West-/Ostpreußen - Ahnenforschung und Radtour

Wir (Uli und Reinhard) planten für den Herbst eine kombinierte Ahnenforschungs- und Radtour nach Malbork bzw. Iława. Für unsere Radtouren nahmen wir wieder die bewährte Höfer-Karte PL011 (West-Ost-Preußen) mit. Außerdem hatten wir uns zuvor bereits einige Radwanderwege in der Region Iława aus dem Internet besorgt.

22.9.

Die Anreise nach Malbork dauerte dank neuer Autobahnen und Schnellstraßen nur 8 ½ Stunden (incl. kurzer Pausen).

Wir hatten ein einfaches Quartier in der Nähe der Marienburg gewählt: Pokoje Gościnne Przy Zamkowej. Es war jedoch nur über die Hausnummer zu finden, keine Werbung am Gebäude. Wir wurden herzlich empfangen und fühlten uns hier sehr wohl. Besonders das Frühstück war Spitze.

Und in unserer Unterkunft bekamen wir auch gleich einen sehr guten Restaurant-Tipp: Das Schiffsrestaurant „U Flisaka“ auf der Nogat direkt vor der Marienburg.

23.9.

Morgens ging es erst einmal ins Staatsarchiv (nach schriftlicher Voranmeldung und bereits vorherigem Senden der Personendaten), um alte Originaldokumente zu finden. Nach Ausfüllen vieler Formulare fanden wir dann auch schnell die gesuchte Geburtsurkunde. Danach entdeckten wir überraschend noch eine weitere Geburtsurkunde aus der Familie von einer bisher unbekannten Schwester des Großvaters. Die Gebühren für die Kopien und den Versand nach Deutschland (9 PLN) beglichen wir sofort bei der GetIn-Bank (Gebühr dort 2 PLN - im Gegensatz zur BPH-Bank (15 PLN).

Mittags nahmen wir einen kleinen Imbiss neben der Burg ein: Nicht empfehlenswert!
Malbork

Nachdem wir bisher häufig nur mit polnisch weiterkamen, leisteten wir uns am Nachmittag eine persönliche deutsche Führung in der Marienburg. Sehr gut. Die Führerin konnte mit ihrem sehr guten Hintergrundwissen auch auf alle Fragen unsererseits eingehen. Überraschend erzählte sie vor einem Bild der Burg in Marienwerder (Kwidzyn) von einer ebendort selbst erhaltenen Führung durch einen gewissen Tomasz. Nachfragen meinerseits bestätigten, dass es derselbe Tomasz war, der uns bereits 2010 ebendort exzellent führte.

Abends haben wir dann wieder im Schiffsrestaurant sehr gut gegessen.

24.9.

Auf der Weiterfahrt nach Iława legten wir folgende Stopps ein:

- Sztuk: Ruine der Ordensburg (nicht unbedingt sehenswert)

- Gardeja, Standesamt: Weitere Nachsuche nach Dokumenten hier leider erfolglos

- Szymbark: Ruine der Ordensburg (sehr lohnenswertes Ziel, riesige Burgruine, noch heute in den Umrissen komplett erhalten, bombastisch)
Szymbark

In Iława angekommen, besuchten wir zunächst die Touristeninfo und bekamen dort eine aktuelle Radwanderkarte der gesamten Region inklusive Begleitheft - kostenlos! Danach erkundigten wir uns im Hauptbahnhof (Dworzec głowny) nach den Abfahrtszeiten der Züge nach Prabuty bzw. Ostróda. Danach fuhren wir zur vorgbuchten „Karczma Łabędź“ (A, D) nahmen einen „kleinen“ Imbiss ein (8 große Piroggen - sehr gut, aber waren nicht zu schaffen).

Trotz fortgeschrittener Zeit setzten wir uns noch auf die Räder und fuhren zunächst zum Bahnhof (B) zurück, um für den nächsten Morgen einen zeitlichen Anhaltspunkt zu haben. Dort kauften wir auch gleich die Fahrkarten nach Prabuty. Auf einer kleinen Radtour testeten wir die Qualität der dortigen Radwege. Die Tour führte uns auf der Ostseite des Jezioro Jeziorak auf dem ausgeschilderten Radweg 19 zunächst von Iława nach Frednowy (C). Von dort suchten wir uns auf kleinen Straßen bzw. Wegen einen Rückweg zur „Karczma Łabędź“. Leider fing es auf dem Rückweg teilweise sehr stark an zu regnen, so dass wir ziemlich nass an unserer Unterkunft ankamen. Dennoch: Radwege perfekt ausgeschildert und auch gut befahrbar - 38 km.

Karte des Tages

25.9.

