zu einer Möwenkolonie, in welcher u.a. junge Mantelmöwen zu beobachten waren.
Middle Head Trail

Nachmittags ging es weiter nach Baddeck, wo wir auf dem Bras d´Or Lakes Campground (E) einen Stellplatz reservierten. Und am Abend fuhren wir noch einmal nach Baddeck zurück, um im Baddeck Lobster Supper (D) den berühmten kanadischen Lobster (Hummer) zu genießen. Ob ein Hummer nun hier (im wohl bekanntesten Restaurant) oder anderswo genossen wird, ist wahrscheinlich ziemlich egal. Auf alle Fälle war hier alles sehr gut organisiert, es gab Suppe und Muscheln satt und der Lobster war ein Genuss sondergleichen.

Karte des Tages

13.07.

Auf ging´s nach Peggy´s Cove (B), dem wohl bekanntesten Leuchtturm Kanadas. Trotz der langen Anfahrt erreichten wir mittags unser Zwischenziel. Aber alle Parkplätze im Ort hoffnungslos überfüllt. Jedoch fanden wir am Highway außerhalb des Ortes noch gute Abstellmöglichkeiten und machten uns dann zu Fuß auf den Weg. Im Ort war riesig was los: Es war Wochenende und genau an diesem Wochenende präsentierten sich Künstler bei der Arbeit - bei strahlendem Sonnenschein in einem herrlichen Fischerort. Am Leuchtturm selbst herrschte glücklicherweise kein allzu großer Andrang. Und auch die Aussicht war ausnahmsweise einmal sehr gut.
Der Ort Peggy´s Cove

Danach ging es weiter Richtung Lunenburg (C). Hier fanden wir am späten Nachmittag sogar mitten in der Stadt einen guten Parkplatz und machten einen Rundgang durch die schöne Altstadt (UNESCO-Weltkulturerbe) und an den Hafen.
Lunenburg, Blick vom Hafen auf die Stadt

Da der Campground in Lunenburg besetzt war, wichen wir auf den nächst gelegenen Little Lake Family Campground (D) aus. Er lag idyllisch an einem kleinen See. Die Überraschung kam aber bei der Anmeldung: Ein großes Festzelt war aufgebaut und abends sollte dort eine Band spielen - Weihnachtslieder! Richtig, die Betreiberin des Platzes hatte für die Dauercamper mitten im Hochsommer ein Weihnachtsfest organisiert. Und die Dauercamper hatten auch entsprechend aufgerüstet: Schneemänner, Weihnachtsgirlanden, Weihnachtsbäume usw. Und abends konnte man tatsächlich „White Christmas“ und „Jingle Bells“ aus dem Festzelt hören. Wir hatten aber den Stellplatz gewählt, der am weitesten vom Festzelt entfernt lag und konnten in Ruhe den hochsommerlichen Abend am See genießen.

Karte des Tages

14.07.

Am nächsten Morgen während des Frühstücks konnten wir am See längere Zeit einen Wapiti beobachten. Dann starteten wir auch sofort zum Kejimkujik Nationalpark Parc Seaside Adjunct (B). Hier hatten wir zunächst Glück: Das Kassenhäuschen war (noch) nicht geöffnet. So wanderten wir zunächst direkt zum Strand, in der Hoffnung, dort Seehunde und den Flötenregenpfeifer zu sehen. Kaum am Strand angekommen, lagen tatsächlich auf den Felsen vor uns über 50 Seehunde, Grey Seals und Harbour Seals. Nur der Flötenregenpfeifer wollte sich nicht zeigen; und in sein abgesperrtes Brutgebiet durften wir nicht hinein.
Seehunde im Kejimkujik Nationalpark

Nach längerem Verweilen am Strand brachen wir schließlich auf und wanderten in einem großen Bogen, zunächst immer an der Küste entlang, später durch die weiten Sümpfe zurück zum Wohnmobil. Das Kassenhäuschen hatte (nach mehreren Stunden) immer noch geschlossen. Wir verließen einen kleinen aber sehr eindrucksvollen Nationalpark.

Danach durchquerten wir mit dem Wohnmobil Nova Scotia auf dem Highway 8 gen Norden. Dieser Highway von Liverpool nach Norden führte auf einer ruhigen Straße durch eine herrliche Landschaft. Empfehlenswert! Am Abend erreichten wir dann den Dunromin Waterfront Campground (C) in Annapolis Royal.

Karte des Tages

15.07.

