Breslau und Milicz (24.-30.09.2014)

Wir wollten einige Tage entspannen. Unser Ziel war zunächst Wrocław (Breslau), um im dortigen Kirchenarchiv alte Familiendokumente zu suchen. Danach wollten wir dann in Milicz (Militsch) und Umgebung Rad fahren.

24.09.

Auf der Anreise erlebten wir an der Grenze eine Überraschung: Es fanden vereinzelt Grenzkontrollen statt. Ansonsten verlief die Fahrt aber problemlos, wenn man einmal davon absieht, dass die „Autobahn“ von Forst nach Legnica (Liegnitz) ehr als Feldweg, denn als Schnellstraße zu bezeichnen wäre.

Wir hatten uns ein Hotel am Rand der Innenstadt ausgesucht, von wo aus wir problemlos mit der Straßenbahn alle unsere Ziele erreichen konnten. Unser erstes Ziel war die Touristeninfo am Marktplatz. Hier bekamen einen kostenlos einen Stadtplan und einen Stadtführer mit Restaurantempfehlungen.

Na diesem Nachmittag liefen wir die Restaurantempfehlungen ab und stießen dabei immer wieder auf herrliche Jugenstilbauten (Foto) und auf die Breslauer Zwerge (Foto).

Abend gegessen haben wir dann im Pod Fredra direkt neben dem Rathaus. Dieses Restaurant war auch ein Tipp von polnischen Freunden in Gifhorn. Sehr gut!

25.09.

Für den Vormittag hatten wir uns das Kirchenarchiv auf der Dominsel vorgenommen. Aber leider war es geschlossen: Renovierungsarbeiten. Auf unser Klingeln öffnete sich jedoch die Tür, und nachdem wir unser Anliegen vorgetragen hatten, wurden wir tatsächlich eingelassen. Wir sollten aufschreiben, welche Dokumente wir suchten und es wurde uns versprochen, dass wir sie dann zugeschickt bekämen.

Nun hatten wir viel Zeit, um uns die Veränderungen in Wrocław (Breslau) seit unserem letzten Besuch anzuschauen. Unser Rundgang begann natürlich auf der Dominsel. Danach besuchten wir die Markthalle und kauften Buchweizenhonig, eine polnische Spezialität. In der Markthalle fielen uns besonders die vielen Pilze auf, welche zum Verkauf angeboten wurden.

Danach gingen wir zum Panorama Racławicka, welches den Sieg der polnischen Armee über die russische 1794 in der Schlacht bei Racławice zeigt. Unsere weiteren Ziele waren dann noch: Universität, die Altstadt, das Rathaus (Foto) mit einer sehr interessanten Dauerausstellung zu seiner Entstehung. Am Nachmittag setzten wir uns dann wieder in die Straßenbahn und fuhren zur Jahrhunderthalle (Hala Stulecia), ein UNESCO-Weltkulturerbe.

Und weil es so gut geschmeckt hatte, gingen wir am Abend wieder ins Pod Fredra.

26.09.

Heute wechselten wir das Quartier: Es ging nach Milicz (Militsch). Unser erstes Ziel in dieser kleinen Kreisstadt war die Touristeninformation. Dort bekamen wir umfangreiches Info- und Kartenmaterial für unsere geplanten Radtouren, natürlich kostenlos.

Zu unserem vorgebuchten Quartier Dworek pod Herbem (Foto) mussten wir noch einmal ca. 20 km nach Osten fahren, nach Wziąchowo Wielkie bei Gądkowice.

Als wir in das Dorf fuhren, sah es zunächst nicht so aus, dass hier überhaupt ein alter Gutshof steht. Aber dann, im hintersten Winkel, entdeckten wir ihn und waren angenehm überrascht. Nach einigen organisatorischen Absprachen machten wir unsere erste Radtour zur Erkundung der Umgenbung und der Qualität der Radwanderwege. Diese führte uns über Gadkowice (Straße) und Śmielice (Radwanderweg) zum Staw Gądzunowy Duzy. Der Radwanderweg ließ sich gut befahren und war auch gut ausgeschildert, die Beobachtungsmöglichkeiten an dem See waren dagegen nicht besonders. Am Abend zeigte der Fahrradtacho 28 km

27.09.

Unsere heutige Radtour führte ins Militscher Teichgebiet (Stawy Milickie). Zunächst fuhren wir auf der kleinen, verkehrsarmen Straße über Gądkowice nach Potasznia. Unterwegs sahen wir bereits 12 Seeadler. Dann schwenkten wir auf den orange markierten Radwanderweg. Ab Henrykowice wurde der Weg jedoch sehr schlecht, weil sowohl Landwirte als auch Waldarbeiter diesen mir ihren Maschinen vollkommen kaputt gefahren hatten. Erst als der schwarz markierte Radwanderweg dazu stieß, wurde der Weg wieder besser. Ab dem See Staw Czarny Las (Foto), ruhig und idyllisch gelegen, folgten wir wieder dem orange markierten Radwanderweg zum Staw Grabownica.

Dort bestiegen wir den Beobachtungsturm und trauten unseren Augen nicht: ca. 50 Seeadler saßen auf den Sandbänken oder flogen über dem See. Auf dem perfekt ausgebauten Radwanderweg der alten Schmalspurbahn über Milicz nach Sułów erreichten wir die Kreisstadt Milicz. Nach der Stadtbesichtigung (Schloss, Kirche (Foto), Marktplatz) machten wir in einem kleinen Kaffee eine Pause.