Mit dem Zug um 08.53 Uhr nach Prabuty. Wegen Bauarbeiten sowohl in Bahnhöfen als auch an den Gleisen (Ausbau zur Schnellbahnstrecke) fuhr der Zug erst mit über 30 Minuten Verspätung ab.

In Prabuty führte uns der erste Weg wieder zum Standesamt. Ohne Voranmeldung „überfielen“ wir das Personal mit unseren Suchanfragen. Diese wurden überraschenderweise auf freundliche Art sofort bearbeitet - aber leider für uns ohne Ergebnis

Danach folgende Radtour: Prabuty (A) - Kleczewo (B) - Gilwa (C bzw. A) - Kołodzieje (B) - Bałoszyce (C) - Susz (D) - Olbrachtówko (E) - Brusiny (F) - Januszewo (G) - Piotrkowo (H) - Starzykowo (I) - Gardzień (J) - Iława (K) - Karczma Łabędż (L): 72 km.

Karte 1 des Tages (Prabuty - Gilwa; lt. Google Maps ist es nicht möglich, Gilwa zu durchfahren!)

Karte 2 des Tages (Gilwa - Zajazd Łabędż; Hinweis: zwischen H und I gibt es mittlerweile eine gut ausgebaute Direktverbindung!)

Interessant war die Suche nach alten Friedhöfen - meistens erfolglos, nicht jedoch in Gilwa, Geburtsdorf des Großvaters.

Gilwa durchfuhren wir langsam von Nord nach Süd, bis wir den Sklep (Laden) erreichten. Just in dem Moment kamen zwei Waldarbeiter (ganz offensichtlich nicht mehr ganz nüchtern) vorbei. Der eine sprach uns an und nachdem wir ihm unsere Geschichte (Ahnenforschung) erzählt hatten, sagte er uns, dass es in Gilwa mehrere Friedhöfe gäbe. Wegen der leicht alkoholisierten, und deshalb schwer verständlichen Aussprache mischte sich nunmehr auch der Kaufmann ein und wir bekamen schließlich den heißen Tipp, im Wald südwestlich des Ortes nachzuschauen. Dort war tatsächlich ein größerer Friedhof mit vielen Gräbern, davon die meisten wohl nach dem Krieg leider zerstört. An drei Gräbern konnten wir jedoch noch Inschriften erkennen, die uns anhand der Jahreszahlen sagten, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Doch leider waren unter den Inschriften keine der von uns gesuchten. Nach der Rückfahrt zum Sklep und einigen Überredungskünsten seitens des Kaufmanns und der Ehefrau des Waldarbeiters erklärte er sich bereit, uns weitere Friedhöfe zu zeigen. Und das war eine echte Hilfe für uns, denn diese Friedhöfe lagen so versteckt und waren teilweise von der Natur bereits wieder vereinnahmt, so dass wir sie alleine garantiert nicht gefunden hätten. Doch leider war das Ergebnis auf diesen Friedhöfen das gleiche wie bei dem ersten im Wald.
Gilwa: alter deutscher Friedhof

Obwohl wir nichts gefunden hatten, waren wir mit dem Ergebnis des Vormittags sehr zufrieden, da wir wieder einmal die Hilfsbereitschaft der Polen positiv erfahren haben.

Die weitere Radtour führte - zum Glück mit nur einem Regenschauer - teilweise auf sehr gut ausgeschilderten Radwanderwegen durch eine liebliche, leicht hügelige, von Seen durchsetzte Landschaft.

Auch heute war das Essen in der „Karczma Łabędź“ wieder sehr reichhaltig und gut.

26.9.

Für den heutigen Tag war Regen angesagt - je nach Wetterbericht mal mehr, mal weniger.

Nach dem Frühstück sah es aber so gar nicht nach Regen aus und deshalb starteten wir auch mit halbstündiger Verspätung zu unserer nächsten Tour - Richtung Süden: Karczma Łabędż (A) - Iława - Radomno (B) - Nowy Dwór (C) - Nowe Miasto Lubawskie (D) - Kurzestnik (E) - Marzecice (F) - Mikołaiki (G bzw. A) - Nowy Dwór - Gryźliny (B) - Jamielnik (C) - Skarszewo - Karaś (D) - Radomek (E) - Iława - Karczma Łabędż (F): 75 km

Karte 1 des Tages (Karczma Łabędż - Mikołaiki

Karte 2 des Tages (Mikołaiki - Karczma Łabędż; Mikołajki ist lt. Google Maps nicht zu durchfahren!)

Es war eine landschaftlich sehr schöne Radtour auf durchweg gut befahrbaren Nebenstraßen bzw. Radwegen. Besonders sehenswert: Die Kirche in Radomno, die uns auch auf der Rückfahrt lange Zeit am Horizont begleitete und die Basilika und der Marktplatz (Rynek)in Nowy Miasto. An der Drwęca entdeckten wir sogar Biberspuren.