Morgens lag der Campground im dichten Nebel. Dieser löste sich aber bereits nach kurzer Fahrt im Annapolis Valley wieder auf. Wir folgten dem Highway durch dieses herrliche Tal bis nach Wolfville (B). Hier machten wir am Hafen einen kurzen Zwischenstopp und bekamen einen ersten Eindruck von dem mächtigen Tidenhub in der Bay of Fundy: Der Hafen war ein einziges braunes Schlammbecken, kein Wasser, keine Tiere, lediglich drei Weißkopfseeadler landeten am Flussufer.

Weiter ging es an diesem reinen Fahrtag.

Am Spätnachmittag erreichten wir schließlich die Hopewell Rocks (C) - bei Flut. Es sah alles ganz normal aus: Das Meer plätscherte an die Steilfelsen, einige kleine Inselchen lagen davor und auf einem Felsvorsprung saß ein junger Wanderfalke.
Hopewell Rocks bei Flut

Ganz in der Nähe fanden wir für die Nacht einen ausgezeichneten Stellplatz auf dem Ponderosa Pines Campground (D). Beim abendlichen Rundgang hofften wir noch auf ein paar Elche, aber außer Millionen von Mücken war nicht viel zu sehen.

Karte des Tages

16.07.

Nach dem Frühstück fuhren wir sofort wieder zu den Hopewell Rocks (B) - unser Ticket vom gestrigen Abend hatte weiterhin Gültigkeit.

Wir schienen an einem anderen Ort zu sein. Das Meer hatte sich weit zurück gezogen, die kleinen Inselchen waren mittlerweile frei auf dem Meeresboden stehende Felssäulen. Die Treppe nach unten war jetzt geöffnet und wir konnten auf dem Meeresboden zwischen den Felsen umher spazieren. Eine eindrucksvolle Landschaft. Weiter nördlich entdeckten wir im Schlamm des Meeresbodens sogar eine frische Elchspur, aber leider nicht den dazu gehörigen Elch.
Hopewell Rocks bei Ebbe

Nach der Mittagspause starteten wir die lange Rückfahrt nach Thorold, machten aber am Cape Enrage (C) noch einen sehr schönen Zwischenstopp. Schon die Anfahrt zum Cape mit dem leuchtend weißen Leuchtturm führte über eine abenteuerliche kleine Straße. Am Ziel angekommen, wunderten wir uns zunächst über das Kassenhäuschen und den Eintritt. Cape Enrange wird privat verwaltet mit dem Ziel, den Leuchtturm zu erhalten. Dafür wird der Eintritt genommen. Es wird aber auch einiges geboten: Zip line, Rock climbing und mehr. Und am Strand findet man massenhaft Fossilien und darf diese sogar mitnehmen.
Cape Enrange

Danach ging es auf kürzestem Weg Richtung Thorold, also durch die USA. Die Grenzkontrollen waren etwas nervig; es gab aber keinerlei Probleme. Abends haben wir in Bangor in einem Restaurant eine warme Mahlzeit eingenommen und danach einen Campground gesucht. Dabei nutzten wir das Navi. Der erste Campground existierte zwar, wurde aber nicht mehr betreut und galt als geschlossen. Also fuhren wir zum nächsten und fanden diesen, trotz Dunkelheit, noch geöffnet vor: Shady Acres and RV in Carmel, Maine (E).

Karte des Tages

17.07.

Fahrtag durch die USA. Mittags suchten wir uns unterwegs ein Restaurant zum Essen, unterwegs gab es mal einen "Coffee to go", ansonsten: fahren, fahren, fahren. Am Spätnachmittag begann die übliche Zeltplatzsuche mit den üblichen Schwierigkeiten. Aber in der Nähe von Rome (NY) fanden wir schließlich im Delta Lakes State Park (B) einen sehr schönen, aber einfachen Campground. Einziger Nachteil dieses Platzes: Mücken, Mücken, Mücken.

Karte des Tages

18.07.

Nächster Morgen: Nebel über dem See, weiterhin Massen an Mücken. Aber dennoch: Der Platz liegt toll und ist sehr ruhig.

Aber dann ging es auch sofort weiter mit einigen Zwischenstopps zum Einkaufen (ist in den USA günstiger als in Kanada) nach Thorold (B).

Karte des Tages

19.07.

Morgens um 07.00 Uhr beim Frühstück in Thorold: 27°C, gefühlt 39°C bei 83% Luftfeuchtigkeit (lt. Internet).