Auf dem Rückweg fuhren wir zunächst auf der Straße nach Ruda Milicka, von dort nach Norden durch das Schutzgebiet (Rezerwat Stawy Milickie) nach Nowy Grodzisko. Dabei hielten wir an verschiedenen Beobachtungsständen, um das Vogelleben auf den Teichen uns anzuschauen (Foto).

Ab Nowy Grodzisko folgten wir der Straße nach Norden und erreichten über Nowy Zamek die Hauptstraße, die uns zu unserem Gutshof zurückführte. Kurz vorm Ziel konnten wir noch den Einflug tausender Kraniche zu ihrem Schlafplatz im Teichgebiet beobachten. An diesem Abend zeigte der Fahrradtacho 55 km.

28.09.

Unser heutiges Ziel war Krośnice (Kraschnitz). Es war zunächst der gleiche Weg wie am Vortag, doch fuhren wir diesmal ab Potasznia auf der Straße über Bracław und Młodzianów gen Süden, bis wir wieder den schwarz markierten Radwanderweg erreichten. Am Staw Czarny Las folgten wir aber diesmal dem schwarzen Weg weiter bis nach Krośnice.

Die ersten Häuser weit vor der eigentlichen Ortschaft stammen aus dem 19. Jahrhundert und und wurden aus Rasenerzstein gebaut (Foto). Es sind heute die einzigen Überbleibsel des ehemaligen Hüttenwerkes.

Krośnice hat aber noch mehr zu bieten: Ein altes Schloss (Pałac) und eine mit Dampfloks betriebene Schmalspurbahn, die durch den ehemaligen Schlosspark fährt (Foto). Und an diesem Sonntag, an dem hier Erntedank gefeiert wurde, konnten wir diese Schmalspurbahn sogar in Aktion sehen.

Im Nachbarort, Wierzchowice (Wirschkowitz), schauten wir uns noch die von 1769-1773 gebaute Mariä-Geburt-Kirche an (Foto), ein spätbarockes Fachwerkgebäude.

Die Rückfahrt führte uns über Dąbrowa und Czatkowice zum Staw Grabownica. Heute sahen wir vom Turm 300 Silberreiher aber keine Seeadler. Durch das Teichgebiet radelten wir bei herrlichstem Sonnenschein zurück zum Hotel. Der Fahrradtacho zeigte 74 km

29.09.

Letzter Tag. Unser Ziel waren die Teiche östlich von Milicz.

Wir fuhren mit dem Auto nach Milicz und parkten in der Nähe des ehemaligen Bahnhofs der Schmalspurbahn. Von dort folgten wir dem erstklassig ausgebauten Radweg nach Sułów. Sogar eine Pannenstation mit Werkzeugen gab es am Bahnhof Milicz (Foto).

In Sułów endete leider der gut ausgebaute Radwanderweg und wir mussten uns hier erst einmal neu orientieren. Mit Hilfe der Höferkarte PL006 (Mittelschlesien) entschieden wir uns, Richtung Südwest durch die riesigen Waldgebiete zu fahren. Die „Straße“ entlang der Barycz war eher ein schlechter Feldweg, sollte sich aber im Verlauf deutlich verbessern. In Łaki (vor der Brücke über die Barycz) bogen wir links ab. Hinter Gruszeczka mussten wir an der nächsten Kreuzung nach rechts und an der darauf folgenden noch einmal nach rechts. Hier gab es einen Weg nach Norden, der uns über die Barycz führte und bei dem wir danach weiterhin auf kleinen Wegen das westliche Teichgebiet erreichten. So dachten wir.

Doch bereits am ersten großen Nebenarm der Barycz war Schluss. Der einzige Weg führte am Flussufer entlang zurück nach Osten. Nach ca. 1 km endlich sahen wir ein altes Wehr, auf dem normalerweise ein Fluss überquert werden kann - auch mit Fahrrädern. Jedoch stand hier ein Schild: Wstęp wzbroniony! Zutritt verboten! (Foto)

Was tun? Weiter gen Osten (der Weg wurde immer schlechter), oder wieder zurück bis zur letzten Kreuzung und dann auf einem andern Weg zu den Teichen? Der Weg über dass Wehr schien aber frei. Also versuchten wir es - und es klappte. Das Wehr war wegen Baufälligkeit gesperrt, den Weg darüber konnte man aber problemlos passieren.

Auf der anderen Seite angekommen, mussten wir uns dann in den dichten Wäldern einen eigenen Weg suchen (Foto). Zunächst am Fluss zurück, dann den nächsten Weg Richtung Norden, bis wir nach ca. 2 km auf einen rot markierten Radwanderweg stießen. Dieser führte uns schließlich, auch dank der Höfer-Karte, zum Staw Rudy bei Ruda Zimigrodzka. Der Besuch war aber nicht sehr lohnenswert.

Wir fuhren jetzt die Straße von Ruda Zimigrodzka nach Norden Richtung Niezgoda und folgten dann der nun wieder ausgezeichneten Beschilderung zum Beobachtungsturm am Stary Staw (lohnenswert). Unsere nächste Station war die Hütte am Staw Niezgoda (problemlos über die Straße 439 erreichbar).

Für den Rückweg nach Milicz wählten wir kleine Straßen: Niezgoda, Wilkowo, Olsza, Ruda Sułowska, Sułów, und von hier wieder auf dem Radweg der alten Bahntrasse zurück nach Milicz; insgesamt 69 km.