Auf dem Rückweg hatten wir zunächst einige Probleme, die richtige Abzweigung nach Gryźliny zu finden. Es gibt aber in Polen immer und überall nette Leute, die einem dann den richtigen Weg zeigen. Auch der kleine Regenschauer kurz vor Iława konnte unsere gute Laune über den schönen Fahrtag mit starkem Kranichzug nicht trüben.
Radomno: Kirchturm

Weniger schön war, dass der Jezioro Karaś, ein Naturschutzgebiet, trotz eines entsprechenden Hinweisschildes in Karaś nicht einsehbar war: Hohe Bäume und Schilf verhinderten eine freie Sicht auf den See und die dort lebenden Tiere.

27.9.

Wir fuhren zunächst mit dem Auto Richtung Buczyniec (Kanał Elbląski, Oberländischer Kanal) und stellten ihn auf einem Rastplatz südlich Kąty ab.

Wir machten eine Radtour entlang des Kanał Elbląski zum JezioroDruzno und zurück: Zunächst folgten wir dem markierten Radwanderweg entlang des Kanał Elbląski bis Jelomniki, dort nahmen wir wg. Bauarbeiten den Weg Richtung Klepa, weiter auf markiertem Weg zum Jezioro Druzno, Węzina, Dlużyna, ab Kanał Elbląski dem markierten Weg in die andere Richtung folgend bis Stankowo, Nowe Dolno, Stare Dolno, Święty Gaj, Kwietniewo, Rychliki, Barzyna, Śliwica, Kąty, und zurück zum Rastplatz (66 km). Eine Karte konnte für diesen Tag nicht erstellt werden, da Google Maps die Radwanderwege nicht bekannt sind.

Der Tag begann mit einer Enttäuschung: Der Kanał Elbląski führte kein Wasser, alle Rollberge waren demontiert, ebenso die einmalige Technik: „Remont“ = Instandsetzung.

Aber nicht nur der Kanal sondern scheinbar auch „alle“ Straßen und Radwanderwege wurden renoviert. Es wurde eine Tour der Torturen. So war z. B. die Straße vom Kanał Elbląski nach Jelomniki eine einzige einspurige schlammige Baustelle. Unsere Fahrräder waren danach reif für die Waschanlage. Aber es sollte noch „besser“ kommen.

Zunächst jedoch erreichten wir den blau markierten Weg zum Jezioro Druzno, sollten diesen jedoch (noch) nicht befahren, da einige Bauern versuchten, auf selbigem eine widerspenstige Kuhherde zurück zum Dorf zu treiben. Das misslang jedoch komplett, da die Herde ausbrach und über die Wiesen zurück zu ihren Weidenplätzen tobte. Wir hatten aber nun freie Fahrt.
Jezioro Druzno

Es war ein landschaftlich sehr reizvoller Weg zum Jezioro Druzno. Und auch die alten Panzerplatten waren hier und in der Folge bis Stankowo wieder neu und gut verlegt (bis auf einige kleinere, aktuelle, aber dafür sehr schlammige Baustellen).

Am Jezioro Druzno bekamen wir durch einige Sichtschneisen einen Eindruck von der Vielfalt der dortigen Vogelwelt.

Das große Malheur begann schließlich in Rychliki. Großbaustellen erforderten große Umleitungen. Da diese aber teilweise über befestigte Sandpisten führten, war nunmehr auf diesen ein Fahrradfahren nahezu unmöglich: „Loch an Loch und hält doch“ - nein, kein Netz, sondern eine polnische Gemeindestraße ohne Asphalt, auf der wg. einer Umleitung nun auch Busse und LKW ständig hin- und herfuhren.

Dennoch erreichten wir, wenn auch etwas müde, wieder den Rastplatz, auf dem wir unser Auto geparkt hatten.

28.9.

Auch die Rückfahrt nach Deutschland verlief vollkommen stressfrei: Neue Straßen in Polen und nur wenig Verkehr sorgten für einen ruhigen Ausklang.

Fazit:

• Mit dem Wetter hatten wir Glück - nach den Prognosen hätte es viel schlimmer kommen können.

• In Polen wird weiterhin sehr viel gebaut. Positive Ergebnisse sind überall im Land zu sehen.

• In Iława konnten wir erstmals sehr gute Radwege innerhalb der Stadt nutzen.

• Das Radwegesystem in der Region Iława war nahezu perfekt organisiert: Ausgezeichnete Beschilderung und tatsächlich mindestens ausreichend befahrbare Wege.