Dennoch fuhren wir an diesem letzten Tag an den Niagara River zum Whirlpool, um den Trail entlang des Flusses entlang zu wandern. Schnell fanden wir einen Parkplatz am Infozentrum am Niagara Parkway (B) und eine Übersichtskarte, so dass der Wanderung nichts im Wege stand. Über eine Treppe stiegen wir den Steilhang hinab. Danach begann ein gut markierter, aber doch sehr abenteuerlicher Weg. Wir mussten durch Felslöcher kriechen, über gestürzte Bäume steigen und wegen der hohen Luftfeuchtigkeit ständig auf der Hut sein, nicht auszurutschen.

Endlich am Niagara River angekommen, konnten wir auf der anderen Uferseite Blau- und Nachtreiher in großer Zahl beobachten, Drosseluferläufer begleiteten uns ständig mit ihren Warnrufen und im Wald waren viele Wanderdrosseln, Spechte und Waldsänger nicht nur zu hören sondern ausnahmsweise auch einmal sehr gut zu sehen. Der abenteuerliche Weg begeisterte uns, doch leider verpassten wir die nicht gekennzeichnete Abzweigung zum Whirlpool, so dass wir nach einem anstrengenden Anstieg wieder am Ausgangspunkt ankamen.

Aber wir gaben nicht auf, wanderten entlang der Straße zur Treppe direkt am Whirlpool und stiegen dort wieder hinab. In diesen sog. Whirlpool prallen die Wassermassen des Niagara River, beruhigen sich hier, bevor sie nach einer 90° Biegung als reißender Fluss weiter Richtung Ontario See rauschen. Der Whirlpool wäre ein idealer Platz zum Entspannen und vielleicht sogar zum Baden, wenn es hier nicht so stinken würde. Verendete Möwen und Kormorane lagen in nicht geringer Zahl am Ufer bzw. trieben noch im Wasser und verwesten allmählich.
Niagara River: Whirlpool

Deshalb gingen wir schnell weiter, wieder auf einem sehr abenteuerlichen Weg: Es ging durch Wälder, direkt am Ufer entlang, über Felsen, unter einem kleinen Wasserfall hindurch - hinter jeder Biegung wartete eine neue Überraschung. Ein großer Felsen im Fluss war z. B. übersät mit kugelförmigen glatten Aushöhlungen, ähnlich einer Gletschermühle.

Am Nachmittag machten wir uns dann auf den Weg zum Nicolston Dam Campground (C), der ganz in der Nähe der Fraserway-Station lag, an der wir am nächsten Tag das Wohnmobil zurückgeben mussten.

Je näher wir Toronto kamen, desto dichter wurde der Verkehr. Ständig änderte das Navi seine Streckenführung, weil aktuelle Verkehrsmeldungen fortwährend eingearbeitet werden mussten. Wir wurden schließlich in einem großen Bogen nahezu staufrei westlich um Toronto herum geleitet und schließlich über kleine Straßen zum Campground geführt. Lediglich ein schweres Gewitter mit Starkregen behinderte kurz die Fahrt. Aber dieses Unwetter legte in der Region nahezu komplett den Mais flach, viele Äste lagen danach auf den Straßen, weiter nördlich waren Bäume umgestürzt, es gab sogar eine großräumige Tornadowarnung und die Flughäfen Montreal und Ottawa wurden geschlossen. Das alles erfuhren wir am nächsten Tag bei Fraserway während der Rückgabe.

Karte des Tages

20.07./21.07.

Letzter Tag.

Rückgabe des Wohnmobils ohne Probleme (B), Transfer zum Flughafen (C) , lange Wartezeit, Mittagessen, dann endlich der Abflug mit Zwischenlandung in Paris, dort wieder lange Wartezeit, und endlich zu Hause!

Karte des Tages

Fazit der Reise

Die Nationalparks in Kanada sind immer eine Reise wert: Viel Natur, viel Landschaft, ausgezeichnete Infrastruktur, erstklassige Campgrounds.

Die Städte mit den Wolkenkratzern sind nicht unser Geschmack, lediglich Quebec mit seiner Altstadt hat uns sehr beeindruckt.

Kanada ist ein sehr großes Land, Entfernungen spielen hier keine Rolle. Unsere Reise war vielleicht etwas zu umfangreich geplant, aber wir wollten irgendwie Niagara, Hopewell Rocks und Cape Breton miteinander verbinden. Dass es dann in gut 3 Wochen 7000 km wurden, hatten wir auch nicht erwartet.

Sollte irgendwann eine weitere Reise nach Kanada anstehen, werden wir uns auf ein kleines Gebiet beschränken und dieses intensiver erkunden.

Aber dennoch: Viel gesehen, viel erlebt, unbeschreibliche Eindrücke gesammelt - es war toll!